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„Centaurus“-Variante: Sorgt BA.2.75 für eine Spätsommer-Welle?

Wachstum aber nicht so schnell, wie zuerst befürchtet

„Centaurus“-Variante: Sorgt BA.2.75 für eine Spätsommer-Welle?

Mehrere Wissenschaftler weisen auf die neue Sublinie BA.2.75 hin und auf mögliche Folgen der beobachteten Erbgutveränderungen.
Mehrere Wissenschaftler weisen auf die neue Sublinie BA.2.75 hin und auf mögliche Folgen der beobachteten Erbgutveränderungen.
R3829 Christian Ohde, Christian Ohde / CHROMORANGE, dpa

Der Corona-Sommer ist nicht ganz so entspannt, wie ihn sich viele vorgestellt haben: Die Inzidenz ist hoch, es gibt viele Arbeitsausfälle und die hohen Zahlen kommen auch auf den Intensivstationen an . In einem Landkreis wurde jetzt sogar die 3000er-Marke geknackt . Und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach befürchtet deshalb eine "katastrophale" Corona-Entwicklung, sollten vor dem Herbst keine tauglichen Maßnahmen beschlossen werden. Auch der Blick auf neue Varianten bereitet Sorgen. Darunter fällt auch die Omikron-Sublinie BA.2.75, die sich in Indien bereits rasant ausgebreitet hat.

Sublinie seit Anfang Juli beobachtet

Anfang Juli gab es die ersten Hinweise: Mehrere Wissenschaftler wiesen auf Twitter auf die neue Sublinie BA.2.75 hin und auf mögliche Folgen der beobachteten Erbgutveränderungen. Der britische Virologe Tom Peacock sagte damals, dass der Erreger mehrere Mutationen aufweise. Einzeln betrachtet lasse keine der Veränderungen wirklich aufhorchen, aber wenn alle zusammen auftauchten, sei es eine andere Sache, so Peacock.

In Deutschland bisher vier mal identifiziert

In Großbritannien wurde die Variante „Centaurus“-Variante getauft - sehr zum Missfallen von Virologen. Denn die Benennung folgte nicht der wissenschaftlichen Logik, sondern ging auf einen Twitter-Scherz zurück, den britische Medien aufnahmen.

Inzwischen gibt es in etlichen Ländern nachgewiesene Infektionen mit dieser Sublinie – neben Großbritannien und Indien auch in den USA, Australien und Kanada. In Deutschland wurden laut Robert-Koch-Institut bisher vier Genomsequenzen dieser Sublinie in der Stichprobe identifiziert. Das Mutationsprofil dieser Variante deute auf ausgeprägte Immunfluchteigenschaften hin, heißt es im aktuellen RKI-Wochenbericht.

Mutationen können neue Infektionswelle auslösen

Auch Experten wie der Genetiker Ulrich Elling zeigen sich angesichts der neuen Variante besorgt. Denn: Im Vergleich zu BA.2 weise BA.2.75 acht Mutationen am sogenannten Spike-Protein auf, also an der Stelle, mit der das Virus die Zellen entert.

Bei BA.5 seien es im Vergleich zu BA.2 nur drei Veränderungen an dieser Stelle, so Elling. Die insgesamt elf Mutationen von BA.2.75 könnten nach Einschätzung des Experten daher eine abermalige Infektionswelle auslösen. Auch weil eine Infektion mit BA.5 vor einer Ansteckung mit dieser neuen Variante nicht schütze.

Anstieg in Indien weniger stark als befürchtet

Mittlerweile gibt es aber Hoffnung, dass es nach der BA.5-Sommerwelle nicht gleich die nächste heftige Spätsommer-Welle gibt: BA.2.75 breitet sich nicht ganz so schnell aus wie befürchtet. Zwar nehme BA.2.75 in Indien nach wie vor zu und scheine dort einen klaren Übertragungsvorteil zu haben, teilte Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Allerdings: Außerhalb Indiens sei das Bild nicht so klar. Indien habe bislang keine ausgeprägte Welle durch die Sublinie BA.5 gehabt, daher sei die dortige Situation nicht ohne weiteres mit dem Rest der Welt vergleichbar. "Aber Daten der vergangenen zwei Wochen haben gezeigt, dass die Variante nicht ganz so schnell wächst wie anfangs vermutet", so Neher weiter.

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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kommentierte Erkenntnisse zu Nachweisen des Erregers auf Twitter mit den Worten: „Es sieht in den Daten bisher nicht danach aus, als ob die Variante BA.2.75. sich durchsetzen könnte.“ Dies sei eine gute Nachricht, wenn auch vorläufig. (dpa/ija)

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