Cold Case Simone Strobel:

Deutsche Behörde verhindert Auslieferung von Verdächtigen nach Australien

Simone Strobel wurde 2005 tot in Australien aufgefunden. Ihr damaliger Freund Tobias M. wurde verhaftet, kam jedoch kurze Zeit später wieder auf freien Fuß.
Simone Strobel wurde 2005 tot in Australien aufgefunden. Ihr damaliger Freund Tobias M. wurde verhaftet, kam jedoch kurze Zeit später wieder auf freien Fuß.
RTL

Der Justizkrimi im Fall Simone Strobel geht weiter. Die Frau aus Unterfranken war vor 17 Jahren während einer Australienreise getötet worden. Die australischen Behörden haben Haftbefehle gegen zwei Deutsche erlassen, denen Beihilfe zum Mord und Justizbehinderung vorgeworfen wird. Doch nun hat das Bundesamt für Justiz in Bonn die Auslieferung verhindert.

Freund von Simone Strobel festgenommen - und auf Kaution wieder frei

Hier wird Tobias M. am 26. Juli vor seinem Haus in Westaustralien nach umfangreichen Ermittlungen im Mordfall der deutschen Rucksacktouristin Simone Strobel festgenommen.
Hier wird Tobias M. am 26. Juli vor seinem Haus in Westaustralien nach umfangreichen Ermittlungen im Mordfall der deutschen Rucksacktouristin Simone Strobel festgenommen.
dc buc kde, dpa, WA

Bei den beiden deutschen Verdächtigen handelt es sich um die Schwester des Hauptverdächtigen und einen inzwischen 43-jährigen Bekannten. Die beiden waren 2005 zusammen mit Simone Strobel und ihrem damaligen Freund Tobias M. - dem jetzigen Hauptverdächtigen - durch Australien gereist. Sie werden nicht nach Australien ausgeliefert, dem stehe zwingend das Grundgesetz entgegen, bestätigte das Bundesamt für Justiz in Bonn. Eine Strafverfolgung müsste in Deutschland erfolgen.

Die australischen Behörden hatten Haftbefehle gegen die Frau (46) aus Bayern und den Mann erlassen. Laut Medienberichten wird ihnen Beihilfe zum Mord und Justizbehinderung vorgeworfen. Erst kürzlich war Simone Strobels damaliger Freund Tobias M. (42) in seinem Haus im westaustralischen Perth festgenommen und in Sydney wegen Mordes angeklagt worden. Am Freitag kam er nach zehn Tagen Untersuchungshaft auf Kaution frei. Die Beweise reichten offenbar nicht aus, um ihn länger festzuhalten. Zwar spräche vieles dafür, dass Strobel und ihr damaliger Freund kurz vor dem Mord gestritten und Alkohol getrunken hätten - aber es scheint in diesem Fall keine direkten oder indirekten Beweise zu geben, die ihn mit der Straftat in Verbindung bringen, erklärte die Richterin. Tobias M. konnte unter Auflagen zu seiner Familie zurückkehren, darf das Land jedoch nicht verlassen. Der nächste Gerichtstermin ist für Ende September angesetzt.

Allen drei Verdächtigen drohen in Australien höhere Strafen als in Deutschland, sagte der in Australien und Deutschland tätige Juraprofessor Greg Taylor der Deutschen Presse-Agentur. „In Australien gibt es keine Höchststrafe für Mord. Es ist buchstäblich lebenslänglich möglich“, so Taylor. Das gelte auch für Beihilfe zum Mord. Grundlage für den Fall Strobel sei das Strafrecht des Bundesstaates New South Wales.

Deutsche Ermittler von neuen Entwicklungen im Fall Strobel überrascht

Auch in Deutschland hoffen Ermittler noch immer, den lange zurückliegenden Fall aufzuklären. Das Verfahren gegen die in Bayern lebende Schwester des Hauptverdächtigen ist laut Staatsanwaltschaft Würzburg noch offen - die Ermittlungen gegen den Mann seien 2020 zunächst eingestellt worden. Über die neuen Entwicklungen in Australien sind die hiesigen Ermittler nach eigenen Angaben überrascht. Sie selbst hätten keine neuen Hinweise. Sie wissen demnach auch nicht, auf welche neuen Indizien sich die australischen Behörden berufen.

