Pflegeversicherungen im Vergleich

Plötzlich Pflegefall - wie kann ich vorsorgen?

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13. Dezember 2019 - 15:09 Uhr

3,41 Millionen Deutsche sind pflegebedürftig

Plötzlich nicht mehr alleine essen zu können, sich nicht mehr waschen zu können, nicht alleine zur Toilette gehen zu können - ein Pflegefall zu sein. Für viele von uns ist das die größte Angst. Für 3,41 Millionen Deutsche ist es Realität. "Statistisch gesehen werden drei von vier Frauen und immerhin jeder zweite Mann zum Pflegefall", erklärt Dieter Homburg, Autor des Buches "Altersvorsorge für Dummies"* im Interview mit RTL. Die durchschnittliche Pflegezeit liegt zudem zwischen sechs und sieben Jahren. Gute Gründe, um vorzusorgen. Aber welche Leistungen sind eigentlich über die gesetzliche Pflegeversicherung abgedeckt und wie kann man zusätzlich vorsorgen?

Wie bin ich mit der gesetzlichen Pflegeversicherung abgesichert?

Jeder, der krankenversichert ist, muss seit 1995 in Deutschland auch pflegeversichert sein. Gesetzlich Versicherte sind automatisch in der gesetzlichen Pflegeversicherung, Privatversicherte müssen eine Pflegepflichtversicherung abschließen, wie Finanztip erklärt. Ganz ohne Versorgung steht man also im schlimmsten Fall nicht da. Wie viel man im Pflegefall bekommt, hängt davon ab, welchen Pflegegrad man hat und wie viel Unterstützung man benötigt.

Das Problem: Die gesetzliche Pflegeversicherung bietet nur eine Grundversorgung, eine Art Teilkasko-Schutz, wie Dieter Homburg erklärt.

Konkret bedeutet das, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nur einen Teil der Pflegekosten abdeckt. Für die restlichen Kosten muss man selbst aufkommen. Nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen (VDEK) mussten Bewohner eines Pflegeheims im Jahr 2018 durchschnittlich 1.830 Euro im Monat selbst tragen.

Ist das finanziell nicht möglich, springt das Sozialamt mit der "Hilfe zur Pflege" ein. Zunächst prüft der Staat aber, was der Pflegebedürftige noch an Erspartem hat, gibt Homburg zu bedenken. Ein Schonvermögen von 5.000 Euro darf der Pflegebedürftige behalten, wenn er die Hilfe des Staats in Anspruch nimmt. Trotzdem kann dann die eigene Altersvorsorge bzw. die des Ehepartners sowie das Vermögen der eigenen Kinder in Gefahr sein. Freibeträge können das Geld der Kinder in einem solchen Fall schützen.

Übernehmen Angehörige die Pflege, können diese je nach Zeitaufwand unter Umständen nicht mehr arbeiten. Für viele Familien nicht nur eine emotionale, sondern auch eine finanzielle Herausforderung.

Je nach Bundesland variiert der Eigenanteil für einen Pflegeplatz stark. Mit durchschnittlich 1.218 Euro pro Monat müssen Pflegebedürftige in Sachsen-Anhalt am wenigsten zahlen. In Nordrhein-Westfalen ist der Eigenanteil mit 2.252 Euro am höchsten.

Zusätzlich pflegeversichern: Was sollte ich beachten?

Bevor man eine zusätzliche Pflegeversicherung abschließt, gibt es einiges zu beachten. Altersvorsorge-Experte Dieter Homburg rät zu folgenden Schritten:

  • Informieren Sie sich zunächst im Internet, zum Beispiel bei Stiftung Warentest oder Finanztest.
  • Überprüfen Sie: Wie bin ich aktuell versichert?
  • Machen Sie einen Kassensturz: Was habe ich an Erspartem und was werde ich voraussichtlich im Alter haben? Was kann ich entbehren? Welche Unterstützung brauche ich eventuell? Habe ich genug Erspartes, um mögliche Pflegekosten selbst zu tragen? Und wird mein Vermögen im Alter so hoch sein, dass ich eine Pflegezusatzversicherung auch in der Rente weiter bezahlen kann?
  • Vergleichen Sie die verschiedenen Versicherungsmöglichkeiten wie Pflegekostenversicherung, Pflegerentenversicherung, Pflegetagegeld und Pflege-Bahr.
  • Bei vielen Versicherungsmodellen müssen Sie im Rentenalter und bei Pflegebedürftigkeit weiter Beiträge zahlen, gibt Stiftung Warentest zu bedenken. Unter Umständen steigen diese sogar noch an. Überlegen Sie, ob Sie sich das im Alter leisten können.
  • Prüfen Sie, ob Sie die Zahlungen im Falle einer Arbeitslosigkeit vorübergehend aussetzen können. Wer die Beiträge nicht aufbringen kann und darum kündigen muss, verliert unter Umständen nicht nur den Versicherungsschutz, sondern auch das bisher eingezahlte Geld.
  • Entscheiden Sie sich nach Ihrer Recherche für einen zusätzlichen Pflegeschutz, sollte dieser die wahrscheinlichsten Fälle abdecken:
  • 75 Prozent der Deutschen werden zu Hause gepflegt und wollen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Die abgeschlossene Versicherung sollte also auch zahlen, wenn man zu Hause gepflegt wird und nicht nur, wenn man im Heim wohnt.
  • 85 Prozent der Pflegebedürftigen haben Pflegegrad 1, 2 oder 3. Die Versicherung sollte also so konzipiert sein, dass in diesen Graden möglichst viel Leistung abgedeckt ist.
  • Schließen Sie eine Pflegezusatzversicherung nicht zu früh und nicht zu spät ab. Die Beiträge sind zwar bei Abschluss im jungen Alter günstiger, unter Umständen verliert man aber auch Geld. Stiftung Warentest rät zu einem Versicherungsabschluss mit Anfang oder Mitte 50.

