Elternunterhalt

Wann Kinder Unterhalt für ihre Eltern zahlen müssen

Werden unsere Eltern älter, ändert sich vieles - auch wer für wen zahlen muss.
© dpa, Jens Büttner

24. Januar 2020 - 18:56 Uhr

Elternunterhalt: Wenn Rente, Vermögen und Pflegegeld nicht reichen

Dass Eltern, nach einer Trennung beispielsweise, für ihre Kinder Unterhalt zahlen müssen, ist klar. Werden Eltern allerdings im Alter pflegebedürftig, wird der Spieß umgedreht - und Kinder sind zur finanziellen Unterstützung verpflichtet. Sängerin Lena Meyer-Landrut könnte das zukünftig drohen - und das, obwohl ihr Vater die Familie verließ, als sie gerade erst zwei Jahre alt war. Stellt sich die Frage: Kann eine solche Forderung auf jeden zukommen? Ab wann muss ich zahlen? Und was genau kann der Staat von mir fordern?

Wer muss Elternunterhalt zahlen?

Kinder müssen für Eltern finanziell einspringen, wenn das von den Eltern angesparte Vermögen, die Rente oder die Pflegeversicherung nicht ausreichen, um die Kosten für Pflegeheime oder -dienste zu zahlen. Andersrum müssen auch Eltern für ihre pflegebedürftigen Kinder zahlen, wenn diese nicht für die Kosten aufkommen können.

Der Staat streckt die Kosten in einem solchen Fall zunächst vor und fordert sie anschließend von den Angehörigen zurück. Zahlen müssen Familienmitglieder des ersten Verwandtschaftsgrads - also nur Eltern und Kinder, keine Schwiegereltern oder -kinder, Enkel, Geschwister, Cousins und Cousinen, Onkel oder Tanten.

Ausnahmen gibt es, wenn sich Eltern erheblicher Verfehlungen schuldig gemacht haben, erklärt die Verbraucherzentrale. Hierbei zählt vor allem die Zeit, in der sie selbst für das Kind verantwortlich waren. Ein abgebrochener Kontakt reicht allerdings nicht aus, um vom Elternunterhalt befreit zu werden. Bei Fällen von Misshandlungen oder grober Vernachlässigung kann es aber Ausnahmen geben.

Ab wann muss ich zahlen?

Seit dem 1. Januar 2020 müssen Kinder nur noch dann Unterhalt für ihre pflegebedürftigen Eltern zahlen, wenn sie ein Jahresbruttoeinkommen von mehr als 100.000 Euro haben. Mit dem Angehörigen-Entlastungsgesetz sollen Familien finanziell entlastet werden.

Das Jahresbruttoeinkommen setzt sich aus dem Arbeitslohn, aber auch aus Einkünften aus Vermietung und Verpachtung zusammen. Vorhandenes Vermögen wird dabei nicht berücksichtigt. Auch das Einkommen des Ehepartners wird laut Verbraucherzentrale nicht hinzugezählt.

Achtung: Bei Ehegatten gilt die Grenze von 100.000 Euro nicht. Wenn also ein Ehepartner ins Pflegeheim kommt, der andere aber weiter zu Hause wohnen bleibt, muss sich der nicht pflegebedürftige Ehepartner trotzdem an den Pflegekosten beteiligen - egal wie hoch sein Jahreseinkommen ist. Der Gesetzgeber sieht in der Ehe bzw. Partnerschaft eine besondere gegenseitige Einstandspflicht begründet, die keine finanzielle Entlastung vorsieht.

Das Problem: Wurde nicht früh (zum Beispiel mithilfe einer privaten Versicherung) für den Pflegefall vorgesorgt, kann das unter Umständen zu hohen finanziellen Belastungen führen. Welche Möglichkeiten es gibt, um für das Alter vorzusorgen, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Was kann der Staat von mir fordern?

Da der Staat die anfallenden Pflegekosten zunächst vorlegt, wenn Pflegebedürftige selbst nicht dafür aufkommen können, kann es sein, dass Kinder von pflegebedürftigen Eltern vom Sozialhilfeträger angeschrieben werden und ihr Einkommen offenlegen müssen. Liegt das Jahresbruttoeinkommen über 100.000 Euro holt sich der Staat auf diese Weise sein Geld zurück.

Übrigens: Auch wenn Eltern ihre Kinder nicht finanziell mit den Pflegekosten belasten wollen, verzichten können sie auf die Unterhaltsforderungen des Staates nicht. Nehmen sie staatliche Hilfe in Anspruch, fordert dieser das Geld von den Angehörigen zurück - sofern sie ein Jahreseinkommen über 100.000 Euro haben.

Gibt es mehrere Geschwister, wird der Unterhalt zunächst anteilig anhand des jeweiligen Einkommens berechnet. Zahlen muss dann aber nur, wer wegen des entsprechenden Jahresbruttoeinkommens unterhaltspflichtig ist. Es kann also sein, dass einige Kinder keinen Unterhalt für ihre Eltern zahlen müssen, andere aber schon.

Die Höhe des zu zahlenden Unterhalts wird - ähnlich wie beim Kindesunterhalt - anhand von entsprechenden Leitlinien (wie beispielsweise der Düsseldorfer Tabelle) berechnet. Fallen weitere Kosten an, übernimmt die das Sozialamt.