Eine formale Kooperation mit Australien gibt es laut den deutschen Behörden aktuell nicht. Australische Medien berichten zwar, dass die dortigen Ermittler wegen der beiden deutschen Verdächtigen mit den Kollegen in Deutschland in Kontakt stünden. Eine offizielle Anfrage aus Australien verneinen allerdings sowohl Polizei und Staatsanwaltschaft in Unterfranken als auch das Bundesamt für Justiz. Theoretisch könnten die australischen Behörden laut Bundesjustizamt mit einem Rechtshilfeersuchen die deutschen Kollegen bitten, die Verdächtigen in Bayern zu vernehmen, sogar in Anwesenheit australischer Beamter. Dies ist aber bisher offenbar nicht geschehen.

Leiche von Simone Strobel unter Palmwedeln versteckt

Simone Strobel, Tobias M., seine Schwester und ein Bekannter waren auf dem Lismore Centra Tourist Park, als die damals 25 Jahre alte Erzieherin spurlos verschwand.
Simone Strobel, Tobias M., seine Schwester und ein Bekannter waren auf dem Lismore Centra Tourist Park, als die damals 25 Jahre alte Erzieherin spurlos verschwand.
www.imago-images.de, IMAGO/AAP, IMAGO/JASON O BRIEN

Die 25 Jahre alte Erzieherin Simone Strobel und der damals 24-jährige Tobias M. waren 2005 als Paar gemeinsam zu einer einjährigen Rundreise per Wohnmobil in Australien aufgebrochen, später wurden sie von Tobias‘ Schwester Kathrin sowie Jens, einem Bekannten von Tobias M., begleitet. Am 11. Februar verließ Simone die Gruppe, lief nachts allein auf einem Campingplatz in Lismore nördlich von Sydney davon. Sie kehrte nie wieder zurück. Ihr Freund meldete sie damals als vermisst.

Sechs Tage später wurde ihre Leiche in der Nähe des Campingplatzes unter Palmblättern gefunden. Eine Untersuchung der Leiche ergab wenig später, dass die 25-Jährige Opfer eines Gewaltverbrechens geworden war. Vermutlich wurde die Urlauberin erstickt.

Mordfall Simone Strobel: Tobias M. beteuert seine Unschuld

Im Laufe der Ermittlungen stellte sich heraus: Simone und Tobias M. hatten immer wieder heftig miteinander gestritten, auch am Abend vor ihrem Verschwinden. Das beweisen Aufnahmen einer Überwachungskamera. Der Polizei verschwieg Tobias M. diese Streitigkeiten, auch Simones Familie erzählte er nichts. Die Ermittler werfen dem Deutschen vor, Strobel in dem Wohnmobil getötet und ihre Leiche versteckt zu haben. Tobias M. jedoch beteuert seit jeher seine Unschuld.

Obwohl er von Beginn an zu den Hauptverdächtigen zählte, durfte er kurz nach Simones Tod aus Australien ausreisen, verließ wenig später seinen Heimatort und zog nach Südafrika. Im Jahr 2012 dann die große Überraschung: Tobias M. kehrte in den Kreis Würzburg zurück. An seiner Seite eine Australierin, die er in Südafrika kennengelernt hatte. Das Paar heiratete in Deutschland, später zogen sie gemeinsam nach Australien. Als Tobias M. in Südafrika einst von einem Reporter auf den Tod seiner ehemaligen Freundin angesprochen wurde, soll er geantwortet haben: „Der Tag ist viel zu schön, um an Simone zu denken.“ Nach vielen Jahren an der Westküste Australiens hat Simones Tod ihn nun doch wieder eingeholt.

Dass er jetzt, mehr als 17 Jahre später, erstmals festgenommen wurde, hatte zunächst darauf hingedeutet, dass die Polizei neue und starke Hinweise auf eine Beteiligung von ihm an dem Todesfall haben. Etwa neue DNA-Ergebnisse. Denn im Jahr 2021 war bekannt geworden, dass die australischen Ermittler DNA-Spuren auswerten wollen, die ganz neue Erkenntnisse in den Cold Case bringen könnten. 2005 soll ein Haar in der Nähe des Fundorts von Simones Leiche entdeckt worden sein. Da die Probe aber über keine Haarwurzel verfügte, war eine Auswertung der Probe lange kaum möglich. (dpa/cwa)