Hygieniker gibt Entwarnung für Mettbrötchen & Co.

Nach Corona-Katastrophe bei Tönnies: Kann ich jetzt noch bedenkenlos rohes Fleisch essen?

19. Juni 2020 - 17:36 Uhr

Konsumenten sind verunsichert

Nach der durch den Corona-Ausbruch bedingten Schließung von Tönnies, Deutschlands größtem Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück, fragen sich viele Konsumenten: Wird Fleisch jetzt wieder teuer, weil das Angebot knapper wird? Und kann ich jetzt noch bedenkenlos Fleisch essen? In beiden Fällen konnte bereits grundsätzlich Entwarnung gegeben werden. Doch ist auch der Verzehr von rohem Fleisch wie zum Beispiel Mett wirklich bedenkenlos? Wir haben bei Hygiene-Experte Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, nachgehakt. Im Video erfahren Sie außerdem, was Sie im Haushalt bei der Arbeit mit rohem Fleisch jetzt beachten sollten.

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Folgen des Superspread-Ereignisses im Kreis Gütersloh

In Rheda-Wiedenbrück ist das passiert, was Epidemiologen fürchten: Ein Corona-Superspread-Ereignis. Bislang werden 730 infizierte Mitarbeiter gezählt. Die Zahlen werden sich wahrscheinlich noch erhöhen, da die Testreihen noch nicht abgeschlossen sind. 7.000 Menschen im Kreis Gütersloh, wo Tönnies seinen Sitz hat, müssen in Quarantäne. Kitas und Schulen schließen bis zu den Sommerferien wieder. Der Schlachtbetrieb wurde bis auf Weiteres gestoppt.

Epidemiologe: Virus hält sich auf Oberflächen - auch auf Fleisch

Viele Konsumenten fragen sich seitdem besorgt: Kann ich noch Fleisch essen? Immerhin hat Tönnies bei Schweinefleisch einen Marktanteil von 30,3 Prozent. Während durchgegartes Fleisch unproblematisch ist, könnten sich auf Mett und Geräuchertem noch Viren befinden. Der Epidemiologe Professor Timo Ulrichs bestätigt gegenüber RTL: "Die Gefahr bei einer Kontamination von Oberflächen, also auch von den Oberflächen des hergestellten Fleisches, ist natürlich gegeben, weil man weiß, dass das Virus sich auf Oberflächen länger halten kann." Ulrichs rät daher dazu, Fleisch nicht roh zu verzehren.

Hygiene-Experte Dr. Zinn entwarnt: "Infektionsrisiko ist vernachlässigbar"

Anders sieht das Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia. Er sagt uns: "Trotz hoher Hygieneanforderungen ist rohes Fleisch zwar nie steril, insofern besteht da grundsätzlich ein höheres Risiko", so der Experte. "Das Risiko, sich mit Corona-Viren anzustecken, die ja eher über Atemwege und Aerosole übertragen werden, das ist aus meiner Sicht eher zu vernachlässigen."

Denn dazu sei die eventuelle Menge an Corona-Viren in diesem Fall viel zu gering. "Bei geräuchertem Fleisch sind Bakterien, auch die, die für den Zersetzungsprozess verantwortlich sind, durch das Räuchern abgetötet. Wenn dann ein Infizierter darauf niest, werden Viren auf der Oberfläche sein. Aber da das Fleisch gegessen wird, müssten es auch hier schon sehr hohe Virenmengen sein, damit das ein Infektionsrisiko darstellt", so der Hygieniker im Interview mit RTL.

Metzger-Innungen und Fleischerverband sehen kein Anlass zu gesonderten Maßnahmen

So sieht das wohl auch der Deutsche Fleischer-Verband. Eine gesonderte Warnung an die Betriebe gab es zum Fall Tönnies nicht, berichtet uns Artur Tybussek, Geschäftsführer der Kölner Metzger-Innung. Nach wie vor handele man nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. "In handwerklichen Betrieben bekommen Sie in der Regel eh kein Fleisch von Tönnies", sagt er uns. "Höchstens mal in der Grillsaison als Zukauf." Gewolftes Fleisch sei grundsätzlich etwas anfälliger wegen der größeren Fläche bei der Verarbeitung. Am besten und sichersten sei Mett aber noch immer, wenn es möglichst frisch beim Metzger gekauft werde.

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