Warum nimmt mein Baby alles in den Mund?

Die orale Phase beim Baby – die Welt mit dem Mund entdecken

Viele Eltern haben schon einmal von der oralen Phase bei Kleinkindern gehört. Doch was steckt genau dahinter, wenn das Baby plötzlich alles in den Mund nimmt?
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29. Juni 2020 - 12:10 Uhr

Orale Phase bei Kleinkindern

Viele Eltern sind trotz des Wissens um die orale Phase ziemlich überrascht, wenn das Baby plötzlich alles in den Mund steckt. Kaum etwas ist vor dem Babymund sicher und wird genau analysiert. Da das Sehzentrum bei Babys noch in der Entwicklung ist, kann das Sehvermögen noch nicht alle gewünschten Informationen liefern. Der Mund hingegen ist beim Baby sehr sensibel und mit unglaublich vielen Nervenenden ausgestattet. Das Kennenlernen von Gegenständen mit dem Mund ist also ab dem Moment, in dem das Baby greifen kann, vollkommen normal.

Was ist die orale Phase und wie lange dauert sie?

Die orale Phase ist die Zeit in der Babyentwicklung, in der ein Kind die Welt voller Entdeckungsdrang mit dem Mund erforscht. Geprägt wurde der Begriff vom Psychoanalytiker Sigmund Freud, der die orale Phase als erste von fünf psychosexuellen Entwicklungsphasen in der Kindheit beschrieb.

Diese Phase beginnt mit einem Alter von etwa drei Monaten, sobald das Kind greifen und Dinge zum Mund führen kann. Sie fängt damit an, dass Kinder an den eigenen Fingern nuckeln. Später untersuchen sie alle möglichen Gegenstände mit dem Mund. Insgesamt kann die orale Phase bis ins fünfte Lebensjahr reichen.

Ihr Baby steckt alles in den Mund – welchen Sinn hat das?

Da die Augen noch nicht zuverlässig genug sind, Informationen über die Welt zu liefern, verlässt sich das Kind auf andere Sinneseindrücke. Die Geschmacks- und Tastnerven im Mund liefern dem Baby besonders wertvolle Informationen über alle möglichen Gegenstände. Es wird geprüft, wie ein Gegenstand schmeckt, wie hart oder weich er ist und ob er einen Widerstand bietet.

Besonders beim Zahnen neigen viele Kinder dazu, noch mehr an Gegenständen zu kauen. Dies lindert die Schmerzen ein wenig. Auch die Fingerfertigkeit und die Hand-Augen-Koordination werden durch das Führen zum Mund verbessert.

Der Umgang mit der oralen Phase

Wenn ein Baby alles in den Mund steckt, bringt es damit die Eltern oft zur Verzweiflung. Trotzdem sollte dem Baby der Forschungsdrang nicht verboten werden. Sie können Ihrem Kind beispielsweise ausgewählte Gegenstände zum Entdecken mit dem Mund anbieten. Natürlich sollten Sie darauf achten, dass die Gegenstände sauber sind, die Ihr Kind mit dem Mund ertastet.

Es kann aber schon mal vorkommen, dass Ihr Kind selbstständig Sand in den Mund nimmt oder an Grashalmen kaut. Das ist nicht weiter schlimm, denn der Kontakt mit Bakterien stärkt das Immunsystem des Kindes.

Vorsichtsmaßnahmen während der oralen Phase

Die Umgebung des Babys sollte möglichst sicher sein. Es sollten keine Medikamente, Putzmittel und ähnliche Dinge in Reichweite von Babyhänden zu finden sein. Achten Sie auch auf Zigaretten und andere Genussmittel. Außerdem sollten spitze und scharfkantige Gegenstände sicher weggepackt werden, denn sie können die weiche Mundschleimhaut aufschneiden.

Auch kleine Gegenstände, die das Baby leicht verschlucken könnte, gehören nicht in seine Nähe. Damit Dinge wie Blumenerde nicht probiert werden, empfiehlt es sich, alle Zimmerpflanzen mit einer speziellen Abdeckung zu versehen. Lassen Sie sich zudem beraten, wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Zimmerpflanzen giftig sind.