Welche Pflegezusatzversicherungen gibt es?

Es gibt vier verschiedene Möglichkeiten, um privat für eine mögliche Pflegebedürftigkeit vorzusorgen. Bei allen Versicherungsmodellen gilt: Wie hoch der Beitrag ist, hängt vom Alter und dem Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss ab. Schließt man die Versicherung erst ab, wenn man schon Erkrankungen hat, kann die Versicherung einen Risikozuschlag verlangen, erklärt Finanztip. Schließt man sie sehr früh ab, zahlt man oft sehr lange umsonst Beiträge.

  • Pflegekostenversicherung:

Die Pflegekostenversicherung gibt es in zwei verschiedenen Varianten. Das erste Modell verdoppelt die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Belege für Pflegekosten muss man hier nicht einreichen, die Versicherung zahlt eine Pauschale je nach Pflegegrad. Der Nachteil: Wird man zu Hause gepflegt, kürzt die Versicherung die Zahlung laut Finanztip oft deutlich.

Bei Variante 2 müssen alle Pflegekosten nachgewiesen werden. Das kann einen erheblichen Verwaltungsaufwand mit sich bringen. Die Versicherung zahlt bei diesem Modell den Teil der Rechnungen, den die gesetzliche Pflegeversicherung nicht abdeckt. Das Geld bekommen Pflegebedürftige nur für die Pflegeleistungen, die auch die gesetzliche Versicherung zum Teil zahlt. Das Geld ist also nicht flexibel einsetzbar. Auch hier sind die Zahlungen bei Pflege durch Angehörige gedeckelt. Eine Pflegekostenversicherung lohnt sich vor allem für eine Pflege im Heim, weniger wenn man zu Hause geplegt wird, rät die Stiftung Warentest in ihrem Test von 2017.

  • Pflegerentenversicherung:

Die Pflegerentenversicherung funktioniert wie eine monatliche Rente im Falle der Pflegebedürftigkeit. Die Zahlungen sind meist nach dem Pflegegrad gestaffelt. Das Problem: Viele Versicherungen zahlen bei Pflegegrad 1 und 2 noch nicht. Bei manchen Anbietern kann man allerdings selbst festlegen, welcher Prozentsatz bei welchem Pflegegrad gezahlt wird, hat Finanztip herausgefunden. Der Vorteil: Die Versicherung zahlt egal, ob man zu Hause oder im Heim gepflegt wird, das Geld ist also frei einteilbar. Der Nachteil: Die Tarife sind von Anfang an relativ hoch.

  • Pflegetagegeld:

Ebenfalls über das Geld frei verfügen können Pflegebedürftige bei einer Pflegetageldversicherung. Hier wird je nach festgestelltem Pflegegrad eine feste Summe pro Tag ausgezahlt. Auch bei diesem Modell müssen Betroffene keine Rechnungen bei der Versicherung einreichen. Das Geld kann für professionelle Hilfe oder Pflege zu Hause eingesetzt oder angespart werden. Sowohl Finanztip als auch Dieter Homburg empfehlen diese Variante.

  • Pflege-Bahr:

Pflege-Bahr ist eine staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung. Fünf Euro gibt der Staat hier zum Versicherungstarif hinzu, wenn man selbst zehn Euro einzahlt. Der Vorteil: Im Vergleich zu den anderen Versicherungsmodellen darf hier niemand wegen Krankheit abgelehnt werden, es gibt also keine Gesundheitsprüfung. Der Nachteil: Nach Abschluss gilt eine Wartezeit von fünf Jahren. In dieser Zeit erhalten Betroffene auch im Pflegefall keine Leistung der Versicherung. Stiftung Warentest zufolge ist dieses Modell außerdem verhältnismäßig teuer und schließt die Versorgungslücke zur gesetzlichen Versicherung nicht. Zudem muss man auch im Falle einer Pflegebedürftigkeit weiter zahlen. Pflege-Bahr ist darum nicht wirklich empfehlenswert.

Wie kann ich ohne Pflegezusatzversicherung vorsorgen?

Sie möchten keine Pflegezusatzversicherung abschließen? Sie können auch privat Geld zurücklegen, um dieses im Alter für eine mögliche Pflegebedürftigkeit zu verwenden. Stiftung Warentest rät zudem, früh an altersgerechtes Wohnen zu denken. Hat man von vornherein eine ebenerdige Dusche, keine Treppen und barrierefreie Zugänge, spart man Geld für Umbauten.

Woran erkenne ich ein gutes Pflegeheim?

Wer sich im Pflegefall für professionelle Hilfe im Heim entscheidet, kann eine gute Pflegeeinrichtung an einigen wenigen Kriterien erkennen. Welche das sind, erklären wir hier.

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