Experten bewerten Ergebnisse sehr kritisch

Coronavirus nicht gefährlicher als Grippe laut aktueller Studie aus Stanford

Coronavirus-Test
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05. Mai 2020 - 9:44 Uhr

Coronavirus - und kein Ende

Die Coronavirus-Krise hält die Welt nun seit Monaten in Atem, in Deutschland herrschen seit etlichen Wochen Ausgangsbeschränkungen und seit Mitte vergangener Woche in allen Bundesländern eine Maskenpflicht, Eltern und vor allem Alleinerziehende verzweifeln ohne Schule und Kita, alle fragen sich, was aus dem Urlaub wird - und die Menschen in systemrelevanten Berufen ächzen unter den Belastungen. Schon seit langem raunen sich aber auch viele offen oder hinter vorgehaltener Hand zu: Das Coronavirus ist doch gar nicht gefährlicher als eine normale Grippe! Ein aktuelle Studie der Stanford University scheint das zu belegen. Wie ist das Ergebnis zu bewerten?

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Das sagt die Studie von Professor John Ioannidis

Wissenschaftler der Stanford University rund um den Gesundheitswissenschaftler John Ioannidis
haben in einer Studie die Sterblichkeitsrate von Corona-Infizierten untersucht. Die Stanford-Forscher suchten dabei im Landkreis Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien über Facebook Studienteilnehmer und fanden 3.300 Personen, die ihr Blut auf Corona-Antikörper testen ließen. Im Endergebnis fanden sie heraus, dass circa 4,1 Prozent der Probanden infiziert waren – das sind mehr als 85 mal so viele wie in den offiziellen Zahlen erfasst. Nur 956 Fälle waren dort gemeldet. Neu hochgerechnet kommen die Forscher auf maximal 81.000 Infektionsfälle. Diese Zahl würde sich enorm auf die Sterblichkeitsrate in der Region auswirken. Sie läge demnach nur bei 0,12 bis 0,2 %. Das entspräche tatsächlich der typischen Influenza-Sterblichkeitsrate.

Bioinformatiker sieht drei große Schwächen

Der Bioinformatiker Dr. Balaji S. Srinivasan nimmt die Studie in einem Artikel bei "Medium Science" minutiös auseinander. Er führt dort drei Schwächen auf. Erstens können Messfehler bei der Infektionsrate stattgefunden haben - er kommt in seinen Berechnungen zu dem Schluss, dass viele der positiven Antikörpertest-Ergebnisse am Ende falsch sein könnten. Zweitens sieht er nicht, dass die Stichprobe der Studie wirklich repräsentativ war. Und drittens erhöhe das Virus immer die Gesamtsterblichkeit, wie an New York City zu sehen sei. Bei einer niedrigen Sterberate von 0,12 bis 0,2 Prozent dürfte das nicht der Fall sein.

Übersterblichkeit zeigt deutliches Bild

"Die entscheidende Frage ist tasächlich immer, wo man untersucht", sagt Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, uns. "Wir haben in der Medizin den Begriff der 'Übersterblichkeit', das heißt wir schauen, wo sterben in einer gewissen Zeit wieviele Menschen", erklärt er, "wir haben in Deutschland beispielsweise normalerweise cirka 2500 Tote am Tag." Tatsächlich sei sichtbar, dass zum Beispiel in einem Bundesland wie NRW, das ja stark betroffen ist, keine höhere Todesrate im März und April im Vergleich zu anderen Jahren zu sehen sei, so Zinn. Grund dafür sei aber eben, dass rechtzeitig entsprechende Maßnahmen ergriffen wurden. Aber der Blick nach Spanien, Italien, Großbritannien oder New York City zeige eine deutliche Übersterblichkeit. Eine große Schwierigkeit sei auseinanderzurechnen, "was ein Problem der Viruserkrankung ist und was der Überlastung des medizinischen Systems" zuzurechnen sei. Denn wenn das medizinische System überlastet sei, "dann können auch alle anderen Patienten nicht behandelt werden, zum Beispiel die mit einem normalen Herzinfarkt", so der Hygieniker.

Antiköper-Tests schlagen auch bei harmlosen Corona-Viren aus

Auch Virologie-Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Institut für Tropenmedizin sieht die Studie von Ioannidis äußerst skeptisch. Der Bild-Zeitung sagt er: "Wir müssen sehr vorsichtig sein mit der Bewertung dieser Studie. Die Antiköper-Tests, die in Stanford angewendet wurden, haben Schwächen. Zum Beispiel weisen sie auch auf andere Viren aus der Corona-Familie hin, dadurch kann die Anzahl der positiven Tests größer erscheinen als sie ist." Der entscheidende Unterschied zur Grippe sei eben der fehlende Impfstoff und die nicht gegebene Teil-Immunität. Andres als beim Influenza-Virus könne beim Coronavirus Sars-CoV-2 ein "Flächenbrand" entstehen.

VIDEO: Experte rät von einfachen Anti-Körper-Tests ab

Viele Menschen fragen es sich zur Zeit: Hatte ich das Coronavirus Sars-Cov-2 vielleicht schon -und bin ich also schon immun? Die Aussicht ist verlockend: Man könnte die Eltern oder Oma und Opa ganz ohne Gefahr besuchen oder sich wieder mit Menschen treffen, die auch schon immun sind. Im Internet und in Apotheken kann man entsprechende Tests bereits erhalten, die einem verraten, ob man bereits Antikörper entwickelt hat. Doch was taugen die?

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Im dritten Teil der RTL.de-Serie "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus": Welche Lehren können wir aus der bisher größten Krise der Nachkriegszeit ziehen? Wir haben mit Experten gesprochen. War der Staat zu inkonsequent? Wurden die Schulen zu schnell geschlossen? Was tun gegen den Hamsterchaos? Und was ist der tatsächliche Grund, dass tausende Urlauber auf der ganzen Welt gestrandet sind?