Diskussionen über neue Corona-Parameter

Inzidenzen explodieren - Kann das die Abschaffung des Wertes ändern?

24. August 2021 - 10:16 Uhr

Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen extrem hoch

Bundesweit liegt die Inzidenz jetzt bei über 50. In einigen Bundesländern – wie NRW – sogar schon im dreistelligen Bereich und in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen (unter 12 Jahren) sogar zehn mal so hoch: Inzidenz 500 plus.
Erste Politiker schließen deshalb auch erneute Schulschließungen nicht mehr aus. Andere Bundesländer hingen heben dagegen die Maskenpflicht für Grundschüler auf. Was wird denn jetzt: freier Lauf oder neue Einschränkungen? Und: Brauchen wir überhaupt noch den Inzidenzwert oder gelten bald andere Parameter?

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Corona-Kabinett will weg von 50er-Inzidenz

Das Corona-Kabinett der Bundesregierung ist sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters einig, die Infektions-Inzidenzwerte abzuschaffen. Kanzlerin Angela Merkel und die zuständigen Fachministerinnen und -minister hätten am Montag erstmals seit der Sommerpause wieder getagt und man sei sich einig, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zügig einen entsprechenden Vorschlag machen soll. Das Bundeskabinett solle diesen dann endgültig beschließen, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

Man habe sich darauf verständigt, dass künftig die Hospitalisierung – also die Zahl der Covid-19-Patienten, die im Krankenhaus liegen – der neue wichtigste Indikator sein soll, hieß es am Montag in Regierungskreisen. Die Zahlenwerte bei den Sieben-Tage-Inzidenzen wie 35, 50 oder 100, die bisher über Einschränkungen des öffentlichen Lebens bestimmten, sollen dagegen ganz wegfallen. Damit ändert die Regierung ihre Corona-Politik der letzten Monate grundlegend.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte sich bereits am Morgen dafür ausgesprochen, den Inzidenzwert von 50 aus dem Infektionsschutzgesetz zu streichen. "Die 50er-Inzidenz im Gesetz, die hat ausgedient", sagte der CDU-Politiker am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Der Wert - nicht mehr als 50 neue Infektionen pro 100. 000 Einwohner binnen sieben Tagen - habe für eine ungeimpfte Bevölkerung gegolten.

Immer mehr Coronafälle bei Kindern und Jugendlichen

Die Zahlen steigen vor allem in den Bundesländern, in denen die Schulferien enden. Der Anstieg wird vor allem mit der Zahl der Reiserückkehrer und dem Schulstart nach den Ferien erklärt. Das RKI verzeichnet stark steigende Infektionszahlen vor allem in den jüngeren Altersgruppen, die entweder nicht geimpft werden können (Kinder bis zwölf Jahre) oder bei denen die Impfquote sehr gering ist (12 bis 16 Jahre).

In Schleswig-Holstein läuft die Schule bereits schon seit mehreren Wochen. Ministerpräsident Daniel Günther sagt im RTL Nord-Sommerinterview wie mit hohen Inzidenzen unter Schülern umgegangen wurde: "Wir haben bei dem Reiserückkehrerinnen und Reiserückkehrern alle Schülerinnen und Schüler rausgefiltert, die positiv getestet sind und offenkundig haben wir das so gut hinbekommen, dass die Zahlen auch in den Schulen jetzt wieder nach unten gehen." Er setze zudem auf den Fortgang der Impfkampagne, bei der Schlesig-Holstein aktuell bundesweit Vorreiter ist. Dies schütze auch Schülerinnen und Schüler, die sich noch nicht impfen lassen können.

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Inzidenzen steigen bundesweit - vor allem aber in NRW

Steigende Zahlen gibt es bundesweit aktuell fast überall. Im Durchschnitt liegt die Inzidenz bei etwa 50. Im Bundesland NRW liegt sie jedoch fast doppelt so hoch (100), in einigen Städten, beispielsweise Leverkusen, sogar bei über 200. Vor einer Woche waren die Inzidenzen nur halb so hoch gewesen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht die steigenden Zahlen kritisch: "Wir sind an der Schwelle die Kontrolle zu verlieren.". Besonders in NRW sehe er viele Menschen, die sich nicht mehr an die Corona-Maßnahmen halten: "Das Leben wird wieder so gelebt, als wenn es Corona nicht mehr gäbe, Corona ist aber noch da."
Seiner Meinung nach müsse jetzt gehandelt werden, bevor es zu spät ist: Die Einführung einer 2G-Regeln sei für ihn unerlässlich.

Lockdown, 2G, 3G - wie gehts weiter?

Neben der Inzidenzfrage, spielt auch immer wieder die Frage nach einem erneuten Lockdown eine Rolle: Sowohl Armin Laschet als auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hatten am Sonntagabend betont, dass es keinen neuen Lockdown für Geimpfte geben solle.

Zum mehr Diskussionen führt die Frage wie künftig mit Nicht-Geimpften umgegangen werden soll: beispielsweise, ob Nicht-Geimpfte Zugang zu Veranstaltungen in Innenräumen haben dürfen oder nicht. Bund und Länder setzen derzeit auf ein 3G-Konzept, das Geimpfte, Genesene und Getestete gleichstellt. Einige private Firmen und Sportvereine wenden aber bereits eine sogenannte 2G-Regel an, die nur Geimpften und Genesenen Zutritt erlaubt. (dpa/khe)