Mann warf seinen Hund mehrfach in den Fluss

Nach Welpen-Quälerei in Eisenach: Augenzeugin macht Behörden schwere Vorwürfe

Kopfüber wirft der Mann seinen Hund in den Fluss, dokumentiert in Zeugen vor Ort.
Kopfüber wirft der Mann seinen Hund in den Fluss, dokumentiert in Zeugen vor Ort.
© Facebook, Animal Rights Wartburgkreis

02. September 2021 - 14:00 Uhr

"Ich wollte nur, dass der Hund wieder Luft bekommt"

Es sind Bilder, die Petra M.* nicht mehr ruhig schlafen lassen: Am 14. August wirft ein Mann seinen Hund immer wieder in die Hörsel bei Eisenach. Mehrere Male kämpft sich der Welpe durch die Strudel des Wehrs, wird von seinem Herrchen am Halsband herausgezogen – dann beginnt sein Martyrium von vorn. Petra M. kann nicht wegschauen und greift ein. Jetzt macht sie Polizei und Veterinäramt schwere Vorwürfe.

„Ich habe das Jaulen und Jammern des Hundes gehört"

Das Wehr in Eisenach ist ein beliebter Ort für Hundebesitzer. Man kennt sich, die Tiere können zusammen spielen und toben. Dieses unbeschwerte Gefühl ist bei Petra M. verschwunden. "Ich dachte, der bringt seinen Hund um!", sagt die 38-Jährige im RTL-Interview. Während des Gesprächs macht sie immer wieder kurze Pausen, muss sich sammeln. "Ich habe das Jaulen und Jammern des Hundes gehört, da musste ich nachsehen. Er hat ihn immer wieder ins Wasser geworfen, der ist fast anderthalb Meter durch die Luft geflogen", erinnert sich M. und erzählt weiter: "Ich bin dann hingegangen und habe den Mann angebrüllt. Was das denn soll, ob er noch alle Latten am Zaun hat. 'Das Dreckvieh soll schwimmen lernen', hat er dann gesagt."

Das Wehr in Eisenach: Hier sei das Wasser kalt, unter der Oberfläche lauern Strudel, sagt Petra M.
Das Wehr in Eisenach: Hier sei das Wasser kalt, unter der Oberfläche lauern Strudel, sagt Petra M.
© Privat

Petra M. greift ein - und wird bedroht

Ihr könne doch egal sein, was er mit seinem Hund machen würde, soll der Halter erwidert haben. Doch Petra M. lässt nicht locker, verständigt die Polizei. Indes wird der Mann immer aggressiver, will die 38-Jährige sogar mit Steinen und Stöcken bewerfen. "Der hatte schon alles in der Hand. Aber es waren zu viele Leute da, deswegen hat er es gelassen", sagt M. Trotzdem spricht der mutmaßliche Tierquäler mehrere Drohungen aus: "Dich krieg ich noch, ich bring dich um", soll er gesagt haben. Nach 20 Minuten, die sich für die Tierliebhaberin wie eine Ewigkeit anfühlen, kommen die Beamten ans Wehr. Der Mann und sein Hund, laut Petra M. ein Schäferhund-Welpe, sind in der Zwischenzeit verschwunden.

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Mehrmals muss der Welpe an der Mauer entlang schwimmen, dann beginnt das "Spiel" seines Herrchens erneut.
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© Facebook, Animal Rights Wartburgkreis

Am nächsten Tag eskaliert die Situation am Wehr erneut

Trotz der schlimmen Erlebnisse des Vortags geht Petra M. am Sonntag erneut zum Wehr. Tierschützer und Hundebesitzer sind in Eisenach gut vernetzt, das Video der Tat hat sich in den letzten Stunden rasant verbreitet. "Es war extrem voll. Ich glaube, die Leute waren alle wegen ihm da." Und tatsächlich: Kurz darauf erscheint der Mann mit seinem Hund am Flussufer. Petra M. ruft erneut die Polizei, während sich die Situation vor Ort zuspitzt. "Wir haben versucht, ihn einzukesseln. Damit er nicht wieder abhaut, bevor die Polizei kommt." Aufgebracht habe der Halter sogar versucht, auf die 38-Jährige loszugehen. Doch die hat nur eins im Sinn: "Ich habe nur noch auf den Hund geachtet. Das Halsband wurde immer enger, ich habe geschrien 'Der Hund kriegt keine Luft mehr!', aber er hat einfach immer weiter gezerrt." Irgendwie gelingt es Petra M., den Welpen zu befreien.

Nach Drohungen am Wehr: Petra M. traut sich nicht mehr allein nach draußen

Bis die Polizei eintrifft, halten einige Männer den Hundehalter in Schach. Der bedroht Petra M. erneut. "Er hat dieses Handzeichen an der Kehle gemacht und gesagt, dass ich kein leichtes Leben mehr haben würde", erzählt sie. Seit dem Vorfall vor rund zwei Wochen traut sie sich nicht mehr allein vor die Tür. Denn: Konsequenzen für den mutmaßlichen Tierquäler gibt es vorerst keine. Petra M. habe zwar Strafanzeige gestellt, doch die Ermittlungen laufen noch.

Auf RTL-Nachfrage erklärt das Landratsamt Wartburgkreis: "Der Hund wurde amtstierärztlich untersucht und seine Haltungsbedingungen begutachtet." Eine endgültige Beurteilung des Vorgangs durch die Staatsanwaltschaft stehe aber noch aus. Für die 38-Jährige ist das nicht nachvollziehbar: "Wir haben alle gesehen, was er mit seinem Hund gemacht hat. Das Wasser dort ist eiskalt, da sind Strudel. Das kann doch nicht sein, dass da nichts passiert!" Petra M. will nicht aufgeben. Für sie und die anderen Tierhalter am Wehr ist klar: Wir werden erst Ruhe geben, wenn der Hund ein sicheres Zuhause gefunden hat. (fge)

*Name von der Redaktion geändert