Experte: "Bei Krebs gibt es mehr Gegner"

Corona-Medikament kommt - wieso gibt es noch keins gegen Krebs?

Während es bei Corona rasend schnell geht, ist gegen Krebs noch kein Wundermittel in Aussicht.
Während es bei Corona rasend schnell geht, ist gegen Krebs noch kein Wundermittel in Aussicht.
© iStockphoto, FatCamera

05. Februar 2021 - 19:36 Uhr

Die Krebsforschung scheint hinterherzuhinken

Ein Corona-Medikament aus Niedersachsen steht vor der klinischen Testphase. Und das schon ein gutes Jahr nach dem Ausbruch des Coronavirus in Deutschland. Aber warum geht die Medikamenten-Entwicklung gegen Corona so rasend schnell und gegen Krebs gibt es nach vielen Jahrzehnten Forschung immer noch kein Mittel? Das haben wir Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht gefragt.

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Krebs-Medikamente gibt es - und auch Fortschritte

RTL-Medizinexperte Dr. Specht
Medizinexperte Dr. Specht:: "Es ist falsch, dass es gegen Krebs keine Medikamente gibt."
© RTL

Die Annahme, dass es in der Entwicklung von Krebs-Medikamenten nicht vorangeht, ist allerdings ein Trugschluss. "Es ist ja gar nicht so, dass es gegen Krebs keine Medikamente gebe oder in den letzten Jahrzehnten keine entwickelt worden wären. Das ist nur so, weil es schon viel längere Zeit geschieht, in den letzten zwei Jahrzehnten gab es zum Beispiel ganz besonders gute Fortschritte - bloß nicht so spektakulär", so Specht.

Der Hauptgrund für diese Wahrnehmung bestehe aber darin, dass viele Menschen glauben würden, dass Krebs gleich Krebs sei. "Aber Krebs ist nur ein Überbegriff. Jeder Krebs ist anders. Man könnte sogar sagen, dass jeder Krebs bei jedem Patienten anders ist."

Der Darmkrebs bei Patient A ist also nicht der gleiche wie bei Patient B. Im Umkehrschluss bedeutet das: Es kann kaum das eine Medikament gegen alle Krebsarten geben. "Da muss quasi für jeden Menschen ein eigenes Medikament hergestellt werden", erklärt Specht.

Bei Krebs hat man Millionen Gegner

Bei Corona sieht das anders aus, so Specht. Während es bei Krebs Millionen Gegner gebe, die alle ein bisschen verschieden sind, habe man bei Corona nur einen Hauptgegner - "wenn man mal die Mutationen weglässt, aber dabei sind es ja nur gewisse Abweichungen".

Bei den Corona-Mutationen baue man bei einem Impfstoff oder Medikament "salopp gesagt, den Kopf anders, aber der Körper bleibt so" und so könne er eben auch gegen die Mutationen wirken.

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Biontech wurde gegründet, um Krebs zu bekämpfen

Weit vorne in der Krebsforschung ist das Unternehmen Biontech. "Die Firma ist ja nicht entstanden mit der Idee, Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten zu entwickeln, sondern quasi mRNA-basierte Impfungen gegen Krebszellen und zwar ganz spezifisch für jeden Patienten einzeln", so Specht.

In der Tat hat sich das Mainzer Unternehmen, das sich zuletzt mit seinem Impfstoff gegen das Coronavirus einen Namen gemacht hat, die "individuelle Krebstherapie" auf die Fahne geschrieben. Denn: "Wenn der Tumor eines jeden Patienten einzigartig ist, warum werden dann alle Patienten gleich behandelt?", heißt es auf der Webseite des Unternehmens.

Wie das funktioniert, hat uns Specht erklärt: "Man schaut sich an: Wie sieht die Krebszelle aus bei einem bestimmten Patienten, welche Anti-Körper braucht es dafür, dass diese Zellen dem Immunsystem als böse präsentiert werden können. Diese Antikörper hat Biontech entwickelt, es gibt dazu allerdings noch kein Produkt." Dennoch spricht Specht von "massiven Fortschritten" und die Krebsforschung wird auch in Pandemie-Zeiten ganz sicher nicht vergessen.

Dr. Specht beantwortet Fragen zum Thema Krebs

Das Thema Krebs beschäftigt viele von uns. Entweder ist man selbst erkrankt oder kennt Menschen in seinem Umfeld, die gegen die tückische Krankheit kämpfen. RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht hat sich zum Weltkrebstag Zeit für Leserfragen zum Thema Krebs genommen – seine Antworten lesen Sie hier.