Ein bisschen Balsam für Sané

DFB-Team in der Einzelkritik: Tja, und wer war jetzt gut?

03. September 2021 - 6:21 Uhr

Auch Hansi (Flick) ist kein Blitz-Heiler!

Fußball-Spaß fällt nicht vom Himmel - auch nicht mit Hansi Flick: Gut zwei Monate nach der großen EM-Enttäuschung hat die Nationalmannschaft bei der zähen Länderspiel-Premiere des neuen Bundestrainers das fest eingeplante Tor-Festival verpasst. Gegen das Abwehrbollwerk des großen Außenseiters Liechtenstein kam die DFB-Elf in der WM-Qualifikation trotz 90 Minuten Dauerangriffs über ein dünnes 2:0 (1:0) nicht hinaus. Unsere Einzelkritik!

Liechtenstein feiert mit Bier und Bratwurst

Tor und Abwehr

Bernd Leno: Leno? Bernd Leno? Wo war Manuel Neuer? Der Mann will doch immer spielen! Keine Sorge, keine Revolution. Der Kapitän war verletzt und deswegen spielte der Arsenal-Keeper. Und der hätte in seinem neunten Länderspiel die Torwart-Handschuhe eigentlich in der Kabine lassen können. Musste nichts halten. Am Ende rauschte mal ein Freistoß durch seinen Strafraum. Mehr Aufregung musste er persönlich nicht ertragen.

Ridle Baku: Im zweiten Länderspiel bot der junge Wolfsburger rechts einen fahrigen Auftritt. Ballverluste, unpräzise Zuspiele und Flanken, das war (noch) nix. Dass er der Mann werden wird, der nach der Rückkehr von Joshua Kimmich ins Mittelfeldzentrum die Probleme auf der Problem-Position löst, nun, vielleicht war der Druck ein bisschen zu groß? Ab der 60. Minute Jonas Hofmann: Er hatte viel Platz und nutzte ihn für Flankenläufe. Guter Auftritt

Hansi Flicks ganze Analyse zum Spiel lesen Sie hier!

Thilo Kehrer: Beim DFB-Comeback nach einem Jahr war der PSG-Profi nicht zu bewerten. Im Kerngeschäft als Innenverteidiger nicht gefordert. Im Aufbau spielte er ein paar dynamische Pässe aus dem Zentrum auf die Außenbahnen. Legendäre Zuspiele waren das allerdings nicht. Sein Stellungsspiel war gut, wurde aber auch nicht auf harte Proben gestellt.

Niclas Süle: In den seltenen Duellen mit dem fast zwei Köpfe kleineren Aron Sele war er fast immer der Sieger. Am Vorabend seines 26. Geburtstags war der Münchner dann aber mangels Defensivaufgaben eher offensiver Mittelfeldspieler. Kurbelte mit an. Hatte viele Ballkontakte, viel mehr als Querpässe fiel ihm nicht ein. Hämmerte Mitte der zweiten Halbzeit auch mal aufs Tor. Über das Ergebnis lohnt das Gespräch nicht.

Robin Gosens: War trotz der Umstellung auf die Vierer-Abwehrkette fast ein Außenstürmer. Wie bei seiner auffälligen EM mit sehr viel Vorwärtsdrang. Gute Kopfballchance (18.), abgewehrter Schuss (68.), Vorlage zum 2:0 - am Ende verletzt raus. Das DFB-Team musste mit zehn Mann weiterspielen.

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Kimmich überrascht von "komischem" Spiel

Mittelfeld und Sturm

Ilkay Gündogan: Spielte etwas überraschend statt Leon Goretzka an Kimmichs Seite. Leitete viele Angriffe ein und kam selbst oft zum Abschluss. Der Man-City-Profi schoss aus allen Lagen, mal vorbei, mal gehalten, mal abgeblockt. Im 50. Länderspiel war er ohne Jubiläumsglück. Kann mehr. Hat er aber nicht exklusiv. Gilt fast für alle aus dem deutschen Team. Ab der 73. Minute Leon Goretz: Nach einer Stunde kam der dynamische Münchner - ohne großartig aufzufallen. An der Vorbereitung des 2:0 war er immerhin beteiligt.

Joshua Kimmich: Bekam die Kapitänsbinde des geschonten Manuel Neuer. Er war gewohnt zweikampfstark und ballsicher. Der neue Mittelfeld-Chef trieb seine Mitspieler auch verbal an. Geniale Ideen kamen aber auch von ihm nicht. Sein Chipball Mitte der ersten Halbzeit war sehr schön. Man kennt das von ihm. Aber schön ist nicht immer erfolgreich oder gefährlich. Aber der 82. Minute Florian Wirtz: Was es zu ihm zu sagen gibt? Nun, er ist der erste Debütant unter Flick.

Jamal Musiala: Begann bei seinem Startelfdebüt nervös, bereitete Werners Führungstor aber mit einem feinen Dribbling vor. War damit der Türöffner beim Flick-Debüt. Das Ausnahmetalent spielte danach mit deutlich mehr Selbstbewusstsein. Der geschmeidige Münchner schlängelte sich immer wieder um die Gegner. War übrigens der jüngste Startelfdebütant seit Uwe Seeler 1957. Ab der 60. Minute Marco Reus: Bekam im ersten Länderspiel seit knapp zwei Jahren von Flick 30 Spielminuten. Fügte sich gut ein, traf das Außennetz. In der Endphase war er sogar Kapitän.

Reus und Werner ziehen Bilanz

Mittelfeld und Sturm

Kai Havertz: Statt wie erwartet als Stoßstürmer lief der Champions-League-Sieger als Zehner auf. Dafür kamen von ihm zu wenige Ideen, um die vielbeinige Abwehr des Gegners zu knacken. Im engen Abwehrwall des Gegners suchte er vergeblich nach Räumen. Ein unauffälliger 60-Minuten-Auftritt des Chelsea-Profis. Ab der 60. Minute Serge Gnabry: Der Münchner fand im Strafraum nicht die Lücke. Eine scharf geschlagene Ecke von ihm verpasste Goretzka.

Leroy Sané: Bekam die Startelf-Chance zur Eigenwerbung - nutzte sie allerdings erst spät. Blieb zunächst im Eins-gegen-eins oft hängen und bekam einen Tunnel als Höchststrafe (21.). Steigerte sich nach der Pause und belohnte sich mit dem Tor zum 2:0. Der Münchner versuchte viel. Bot sich an, dribbelte, köpfte sogar (64.). Manches misslang - klasse sein Treffer nach Drehung (77.).

Timo Werner: Seinen ersten Schuss hielt der Torwart (7.). Nach Musialas klasse Vorarbeit traf der Mittelstürmer überlegt: 17. Länderspieltor. Ihm lag die Rolle als Stoßstürmer allerdings nicht, auf engstem Raum konnte er seine Schnelligkeit nicht ausspielen. Hatte nach 30 Minuten erst vier (!) Ballkontakte. Als er sein Tempo ausspielen konnte, hatte er gute Momente. (tno)

"Versuchen das jetzt in die richtige Richtung zu bringen"