Schädliche Angewohnheit?

Daumenlutschen beim Baby: Abgewöhnen oder zulassen?

Daumenlutschen - eine ganz natürliche Angewohnheit beim Kind. Dennoch kann sie auch schnell schädlich werden. Wann Sie dem Kind das Nuckeln am Daumen abgewöhnen sollten.
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29. Juni 2020 - 11:54 Uhr

Daumenlutschen: Typische Angewohnheit beim Baby

Dass Babys Daumenlutschen, dieses Thema ist so alt wie die Menschheit selbst. Mittlerweile weiß man, dass der Druck des Daumens auf den noch weichen Kiefer zu Zahnfehlstellungen führen kann. Aus diesem Grund versuchen Eltern seit vielen Jahren, dem Kind das ausdauernde und lang anhaltende Daumenlutschen abzugewöhnen. Man erinnere sich nur an die grausame Geschichte von Konrad dem Daumenlutscher aus dem Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann. Heute gehen die Meinungen hierzu auseinander – die Geschichte kann jedoch dazu führen, dass sich das abzugewöhnende Verhalten durch das Vorlesen verstärken kann.

Das Baby lutscht am Daumen – woher kommt diese Angewohnheit?

Das am Daumen lutschen des Babys ist ein natürliches Verhalten, das bereits das ungeborene Kind im Mutterleib macht. Im ersten Lebensjahr nimmt das Kind seine Umwelt vor allem durch die Mundhöhle wahr (orale Phase). Über den Mund lernt es die Stillung seines Hungers und die beruhigende Wirkung des Daumenlutschens kennen.

Bis Ende des zweiten Lebensjahres gilt das Nuckeln als normales Verhalten und nicht als schlechte Angewohnheit. In der Regel verliert sich im dritten oder vierten Lebensjahr das Interesse des Kindes am Daumen. Sollte das Kind mit drei Jahren noch immer am Daumen nuckeln, kann ein Kinderarzt konsultiert werden.

Welche Auswirkungen hat Daumen lutschen auf Gaumen und Zähne?

Laut strengerer Empfehlung der Zahnärzte sollte das Baby das Nuckeln ab seinem ersten Geburtstag aufgeben, um Zahnfehlstellungen zu vermeiden. Je länger ein Baby lutscht, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich die Fehlstellungen auch auf das bleibende Gebiss übertragen. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um den Daumen oder den Schnuller als Nuckelhilfe handelt.

Durch langes, exzessives Nuckeln kann es auch zu einem offenen Biss kommen, an dem sich die Zähne nicht mehr berühren. Das führt zu Problemen beim Kauen, Abbeißen und Sprechen. Eine baldige Zahnspange ist dann nicht mehr zu vermeiden.

Daumen, Schnuller oder eine Alternative?

Ob sich nun der Daumen oder ein Schnuller schädlicher auf die kindliche Kieferentwicklung auswirkt, darüber streiten sich selbst die Ärzte. Die einen halten den Daumen für besser und natürlicher, weil das Kind keinen Plastikkörper im Mund hat, die anderen plädieren vehement für den Nuckel.

Diese gibt es in verschiedenen Formen und Größen. So kann man für das jeweilige Kind das geeignete Modell auswählen. Dabei gibt es auch ganz spezielle Beruhigungsschnuller und Stufensauger. Als Alternative bietet sich ein Schmusetuch an – doch nicht jedes Kind mag an diesem Tuch nuckeln.

Wie kann man dem Kind das Daumenlutschen abgewöhnen?

Die Entwöhnung sollte nicht durch das gewaltsame Wegnehmen des Schnullers oder durch Schimpfen geschehen. Dies würde zu Stress und Traurigkeit beim Kind führen und so zu einer vermehrten Nutzung des ungeliebten Gegenstandes oder des Daumens führen. Gute Erfolge können Sie jedoch durch Ablenkung erzielen, indem Sie mit dem Kind ein Bilderbuch ansehen, spielen oder einen Spaziergang machen, sobald es aus Langeweile nuckeln will.

Hat das Nuckeln hingegen emotionale Gründe, weil das Kleine sich allein gelassen fühlt oder frustriert ist, sollten Sie es liebevoll in den Arm nehmen, damit es das Nuckeln nicht mehr braucht. Bei Schnullern hat sich zudem die Übergabe auf ein kleineres Kind bewährt: Das Kind gibt den Schnuller symbolisch an ein Neugeborenes weiter und ist nun groß.