Trotz weniger Lieferungen - erstes EU-Ziel erreicht

Doch kein kalter Winter? Deutsche Gasspeicher zu 75 Prozent gefüllt

28.07.2022, Sachsen-Anhalt, Bernburg: Die Sonne geht hinter technischen Anlagen des Erdgasspeichers Katharina auf. Mit dem Namen sollte die russische Zarin Katharina II gewürdigt werden. Die Bundesnetzagentur spricht angesichts der sinkenden Gasliefe
Die Erdgasspeicher sind aktuell zu 75 Prozent gefüllt (Archivbild).
kdg wst, dpa, Klaus-Dietmar Gabbert

Steht uns doch kein eiskalter Winter bevor? Ein erster Meilenstein, nämlich das erste Speicherziel der EU ist jetzt erreicht, die deutschen Gasspeicher sind zu 75 Prozent gefüllt. Trotzdem: Experten warnen vor zu viel Euphorie. Je nach Witterung könne es doch noch eng werden.

Erstes Speicherziel erreicht - früher als vorgeschrieben

Trotz der seit Wochen deutlich reduzierten Liefermengen aus Russland sind die deutschen Gasspeicher wieder zu mehr als 75 Prozent gefüllt. Nach neuesten, vorläufigen Daten der europäischen Gasspeicherbetreiber vom Samstagabend lag der Füllstand am Freitagmorgen bei 75,43 Prozent. Damit wurde das erste Speicherziel einer neuen EU-Verordnung mehr als zwei Wochen früher als vorgeschrieben erreicht. Der Füllstand wird immer erst mit Verzögerung gemeldet.

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Speicher als Puffer für den Gasmarkt

Die Verordnung sieht vor, dass die deutschen Speicher am 1. September zu mindestens 75 Prozent gefüllt sein müssen. Am 1. Oktober sollen es mindestens 85 Prozent und am 1. November mindestens 95 Prozent sein. Die Speicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden damit eine Art Puffersystem für den Gasmarkt.

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Gründe: niederiger Verbrauch, hoher Preis

Der Füllstand lag am Freitagmorgen etwa 0,58 Prozentpunkte über dem Vortageswert. Laut Speicherverband Ines werden die derzeit starken Einspeicherungen vor allem durch geringe Sommer-Verbräuche und starke Importe aus Nordwesteuropa ermöglicht. Laut Bundesnetzagentur lag der Gasverbrauch in Deutschland bis einschließlich Juli knapp 14 Prozent unter dem des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Hauptgründe dafür sind nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) die milde Witterung und das hohe Gaspreisniveau.

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"Im Kern geht es um den November"

Der Geschäftsführer des Speicherverbandes Ines, Sebastian Bleschke, sprach von einer „guten Perspektive“, betonte aber, dass 75 Prozent erst ein Zwischenziel seien. „Im Kern geht es um die Erreichung von 95 Prozent am 1. November“, sagte er. Bei Normaltemperaturen im Oktober werde sich die beginnende Heizsaison stark auf die Einspeichermöglichkeiten auswirken. Aufgrund der stark reduzierten Gasimporte sei es daher möglich, dass dieses Füllstandsziel verfehlt werde.

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Gas eventuell im März oder April aufgebraucht

Bei normalen Temperaturen und den reduzierten Gaslieferungen über Nord Stream 1, könne das gespeicherte Gas schon im März oder April aufgebraucht sein, warnte Bleschke. „Sollte Russland die Gaslieferungen ganz einstellen, schon früher.“

Zu Unterdeckungen kann es nach Einschätzung des Verbandes allerdings auch schon vor März kommen. „Denn es kann passieren, dass an besonders kalten Tagen die Gasentnahme aus dem Netz so hoch ist, dass die zeitgleichen Gaseinspeisungen nicht zur Bedarfsdeckung ausreichen.“ In diesen Fällen müsste laut Bleschke die Nachfrage reduziert werden, obwohl noch Gas in den Speichern lagert. (dpa/tpo)