Zwischen Waffen und Windeln

Sie nahm ihr Baby mit ins Kriegsgebiet! 29-jährige mutmaßliche IS-Anhängerin aus Hessen angeklagt

Die wegen Entziehung Minderjähriger Angeklagte Maria L. (l) steht am 20.07.2017 zu Prozessbeginn im Landgericht in Nürnberg (Bayern) neben ihrem Anwalt Axel Küster. Zusammen mit ihren vier Kindern soll die 40 Jahre alte Mutter nach Syrien gereist sei
Die Mutter ist wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht angeklagt und muss sich bald vor dem OLG Frankfurt verantworten. (Symbolbild)
dka fgj, dpa, Daniel Karmann

Sie soll sich der Terrororganisation Islamischer Staat angeschlossen haben – und brachte damit ihr Baby in Lebensgefahr! Eine 29-jährige Mutter aus dem Hochtaunuskreis (Hessen) ist von der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht angeklagt. Sie steht unter Verdacht, Mitglied in zwei terroristischen Vereinigungen zu sein – und durch ihre Aktivitäten ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht verletzt zu haben, denn sie nahm die neun Monate alte Tochter mit ins syrische Kriegsgebiet!

Salafisten-Szene im Rhein-Main-Gebiet als Startpunkt

Gemeinsam mit ihrem Mann sei die damals 20-jährige Deutsche nach Syrien ausgereist, so die Generalstaatsanwaltschaft. Zuvor habe sie sich bereits in der salafistischen Szene des Rhein-Main-Gebiets bewegt, soll sich so auf die Ausreise in des Gebiet des Islamischen Staats vorbereitet haben. 2014 dann kam die Tochter zur Welt und die junge Mutter kümmerte sich um Haushalt und Kind, um ihrem Mann zu ermöglichen, als religiöser Kämpfer aktiv zu sein.

Lese-Tipp: Sie wollte sich angeblich dem IS anschließen: Mutter reiste mit vier Kindern nach Syrien

HANDOUT - 22.04.2018, Syrien, al-Hadschar al-Aswad: Das von der syrischen Nachrichtenagentur Sana zur Verfügung gestellte Bild zeigt Rauch, der nach einem Luftangriff der syrischen Regierung auf die Stadt Hajar al-Aswad aufsteigt. Der nahe der syrisc
Ein Luftangriff während des Syrien-Konflikts 2018: Hat die Hessin ihr Kind freiwillig der Gefahr von solchen Kriegsszenen ausgesetzt? (Archivbild)
BH wal, dpa, Uncredited

Mutter und Baby folgen Vater zu IS-Kämpfen

Nach einem Aufenthalt in der Türkei sollen die drei dann Ende 2014 in das Gebiet des Islamischen Staates (IS) ausgereist und sich dieser Terrororganisation angeschlossen haben.

„In den folgenden Jahren soll die Angeschuldigte ihrem Ehemann, der sich nach einer militärischen Ausbildung dem IS als Kämpfer angeschlossen haben und in dessen Finanzverwaltung tätig gewesen sein soll, zu dessen jeweiligen Einsatzorten gefolgt sein und durch die Führung des Haushalts dessen Tätigkeit für den IS ermöglicht haben“, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft.

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Kinder müssen erst Krieg, dann Gefangenlager ertragen

Der Mutter sei bewusst gewesen, „dass sie ihre damals neun Monate alte Tochter durch die erneute Verbringung in ein Bürgerkriegsgebiet in große Gefahr bringen würde“, so heißt es in der Anklage. So soll das Baby bei Kampfhandlungen erheblich verletzt worden sein. Doch nicht nur die körperliche, auch die geistige Gefahr ist Anklagepunkt: Die Erziehung im Sinne der IS-Ideologie, das Aufwachsen unter der menschenverachtenden Willkürherrschaft des IS und der fehlende Schulbesuch gelten in der Anklage der Generalstaatsanwaltschaft als erhebliche Gefahren für die Entwicklung des Kindes.

Laut den Angaben war die Frau 2019 festgenommen worden und befand sie sich gemeinsam mit ihrer Tochter und ihren weiteren Kindern bis März 2022 in einem kurdischen Gefangenenlager. Im März 2022 wurde sie am Frankfurter Flughafen festgenommen. Gemeinsam mit anderen Müttern war die Hessin bei einer großen Rückholaktion aus Syrien nach Deutschland gebracht worden. Sie befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. (dpa/gmö)