Vier bekannte Spinnen-Mythen im Check

Verschlucken wir wirklich Spinnen im Schlaf? Wir haben einen Experten gefragt!

Verschlucken wir Spinnen im Schlaf?
© iStockphoto, Geobacillus/bymuratdeniz

18. September 2020 - 10:15 Uhr

Welche Mythen über die kleinen Krabbler sind wahr?

Beim Gedanken an Spinnen im Bett wird vielen schon ganz anders. Aber dann soll auch noch jeder von uns bis zu acht Spinnen im Jahr verschlucken! Kann das wirklich stimmen? Und leben die flinken Hausgäste wirklich im Staubsauger weiter, nur um uns nochmal zu überraschen?Spinnenexperte Dr. Christian Komposch vom Institut für Tierökologie und Naturraumplanung in Graz erklärt, was hinter diesem weit verbreiteten Spinnen-Mythen steckt.

#1 Behauptung: „Jeder von uns verschluckt Spinnen im Schlaf.“

Gerne wird behauptet, dass uns Spinnen im Schlaf in den Mund krabbeln und wir sie dann aus Versehen herunterschlucken. Brrr… Spinnenexperte Dr. Christian Komposch kann uns jedoch beruhigen: "Stimmt nicht! Eine schöne Geschichte, aber fernab der Realität. Für eine Spinne gibt es kaum Unattraktiveres, als in eine feuchte Mundhöhle mit starkem Luftzug zu krabbeln." Die schlechte Nachricht: Wir verschlucken trotzdem Spinnen, eben nur nicht im Schlaf. "Tatsächlich verschlucken wir durchschnittlich 2 Spinnen pro Jahr – und zwar beim Spaziergehen, Joggen oder Radfahren", so Dr. Komposch.

#2 Behauptung: „Spinnen überleben im Staubsauger.“

Hier muss man unterscheiden, findet Dr. Komposch: "Genauso wenig wie es 'den Staubsauger' gibt, gibt es auch nur 'die Spinne'. Eine robuste Plattbauchspinne könnte (...) bei schwächerer Saugleistung den Aufprall im Staubbeutel überleben und den Weg zurück versuchen." Die meisten Spinnen würden jedoch beim Saugvorgang sterben oder gar nicht an einer glatten Plastikfläche wieder hochklettern können, so der Experte. "Wir können also mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass eine einmal eingesaugte Spinne hier ihre letzte Ruhestätte gefunden hat."

+++ Auch in Deutschland gibt es Giftspinnen - so gefährlich sind sie. +++

#3 Behauptung: „Bestimmte Gerüche halten Spinnen fern.“

Besonders Lavendel-, Nikotin- oder Kastaniengeruch sollen Spinnen angeblich vertreiben. Der Spinnenexperte ist hier skeptisch: "Dazu sind mir keine seriösen Untersuchungen bekannt. Es mag hier jeder gerne selbst experimentieren – in meinen Augen dürfte es jedoch wenig erfolgversprechend sein. Im besten oder schlimmsten Fall duftet oder stinkt es in unserer Wohnung nach diesen Experimenten."

Stattdessen reagieren laut Dr. Christian Komposch viele Spinnen empfindlich auf Lufttrockenheit. Doch die stört nun mal leider auch den Menschen.

#4 Behauptung: „Spinnen werden von Licht angezogen.“

Wenn es nachts dunkel ist und wir in der Wohnung das Licht anknipsen: Locken wir die kleinen Krabbler dann damit an? Ganz so schlimm ist es nicht. "Die meisten Spinnen interessieren sich nicht für Licht – und sind damit weder anzulocken noch zu verscheuchen", erklärt Dr. Christian Komposch. Einige Arten jedoch nähern sich bewusst Lichtquellen. Wohl auch, weil sie dort eine reiche Beute erwartet: durch das Licht angelockte Fluginsekten. Das erklärt, warum wir zum Beispiel an Straßenlaternen neben jeder Menge Insekten häufig auch dicke Spinnennetze beobachten können.

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