Unterricht ganz anders

Schüler lernen im eigenen Tempo

27. April 2021 - 21:51 Uhr

Hier dürfen Schüler mitentscheiden

Die zehnjährige Rim übt gerade Mathe, ihre Mitschülerin Büsra arbeitet im Deutschbuch und zwei Tische weiter lernen die Schüler was ganz anderes. In der fünften Jahrgangsstufe der Erich-Kästner-Gesamtschule in Darmstadt-Kranichstein läuft der Unterricht nicht im Gleichschritt, sondern die Kinder lernen individuell und im eigenen Tempo. Ein Modell, das Schule machen könnte.

Keine Klassenarbeiten, kein starrer Stundenplan

Lehrerin mit Schülerin im Lernbüro an der Erich-Kästner-Gesamtschule
Lehrerin Sirin Akdeniz berät eine Schülerin an der Erich-Kästner-Gesamtschule
© RTL, Simon Wahler

Seit Sommer 2020 läuft das Modellprojekt an der Integrierten Gesamtschule in Darmstadt. Die 69 SchülerInnen der Jahrgangsstufe fünf dürfen im eigenen Tempo lernen. Das heißt: Es gibt keine festen Klassen, keinen starren Stundenplan und auch keine gemeinsamen Klassenarbeiten. Stattdessen arbeiten die Kinder beispielsweise im sogenannten Lernbüro still an ihren Aufgaben. Zwei Lehrkräfte haben sie dabei im Blick und helfen bei Fragen weiter.

Bis zu einem gewissen Grad können die Kinder also relativ frei entscheiden, wann sie ihren Stoff bearbeiten wollen. Zusätzlich können sie Lerngruppen bilden, etwa für Projektarbeiten.

Dabei wissen die SchülerInnen, was sie bis zum Ende des Jahres möglichst erreichen sollten: "Jedes Kind hat einen Plan, welche Themen im Schuljahr in Mathe, Deutsch und Englisch vorkommen werden", berichtet Lehrerin Sirin Akdeniz, die für ihre SchülerInnen eher eine Beraterin ist. Ihren Wissensstand lassen die SchülerInnen über sogenannte "Beweise" prüfen, das sind individuelle Tests. "Die dürfen wir schreiben, wann wir wollen", sagt die zehnjährige Rim.

Individuelles Lernen statt Unterricht im Gleichschritt

Lehrer Murat Alpogus hat das Modell des individuellen Lernens an der Alemannenschule in Wutöschingen/ Baden Württemberg kennen gelernt und mit seinem Schulleiter, Dr. Domink Dilcher, in Darmstadt auf den Weg gebracht. "Wir haben einen genauen Blick darauf, was die Kinder können", sagt Alpogus "aber wir drängen die Kinder nicht zu irgendetwas".

Noch steht das Projekt ganz am Anfang, aber es gibt viel positive Resonanz von Eltern, Schülern und Lehrern. Wenn das "Lernen im eigenen Tempo" weiterhin so erfolgreich läuft, könnte sich der Schulleiter eine generelle Ausweitung für die Jahrgänge fünf bis acht vorstellen.

Quelle: RTL