Dr. Specht zur aktuellen Omikron-Lage

„Die Zahlen werden in den nächsten zwei bis drei Wochen deutlich fallen“

Präventivmediziner Dr. Christoph Specht schätzt für uns die aktuelle Lage ein.
Präventivmediziner Dr. Christoph Specht schätzt für uns die aktuelle Lage ein.
© RTL

17. Januar 2022 - 10:04 Uhr

Die Zahlen der Corona-Neuinfektionen in Deutschland schießen weiterhin in die Höhe und die Sieben-Tage-Inzidenz erreicht fast täglich einen neuen Rekordwert. Doch das sollte uns nicht gleich in Panik versetzen, sagt Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht. In einem Interview mit n-tv erklärt er, wieso es schwierig sei, die Sieben-Tage-Inzidenz als Richtwert zu betrachten und wieso er glaubt, dass die Corona-Zahlen schon bald wieder deutlich sinken werden.

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Die Voraussetzungen sind überall unterschiedlich

Laut Dr. Christoph Specht sei es ein Fehler, die aktuelle Lage anhand der Sieben-Tage-Inzidenz zu beurteilen, denn schließlich gebe es alleine bei den Tests innerhalb der Länder unterschiedliche Voraussetzungen: "Es wird unterschiedlich getestet, die Leute gehen unterschiedlich zu den Tests, manche Länder haben kostenlose, in anderen Ländern muss man sie bezahlen. Wir hängen in Deutschland wahrscheinlich etwas hinten dran bei der Erfassung der Zahlen." Und die werden seiner Meinung nach sogar noch weiter ansteigen und Omikron sich weiter durchsetzen, wie er im Interview mit n-tv verrät.

„Wir müssen nicht komplett virenfrei sein“

So sehe momentan nun mal die Entwicklung aus. Sich deshalb aber von der Sieben-Tage-Inzidenz verrückt machen zu lassen, sei laut des Mediziners genau der falsche Weg: "Wir hatten vor sechs Monaten Einigkeit darüber, dass die Inzidenz nicht helfen würde. Damals war von Omikron noch gar nicht die Rede, jetzt machen wir wieder genau das gleiche: Wir schauen nur auf die Inzidenz. Das ist ein Fehler." Es solle außerdem nicht das Ziel sein, dass alle komplett "virenfrei" sind, denn das sei unsere Gesellschaft vor der Pandemie schließlich auch nicht gewesen: "Wir haben jeden Tag mit Viren zu tun. Wenn wir auf andere Viren testen würden, auch solche, die schon länger bei uns sind, dann würden wir in der Bevölkerung immer positive Testzahlen haben. So wird das mit Sars-CoV-2 zumindest in den kommenden Wintern auch sein. Davon müssen wir uns frei machen. Es ist prinzipiell nicht schlimm, mit Viren zusammenzuleben, das tun wir seit Tausenden von Jahren. Auch mit dem Sars-CoV-2 werden wir prima leben können. Wir haben jetzt die Chance, in diese Phase einzutreten."

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Omikron sollte nicht unterschätzt werden

Das soll jedoch nicht heißen, dass wir Corona nicht mehr als Gefahr sehen sollten, denn laut Dr. Specht dürfe auch die Omikron-Variante trotz allem nicht unterschätzt werden: "Es werden auch künftig Menschen daran sterben. Das war auch bei anderen Virusinfekten so und das wird in Zukunft hier auch so sein. Nur überhaupt nicht mehr in den Größenordnungen, die wir bisher gesehen haben." Mit Blick auf die aktuell hohen Infektionszahlen ist er sich sicher: "Die Zahlen werden zum Frühjahr hin fallen. Ich rechne sogar damit, dass die Omikron-Zahlen bei uns schon in den nächsten zwei bis drei Wochen deutlich fallen werden." (kse)