Unternehmen Biontech "auf der Zielgeraden"

Er steht für Corona-Hoffnung: Ugur Sahin entwickelt Impfstoff

Sahin studierte Medizin an der Universität zu Köln
© REUTERS, FABIAN BIMMER, FBI

10. November 2020 - 12:02 Uhr

Finaler Genehmigungsprozess beantragt

Schon im September machte der Chef des Unternehmens Biontech große Hoffnung auf die Entwicklung eines hochwirksamen Impfstoffs gegen das Coronavirus. Nun meldet das Unternehmen einen Durchbruch. Der Impfstoff biete zu 90 Prozent Schutz vor dem Coronavirus. Kriegen wir also wirklich bald einen Impfstoff gegen das Coronavirus? Schon jetzt gehört Firmengründer Ugur Sahin zu den 100 reichsten Menschen in Deutschland.

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Aktienkurs von Biontech seit März verdreifacht

Sollte sich der Mainz-Marburger Impfstoff tatsächlich durchsetzen, wäre das auch für viele tausend Aktionäre von Biontech eine gute Nachricht. Der Aktienkurs hat sich seit März bereits verdreifacht. Die Marktkapitalisierung des jungen Unternehmens hat die Marke von 20 Milliarden Dollar überschritten - Biontech ist damit drei bis viermal so viel wert wie die Lufthansa oder die Commerzbank.

Das wiederum dürfte auch das Mediziner-Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci freuen. Denn die beiden sind nicht nur außergewöhnlich erfolgreiche Forscher der Medizin, jetzt sind sie auch Milliardäre. Die beiden Firmengründer von Biontech halten bis heute 18 Prozent des Aktienkapitals. Mit dem spektakulären Erfolg ihres Unternehmens sind sie schlagartig unter die 100 reichsten Deutschen aufgestiegen.

Der Erfolg zeigt sich nicht nur an der Börse, auch viele Staaten wollen den Impfstoff in ausreichenden Mengen für ihre Bevölkerung. Der vielversprechende Impfstoff von Biontech und Pfizer soll rasch auch in der Europäischen Union zur Verfügung stehen. Die EU-Kommission stehe kurz vor dem Abschluss eines Liefervertrags - das hat RTL aus Kommissionskreisen erfahren.

Ugur Sahin kam mit 4 Jahren aus der Türkei nach Köln

Im Alter von vier Jahren kam Sahin mit seiner Mutter aus der Türkei zu seinem Vater, der in den Kölner Ford-Werken arbeitete. Nach dem Abitur studierte er an der Kölner Universität Medizin und promovierte. Seine Schwerpunkte liegen in der Immunologie und in der Krebsforschung. Sahin gehörte 2008 zu den Gründern des Biotechnologie-Unternehmens BionTech mit Sitz in Mainz, dessen CEO er seitdem ist.

Klinische Studien sind erfolgreich

Seit April 2020 forschen er und sein Team an einem Impfstoff gegen Corona und scheinen sich auf der Zielgeraden zu befinden. Das Pharmaunternehmen berichtet, dass der neu entwickelte Impfstoff BNT162b2 in den klinischen Studien so erfolgreich sei, dass man einerseits mit der Massenproduktion begonnen und andererseits den finalen Genehmigungsprozess beantragt habe. Man sei kurz davor, "dieser Pandemie ein Ende zu bereiten".

Die europäische Pharmaaufsicht EMA in Amsterdam bestätigt, dass der Wirkstoff im sogenannten "Rolling-Review-Verfahren" jetzt geprüft werde. Bei diesem Verfahren werden Daten aus der klinischen Prüfung fortlaufend eingereicht und bewertet. Die Entscheidung der EMA, dieses Schnellverfahren zu starten, basiert nach Angaben der Behörde auf den ermutigenden Daten der klinischen Studien bei den bisher geimpften Erwachsenen.

Auch Jens Spahn ist zuversichtlich

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet plötzlich damit, dass die ersten Corona-Impfungen bald erfolgen können.  Gegen die Corona-Pandemie wird es "einen Impfstoff so schnell geben wie noch nie in der Geschichte der Menschheit". Wenn es keine Rückschläge mehr gebe, rechne Spahn "Anfang nächsten Jahres" mit einem Impfstoff, sagte der CDU-Politiker gegenüber RTL.

Biontech plant 100 Millionen Impfdosen noch in diesem Jahr

Dass wenige Monate nach dem Ausbruch der Pandemie schon ein Impfstoff zur Verfügung steht, ist eine wissenschaftliche Sensation. Normalerweise dauern Impfstoff-Entwicklungen und Zulassungen mehrere Jahre. Ob tatsächlich Millionen Impfdosen noch in diesem Jahr verabreicht werden, hängt allerdings von den Prüfern der EMA und einer Schnellzulassung ab. "Wir werden jedenfalls unsere Datensätze entsprechend vorlegen - und transparent Wirkung sowie Nebenwirkungen darstellen. Auch werden Impfstoffdosen auf Lager sein", so Biontech-Chef und Mitgründer Ugur Sahin in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Tatsächlich hat Biontech im hessischen Marburg kurzerhand die Produktionsstätte des Schweizer Pharmakonzerns Novartis mitsamt 300 hochqualifizierten Mitarbeitern gekauft, um die Massenproduktion rasch hochfahren zu können. Dort könnte also bald eine der größten Corona-Impfstoff-Produktionsstätten der Welt entstehen. Biontech plant konkret 100 Millionen Impfdosen noch in diesem Jahr, 250 Millionen im ersten Halbjahr 2021. In den nächsten Jahren soll die Produktion auf 750 Millionen Impfdosen pro Jahr gesteigert werden.