Tod trotz Impfung - wie kann das sein?

Corona-Ausbruch in Leverkusener Seniorenheim - 15 Bewohner gestorben

© dpa, Henning Kaiser, bsc

31. Januar 2021 - 17:48 Uhr

Britische Mutation in Heim nachgewiesen

Nach einem Corona-Ausbruch in einem Seniorenzentrum in Leverkusen sind dort 15 Bewohner gestorben. Insgesamt hätten sich 47 ältere Menschen und 25 Mitarbeiter angesteckt, sagte eine Sprecherin der Stadt Leverkusen am Sonntag. In dem Seniorenheim sei die als besonders ansteckend geltende Mutation B 1.1.7 des Erregers Sars-CoV-2 nachgewiesen worden. Diese Variante war zunächst in Großbritannien entdeckt worden.

​+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Bewohner hatten sich vor der Impfung mit Coronavirus infiziert

Der erste Fall sei am 28. Dezember diagnostiziert worden, sagte die Sprecherin. Danach habe sich die Infektion sukzessive ausgebreitet. Im Nachhinein sei nachvollzogen worden, dass das Virus durch das Personal in das Seniorenheim eingetragen worden sei. Die Infektion sei bereits vor der ersten Impfung von Heimbewohnern und Mitarbeitern am 30. Dezember erfolgt.

Am Tag vor Silvester waren in der Senioreneinrichtung den Angaben zufolge 150 Personen geimpft worden. Die zweite Impfdosis hatten am 20. Januar 110 Menschen erhalten, 40 konnten nicht geimpft werden, weil sie sich angesteckt hatten.

Johanna Bradke (91) starb am Tag ihres zweiten Impftermins

Ebenfalls zu den verstorbenen Heimbewohnern gehört Johanna Bradke. Wie die "Bild am Sonntag" von ihrer Tochter Renate (71) weiß, hatte die 91-Jährige keine Angst vor dem Virus und hoffte, durch die Corona-Impfung einer Covid-19-Erkrankung zu entgehen. Mitte Januar erfuhr sie, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert hatte. Sie starb an dem Tag, an dem sie ihre zweite Impfdosis bekommen sollte.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Tod trotz Impfung - wie kann das sein?

"Von den Studien wissen wir, dass der vollständige Impf-Schutz oder der Schutz vor der Erkrankung erst dann existiert, wenn wir die zweite Impfung haben", erklärt Virologe Dr. Martin Stürmer im Interview mit RTL. "Die Studien haben eindeutig gemessen: Eine Woche nach der zweiten Impfung haben wir diese 94 oder 95 Prozent Impfschutz - und nicht vorher. Natürlich baut unser Körper schon nach der ersten Impfung einen gewissen Impfschutz auf, aber nicht am ersten Tag. Ungefähr nach zwölf Tagen nach der ersten Impfung können wir davon ausgehen, dass zumindest ein Teilschutz aufgebaut ist. Wenn ich mich davor mit dem Virus infiziere oder schon erkrankt bin, dann kann ich natürlich trotzdem einen schweren Verlauf haben und möglicherweise auch versterben."

Kann man auch nach der zweiten Impfung noch an Covid-19 erkranken oder sogar sterben?

"Von den Studiendaten her wissen wir ja, dass es keine 100 Prozent sind, die auch nach der zweiten Impfung geschützt sind", sagt Stürmer. "Also man kann durchaus auch noch nach der zweiten Impfung erkranken - auch mit einem schweren Verlauf - und gegebenenfalls auch sogar versterben. Sonst hätten wir eine Schutzwirkung von 100 Prozent. 94 Prozent heißt, dass es bei 6 von 100 eben doch noch rein rechnerisch zu einem Ausbruch der Erkrankung kommen kann."

Allerdings muss man laut dem Virologen auch sagen: Wenn ein älterer Mensch im Altersheim mit 91 Jahren verstirbt, muss es nicht unbedingt mit Corona oder der Impfung zu tun haben. "Das kann auch noch eine ganz andere Ursache haben. Da ist es immer schwierig, Rückschlüsse zu ziehen."

Virus kam durch Mitarbeiter ins Seniorenheim

Der Leiter des Leverkusener Gesundheitsamts, Martin Oehler, sagte der "Bild"-Zeitung: "Das Personal brachte das Virus ins Heim." Es müsse aber nicht unbedingt etwas falsch gemacht haben. "Denn nach allem, was wir bisher wissen, ist die Corona-Mutation B.1.1.7 so ansteckend, dass man schon nach wenigen Minuten Kontakt mit einem Infizierten selbst infiziert ist." Die Mitarbeiter würden seit dem Sommer wöchentlich mit einem PCR-Test überprüft und seit Dezember zusätzlich mit einem Schnelltest.


Quelle: DPA/RTL.de