Vor Auftakt-Kracher der 2.Liga„BigCityClub!” Bochum-Coach Rösler macht sich über Hertha lustig – dabei ist genau das längst Geschichte

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Uwe Rösler hat in der Pressekonferenz ein böses Wort aus Sicht der Herthaner gesagt.
IMAGO/HMB-Media

Manchmal reichen nur wenige Wörter, um eine alte Wunde wieder aufzureißen.
Und damit ist nicht „Ich liebe dich” gemeint. Vor dem Zweitliga-Duell zwischen dem VfL Bochum und Hertha BSC (20.30 Uhr live bei SKY) spricht Bochums Trainer Uwe Rösler gleich mehrfach vom „Hauptstadtclub“ – und er sagt sogar diesen schmerzhaften Satz: „Die sind doch der BigCityClub“. Ein Begriff, den Hertha eigentlich längst beerdigt hat. Warum ausgerechnet daraus jetzt die größte Hoffnung für den Traditionsklub entstehen könnte.

Rösler sagt „BigCityClub“ – in Berlin schütteln sich alle, bis Horst den Wind spürt

„Die Herausforderung beim Hauptstadtclub, beim BigCityClub ist natürlich noch mal anders als bei uns.“
Ein Satz, der in Berlin wohl eher ein Schmunzeln als Stolz auslösen dürfte. Denn der „BigCityClub“ – das war einmal.
Was unter Investor Lars Windhorst als milliardenschwere Vision begann, entwickelte sich sportlich zum Dauer-Frust. 374 Millionen wurden investiert, (Welt-)Trainer verschlissen und der Kader öfter umgebaut als der BER-Flughafen. Der große Angriff auf die Bundesliga-Spitze blieb aus. Stattdessen folgten der Abstieg, finanzielle Probleme und die Zweitklassigkeit.
Spätestens unter Präsident Kay Bernstein wurde dieses Kapitel endgültig geschlossen. Der Verein verabschiedete sich bewusst vom Image des „BigCityClub“ und setzte stattdessen auf Bodenständigkeit, Nachhaltigkeit und eine neue Identität.

Für Hertha BSC unter Stefan Leitl war der Test gegen Köln die Generalprobe vor dem Ligastart. (Archivbild)
Für Hertha BSC unter Stefan Leitl wird es wieder ein wildes Jahr. (Archivbild)
Andreas Gora/dpa

Rösler kauft Leitl das Understatement nicht ab

Denn nun heißt es Auftakt in die 2. Bundesliga und das in Bochum. Dabei möchte VFL-Trainer Rösler die Berliner überhaupt nicht kleinreden. Hertha-Coach Stefan Leitl hatte auf der Pressekonferenz erklärt, Bochum sei der Favorit und ein Berliner Sieg wäre eine Überraschung. Rösler, der mit seinem Bochumer Kader auch Locken auf der Glatze drehen muss, hält davon wenig. Er meint: „Ist doch ganz klar, dass man nach den Abgängen versucht, ein wenig tiefer zu stapeln.“ Für ihn spielt Hertha trotz des großen Umbruchs auf Augenhöhe mit Bochum.

„Wenn du die ersten 14, 15 Spieler anschaust: Top-Mannschaft. Absolut auf Augenhöhe mit uns.“ Der Bochumer Trainer verweist auf die Qualität im Berliner Kader und ergänzt: „Hertha hat sogar einen größeren Kaderwert als wir.“ Dann kommt ein Satz, den Hertha-Fans gerne wieder von ihm hören: „Da werden noch ein, zwei gute Leihen zum Schluss kommen.“ Das ist ganz klar.“

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Mit dieser Einschätzung könnte der Bochum-Coach gar nicht so falschliegen. Nach RTL-Informationen arbeitet Hertha tatsächlich noch an zwei hochkarätigen Leihgeschäften. Eingefädelt werden sollen diese über einen der einflussreichsten Spielerberater im deutschen Fußball. Die Berliner hoffen, ihrem Kader damit kurz vor Transferschluss noch einmal deutlich mehr Qualität zu verleihen.

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Der XXL-Umbruch könnte endlich der richtige sein

Dass Rösler überhaupt von den vielen Abgängen spricht, kommt nicht von ungefähr. Mit Fabian Reese, Michaël Cuisance, Tjark Ernst, Michael Karbownik, Kennet Eichhorn und weiteren Leistungsträgern verlor Hertha in diesem Sommer einen Großteil der bisherigen Achse. Insgesamt verließen zwölf Profis den Verein. Zum Saisonstart blieben sogar die prestigeträchtigen Rückennummern 1, 9 und 10 zunächst unbesetzt – ein sichtbares Symbol für den Neustart.
Auf den ersten Blick wirkt das wie der nächste große Ausverkauf. Doch diesmal könnte genau darin die größte Chance liegen. Statt erneut Millionen für (scheinbar) große Namen auszugeben beziehungsweise in der Spree zu versenken, setzt Hertha inzwischen konsequenter auf junge Spieler, Entwicklung und wirtschaftliche Vernunft. Ein Weg, den sich viele Fans seit Jahren gewünscht haben.

Stefan Leitl bekommt weiter das Vertrauen

Mit Stefan Leitl sitzt dafür genau der richtige Trainer auf der Bank, lässt sich selten von den aufgeregten Berliner Jounrlisten aus der Ruhe bringen. Der 48-Jährige Chino-Träger gilt als Entwickler, arbeitet gerne mit jungen Spielern und steht für klaren, strukturierten Fußball. Nach RTL-Informationen genießt Leitl trotz des enormen Umbruchs weiterhin das volle Vertrauen der Vereinsführung. Der Trainer soll die nötige Zeit bekommen, um die neue Mannschaft zu entwickeln und dem Klub wieder eine klare Identität zu geben. Allerdings gibt es auch intern eine Schmerzgrenze.

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Sollte Hertha mit einem kapitalen Fehlstart in die Saison starten, könnte Bewegung auf der Trainerposition entstehen. Nach RTL-Informationen gilt dann Ex-KSC-Trainer Christian Eichner als ernsthafte Option für den Posten des Cheftrainers.

Vielleicht ist das Ende des „BigCityClub“ Herthas größter Gewinn

Vielleicht war Röslers Satz also unfreiwillig das größte Kompliment des Tages. Denn Hertha muss gar kein „BigCityClub“ mehr sein. Der Verein hat jahrelang versucht, einem großen Etikett gerecht zu werden – und ist genau daran gescheitert.
Jetzt bietet sich die Chance auf einen echten Neuanfang. Mit einer mutigen Jugend, einem entwicklungsstarken Trainer, einer nachhaltigeren Kaderplanung und möglicherweise noch zwei gezielten Verstärkungen für den Endspurt der Transferperiode. Der „BigCityClub“ ist Geschichte. Vielleicht beginnt genau deshalb jetzt die beste Geschichte, die Hertha seit Jahren erzählen kann und dann klingt es von den Fans doch vielleicht nach „Ich liebe dich” oder wie Herthaner sagen: „Nur nach Hause...”

Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche