Temperaturen immer höher

Diese Krankheiten ruft der Klimawandel hervor - sind Sie betroffen?

Die immer heißeren Temperaturen rufen diverse Krankheiten hervor.
Die immer heißeren Temperaturen rufen diverse Krankheiten hervor.
© imago images/Pixsell, Grgo Jelavic/PIXSELL via www.imago-images.de, www.imago-images.de

16. September 2021 - 9:46 Uhr

Folgen des Klimawandels sind schon spürbar

Die Folgen des Klimawandels sind durch Flutkatastrophen und Ernteausfälle schon deutlich spürbar, aber eine aktuelle Studie der BKK Krankenkassen zeigt, dass viele Menschen sie auch am eigenen Körper spüren. Denn viele Krankheiten werden direkt durch den Klimawandel bedingt.

Hitzeschläge durch heiße Sommer immer häufiger

Der Klimawandel führt in Deutschland bereits zu einer deutlichen Zunahme bestimmter Krankheiten und damit auch zu höheren Kosten im Gesundheitswesen. Der Anstieg der Temperaturen und die Häufung sehr heißer Sommer hat im vergangenen Jahrzehnt zu mehr Hitzekollapsen, Dehydrierungen, Borreliose-Infektionen und Pollenallergien geführt.

Das geht aus einer Studie des BKK Landesverbands Nordwest hervor, aus dem die Westdeutsche Allgemeine Zeitung zitiert. Der Vergleich der Daten von rund zehn Millionen BKK-Versicherten mit Klimadaten zeigt einen drastischen Anstieg etwa von Hitzschlägen und Hitzekollapsen in den besonders heißen Sommern 2015, 2018 und 2019.

1. Hitzeschläge

Auf 100.000 Versicherte kamen von April bis September 2019 im Bundesschnitt 120 Fälle solcher "Hitzeschäden", fast dreimal so viele wie 2011.

Am häufigsten erlitten Freilandarbeiter wie Spargelstecher Hitzeschäden, aber auch Kranken- und Altenpflegekräfte waren überdurchschnittlich betroffen. "Auch das Gesundheitswesen selbst ist derzeit sprichwörtlich nicht wetterfest, Klimaanpassung ist das Gebot der Stunde. Auch für künftige Hitzewellen sind Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser oft nicht gut genug gewappnet", sagte Dirk Janssen, Chef des BKK Landesverbands Nordwest, der WAZ. Er fordert mehr Investitionen in den Hitzeschutz der Gebäude.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

2. Dehydrierungen

Ebenso nahmen die Klinikeinweisungen dehydrierter Menschen deutlich zu, betroffen waren vor allem Säuglinge, Kleinkinder und Menschen ab 75. In NRW gab es im Rekordsommer 2018 mit 1.064 Einweisungen je 100.000 Versicherte die bundesweit meisten Fälle von gefährlichem Flüssigkeitsmangel, der stationär behandelt werden musste.

3. Borreliose

Um bundesweit 36 Prozent gestiegen sind im vergangenen Jahrzehnt, dem wärmsten seit Aufzeichnung der Wetterdaten, die durch Zecken übertragenen Borreliose-Fälle, um rund 12 Prozent die behandelten Heuschnupfen. Für beides machen Mediziner die Erderwärmung verantwortlich. Wie Sie sich am effektivsten vor Borreliose schützen können, erklären wir hier.

Für Pollenallergiker wachse mit der Pollenmenge zudem die Gefahr, ein Asthma zu entwickeln, sagte der Gesundheitsökonom und Dermatologe Matthias Augustin vom Uniklinikum Hamburg Eppendorf der WAZ.

4. Hautkrebs

Er bringt auch den drastischen Anstieg an Hautkrebserkrankungen mit dem Klimawandel in Verbindung und prognostiziert eine weitere Zunahme, weil die Menschen mehr Zeit leicht bekleidet im Freien verbringen werden. "Wenn sich ein Volk auszieht und rausgeht, bleibt das nicht ohne Folgen: Dann wird sich mehr weißer und schwarzer Hautkrebs bilden", sagt Augustin.

Die Zahl der stationär und ambulant behandelten Hautkrebsfälle ist den BKK-Daten zufolge binnen zehn Jahren um 74 Prozent auf 6.730 Patienten je 100.000 Versicherten gestiegen, der BKK Landesverband spricht von einer "neuen Volkskrankheit".

Mediziner fordern mehr Aufklärung

"Die schleichenden Auswirkungen des Anstiegs der Durchschnittstemperaturen blieben bisher oft außerhalb der Wahrnehmung", sagt BKK-Landesverbandschef Dirk Janssen. Die Studie zeige, "dass klimasensible Erkrankungen in den letzten zehn Jahren hier und jetzt in Deutschland teilweise drastisch angestiegen sind".

Der Klinikarzt und Gesundheitsökonom Augustin fordert zudem mehr Prävention bei den klimasensiblen Krankheiten: "Klimafolgen-Prävention muss wieder zum Überlebensprinzip werden - so wie vor 200 Jahren, als man im Norden angefangen hat, Deiche zu bauen." (dpa/lra)