Nach der Welle ist vor der Welle

Corona-Entspannung im Sommer - doch was passiert im Herbst?

04. Mai 2022 - 18:13 Uhr

Die Temperaturen steigen, der Sommer verspricht – wie in den vergangenen zwei Jahren - Entspannung bzgl. der Corona-Situation in Deutschland. Doch können Krankenhäuser wirklich durchatmen und darf sich die Politik nun mal zurücklehnen? Die Sicht vom Darmstädter Oberarzt Dr. Cihan Çelik und Hessens Gesundheitsminister Kai Klose gibt's im Video.

Lungenfacharzt Dr. Cihan Çelik: Neuinfektionen gehen zurück

Dr. Cihan Celik kämpft als Lungenfacharzt und Oberarzt im Klinikum Darmstadt seit 2020 gegen die Corona-Pandemie.
Dr. Cihan Celik kämpft als Lungenfacharzt und Oberarzt im Klinikum Darmstadt seit 2020 gegen die Corona-Pandemie.
© RTL

Seit Beginn der Omikronwelle Mitte Februar habe es im Klinikum Darmstadt etwa die gleiche Hospitalisierungsrate gegeben, stellt Oberarzt Dr. Cihan Çelik im RTL-Interview klar. Nach der Stagnation der Zahlen nun neue Hoffnung: Neuinfektionen gehen zurück, die Zahl der schwer Erkrankten auch. "Die Altersschichtung hat sich jedoch deutlich verändert", so Çelik – trotz zwei und dreifacher Impfung würden anteilig mehr Ältere in seinem Krankenhaus behandelt. "Das Durchschnittsalter der hospitalisierten Patienten liegt derzeit bei 80 Jahren", die Impfung wirke laut Cihan Çelik im hohen Alter nicht so gut wie bei jüngeren Patienten. Doch: "Im Vergleich zu vorherigen Wellen ist die Krankheit bei weitem nicht mehr so oft zum Tode führend." Die Impfung schütze also nach wie vor, vor einem schwerem Verlauf.

Lese-Tipp: Hessens Gesundheitsminister fordert erneut Corona-Impfpflicht ab 60

Wegen Covid verschobene Eingriffe sind großes Problem

Der Darmstädter Oberarzt verspricht sich von der erwarteten abflachenden Kurve der Erkrankten, die in seinem Krankenhaus landen, ein baldige Entspannung. Derzeit seien zwei Stationen des Klinikums komplett für Covid-Patienten geschlossen. Ziel sei zum Sommer, dass eine der beiden wieder für Nicht-Covid-Patienten öffnen könne. "Über 80 Eingriffe sind momentan verschoben", beschreibt Çelik die Situation. Heißt, zum Beispiel würden Tumorabklärungen aufgrund des Vorrangs von Covid-Patienten seit Monaten verschoben. "Diese Patienten sitzen weiter zu Hause und warten auf einen Anruf aus der Klinik." Das sei ein "Berg von Arbeit" und eine "Bugwelle", die die Klinik vor sich herschiebe.

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Herbstszenarien mit neuen Virusvarianten

Jetzt schon Aussagen zu Herbstszenarien zu treffen, sei laut Çelik nicht sinnvoll. "Die Menschen wollen Fakten, keine diffusen Vorhersagen". Man könne gegen Ende des Sommers sicher besser einschätzen, welche Variante vorherrschend sei und "was da auf uns zukommt".
Momentan sei Corona auch laut Einschätzung des Lungenspezialisten nicht mehr präsent auf der Tagesordnung, aber man müsse sich bewusst sein, dass im Herbst eine neue Situation vorherrschen könne, das Thema ist nicht abgehakt. Noch sei es aber zu früh, über Varianten und ihre Auswirkungen zu spekulieren.
Maßnahmen würden im Herbst aber wieder angepasst werden müssen. Die wichtigsten Fragen für Dr. Çelik in Anbetracht der derzeit gelockerten Corona-Regelungen: "Wird es wieder notwendig sein, Infektionsschutzmaßnahmen zu ergreifen? Wie wichtig wird die Impfkampagne sein? Müssen nochmal dritte oder vierte Impfungen sein?" (ven/gmö)