Nach Messerattacke in Würzburg

Ermittler: Bisher kein Propagandamaterial bei Messerstecher entdeckt

Ein islamistischer Hintergrund als Motiv für die Tat sei "naheliegend", so die Ermittler.
Ein islamistischer Hintergrund als Motiv für die Tat sei "naheliegend", so die Ermittler.
© dpa, Nicolas Armer, nar sab

29. Juni 2021 - 11:40 Uhr

Islamistischer Hintergrund naheliegend

Noch immer gibt es keine genaue Erklärung dafür, was den 24-Jährigen am 25. Juni antrieb, als er zu einem Messer griff und das Leben von drei Menschen auslöschte. Sechs weitere Opfer wurden teilweise schwer verletzt. Da der tatverdächtige somalische Flüchtling laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) "Allahu Akbar" ausgerufen habe, sei ein islamistischer Hintergrund naheliegend. Bislang konnten die Ermittler allerdings kein Propagandamaterial beim Tatverdächtigen finden.

Blutbad in Würzburger Innenstadt

Er soll gezielt Jagd auf Frauen gemacht haben, so berichten es mutige Zeugen, die versucht haben, den 24-Jährigen bei seiner Wahnsinnstat zu stoppen. Seine Opfer hat er allesamt mit einem Messer angegriffen, darunter die 24-jährige Steffi W., die nur kurz ein Kleid für eine bevorstehende Hochzeit kaufen wollte. Auch Mutter Christiane H. wurde bestialisch getötet, als der 24-Jährige ihr von hinten die Kehle durchschnitt. Am Freitagnachmittag gegen 17 Uhr hat der Tatverdächtige ein Blutbad in der Würzburger Innenstadt angerichtet.

Der Festgenommene ist ein 24 Jahre alter Somalier. Er soll 1997 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren sein. 2015 kam er nach Deutschland und erhielt hier offenbar subsidiären Schutz. Zuletzt wohnte er in einer Unterkunft in Würzburg. Laut Ermittlern war er in psychiatrischer Behandlung.

Ermittler werten Handys aus

"Bislang sind beim Tatverdächtigen noch keine Hinweise auf Propagandamaterial oder sonstige extremistische Inhalte gefunden worden", teilten Generalstaatsanwaltschaft München und Landeskriminalamt am Dienstag mit. Im Mittelpunkt der Ermittlungsarbeit steht derzeit die Untersuchung der Gegenstände, die beim Tatverdächtigen sowie in dessen Wohnung sichergestellt wurden. Darunter sind auch zwei Handys. Deren Inhalt müssen die Ermittler nun auswerten und in einem nächsten Schritt mit Hilfe von Islamwissenschaftlern bewerten. Im Zuge des Ermittlungsverfahren soll es ein psychiatrisches Gutachten geben, um zu klären, ob der 24 Jahre alte Somalier bei der Tat am Freitag schuldfähig war und in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss. (dpa/Pressestelle Bayerisches Landeskriminalamt/lha)