RTL/ntv "Frühstart"

"Ende der Maskenpflicht im Herbst"

© dpa, Daniel Reinhardt, dan sab

17. Mai 2021 - 8:29 Uhr

Von Philip Scupin

In den USA gibt es mit sofortiger Wirkung keine Maskenpflicht mehr für vollständig Geimpfte. Kommt es jetzt auch in Deutschland so? Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen ist dagegen – macht aber auch Hoffnung.

Dahmen erwartet im Herbst ein Ende der allgemeinen Maskenpflicht. "Wenn wir eine Impfquote von 60 bis 80 Prozent in der Bevölkerung erreicht haben, dann werden wir insgesamt die Schutzmaßnahmen – auch die AHA-Regeln - Stück für Stück weiter reduzieren und irgendwann aufheben", sagte Dahmen im RTL/ntv "Frühstart". Sicher sei das allerdings nur, wenn es keine neuen Virusmutationen mit sogenannter "Immunflucht" gebe, der Impffortschritt anhaltend hoch bleibe und die Inzidenzen weiter deutlich runter gingen.

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USA: Weniger Masken für mehr Impfungen

Eine kurzfristige Aufhebung der Maskenpflicht für vollständig Geimpfte, wie in den USA, lehnte der Grünen-Politiker ab. Masken tragen sei sehr wirkungsvoll und greife dennoch, verglichen zum Beispiel mit Ausgangssperren, weniger stark in das Leben der Bürger ein.

US-Präsident Biden habe die Maskenpflicht aufgehoben, weil sein Land ein großes Problem mit der Impf-Akzeptanz habe, so Dahmen. "Die Maskenpflicht in den USA ist noch unbeliebter als sie es bei uns ist. Und vor dem Hintergrund versucht man die Menschen dazu zu bewegen, sich dadurch impfen zu lassen." Er halte das für sehr gefährlich, so Dahmen. Bei vielen Kontakten von Geimpften ohne Masken mit Ungeimpften steige das Risiko von Virusmutationen.

Verhindert Indien-Mutation Lockerungen?

Dahmen
Grünen-Politiker Janosch Dahmen hat als Arzt am Anfang der Pandemie selbst gegen Corona gekämpft.
© RTL

Dahmen warnte vor baldigen Rückschlägen in der Corona-Bekämpfung in Deutschland durch die indische Virusvariante. Im Moment sei der Anteil der Variante B.1617 mit rund 2 Prozent der Fälle noch gering. "Sollte er aber so stark ansteigen wie das in Großbritannien und anderen Ländern der Fall ist, dann können wir uns bestimmte Öffnungsschritte, die jetzt wahrscheinlich scheinen, unter Umständen nicht leisten." Der Ansteckungsgrad scheine gleich hoch oder sogar höher zu sein als bei der britischen Variante B.117. "Das könnte durchaus auch bisherige Erfolge in der Pandemie wieder in Frage stellen."

Die Mutation aus Indien ist inzwischen in vielen Ländern nachgewiesen worden.

Die indische Variante könnte zur vorherrschenden Corona-Variante in Deutschland werden, so Dahmen. In Ländern wie Großbritannien nehme ihr Anteil trotz Schutzmaßnahmen sehr stark zu. "Es gibt guten Grund zu glauben, es könnte passieren, dass sie die Dominanz auch über B.117 übernimmt."

Derzeit sei die Datenlage noch nicht sicher, in Großbritannien aber verdoppele sich der Anteil der indischen Variante an den Infektionen wöchentlich. Beispielswiese in der Hauptstadt London ist der Anteil von B.1617 innerhalb eines Monats von null auf 25 Prozent gestiegen. Experten gehen immerhin davon aus, dass Impfstoffe gegen die indische Variante erfolgreich sind.

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Gefahr einer vierten Welle

Eine vierte Corona-Welle in Deutschland hält er noch vor dem Sommer für möglich. "Garantien zu geben, dass wir alle sicher sind und diese Pandemie vorbei ist, dafür ist es viel zu früh." 52 Millionen Bürger hätten noch keine Impfungen bekommen, gleichzeitig seien die Inzidenzen weiter hoch. Hinzu käme die Gefahr der Mutationen, die möglicherweise den Impfschutz teils oder ganz überwinden könnten. "Wenn wir nicht vorsichtig sind und nicht in geordneten kleinen Schritten gehen, ist es absolut möglich, dass wir noch mal einen Rückschlag erleiden, der sogar zu einer vierten Welle führen könnte."

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