Stalker soll 23-jährige Stewardess ermordet haben

Mutter von Sophie N.: "Sie haben meiner Tochter zuerst die Würde, dann das Leben genommen"

Sophie N. lächelt in die Kamera
© Privat

23. Januar 2021 - 17:35 Uhr

Staatsanwältin fordert lebenslange Haft für Patrick S.

Er soll seine Ex-Kollegin Sophie N. mit Anrufen und Besuchen terrorisiert, gestalked und schließlich getötet haben, weil sie seine Liebe nicht erwiderte. Davon ist die Staatsanwältin im Landgericht Hannover überzeugt. Sie fordert für den 35-jährigen Angeklagten Patrick S. eine lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

Mutter von Sophie N. zum Angeklagten: "Sie sind eine kalte, menschenverachtende Person“

"Sie haben meiner Tochter zuerst die Würde, dann das Leben genommen." Ruhig und gefasst, richtet Christina N. diese Worte an den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter. Christina N. tritt als Nebenklägerin auf und spricht Patrick S. im Gerichtssaal direkt an: "Ich stehe hier für meine Tochter. Sie haben nicht nur das Leben meiner Tochter, sondern auch meins zerstört." Sophie war das einzige Kind von Christina N.

Patrick S. dagegen bleibt stumm. Der Angeklagte weicht den Blicken von Christina N. aus, blickt während ihrer Ansprache die ganze Zeit auf den Boden.

Staatsanwältin: Die Tat ist „entsetzlich und erschütternd“

Vor zwei Jahren lernen sich Sophie N. und Patrick S. bei einem Job in Dessau kennen. Die hübsche, schlanke 23-Jährige hat es Patrick S. angetan. Doch sie verliebt sich nicht in ihn, will nur Freundschaft. Dann beginnt der Terror für Sophie N. Laut Anklage ruft Patrick S. bis zu 160 Mal täglich bei Sophie an, klingelt 50 Mal in der Nacht an ihrer Tür. Im November 2019 bestellt Patrick S. Messer, Sturmhaube und Pfefferspray. Anfang Januar wird Sophie N. in ihrer Wohnung mit zahlreichen Messerstichen im Hals brutal ermordet. Eine Bekannte findet die tote Sophie N. im Badezimmer.

Für die Staatsanwaltschaft im Landgericht Hannover steht fest: Patrick S. hat Sophie N. zuerst massiv gestalked und schließlich "planvoll und in heimtückischer Weise" aus niederen Beweggründen ermordet.

Nebenkläger-Anwalt: „Sophie N. ist in einem sehr intimen Moment in ihrer Wohnung getötet worden“

Anwalt Marco Bennewitz, der als Nebenklägervertreter für Christina N. im Prozess auftritt, bringt es im RTL-Interview auf den Punkt: "Sophie war in der Situation, als der Angeklagte nach ihrem Leben trachtete, völlig arg und wehrlos und das rechtfertigt ganz klar die Annahme des Mordmerkmals Heimtücke."

Der Angeklagte soll am 11. Januar 2020 über den Balkon in Sophies Wohnung in Hannovers Südstadt eingedrungen sein. Im Badezimmer soll er die 23-Jährige erst ins Gesicht geschlagen und danach mit einem Elektroschocker und Pfefferspray attackiert haben. Als Sophie N. bereits wehrlos am Boden liegt, soll der 35-Jährige sie mit tiefen Stichen in den Hals erstochen haben.

Patrick S. ging in der Mordnacht selbst zur Polizei

Der Angeklagte hat während des fünfmonatigen Prozesses nicht einmal vor Gericht ausgesagt. Er zeige keine Reue, stellte die Staatsanwältin fest. Die Beweislage gegen den 35-Jährigen sei aber eindeutig. Nach der Mordnacht ist Patrick S. zur Polizei gegangen und habe dort gesagt: Ich habe einen Menschen getötet." Seitdem schweigt er.

Ob das Gericht der Forderung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage nachgibt und Patrick S. wirklich lebenslang hinter Gittern kommt, wird vermutlich Mitte Februar entschieden.