Immer mehr Kinder sind zu dick

Bremen will Werbung für ungesunde Lebensmittel verbieten

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Zu viele Süßigkeiten machen dick und können zu Übergewicht führen. (Symbolbild)
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von Roland Rickelmann und Samira Bonneik

Die Zahlen sind besorgniserregend: Jedes sechste Kind, dass im vergangenen Jahr in Bremen eingeschult wurde, war zu dick. Die Corona-Pandemie hinterlässt auch hier ihre Folgen. Wochenlanges Homeschooling und zu wenig Bewegung sind Treiber dieser Entwicklungen. Aber auch ungesunde Ernährung und Süßigkeiten führen zu Übergewicht. Dagegen will das Land Bremen nun mit einem Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel in Bezug auf Kinder vorgehen.

Corona-Pandemie als Treiber

Gerade für Kinder aus eher sozial benachteiligten Stadtteilen ist die Situation durch die Corona-Pandemie verschärft worden. „Wir sehen bei diesem starken Anstieg in den vergangenen beiden Jahren einen zeitlichen Zusammenhang. Natürlich mit der Pandemie, also auch mit den Maßnahmen, die zu Schulschließungen geführt haben, die zu digitalem Unterricht geführt haben. Das heißt, Kinder, gerade in Stadtteilen, auch mit wenig Wohnraum, wo die Eltern vielleicht prekär beschäftigt sind, also viel unterwegs sind, ihre Kinder nicht gut unterstützen können“, erklärt Lukas Fuhrmann, der Gesundheitssprecher des Landes Bremen, im Interview mit RTL Nord.

Gesundheitliche Schäden durch ungesunde Ernährung

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Übergewicht und ungesunde Ernährung kann bei Kindern zu ernsthaften Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. (Symbolbild)
picture-alliance/ dpa/dpaweb, Frank May

Wer schon früh Probleme mit Übergewicht hat, kann später schneller krank werden. „Ein großer Teil der unter 15-Jährigen hat schon ein zu hohes Körpergewicht, was eine unheimliche Bürde ist für das spätere Leben, weil diese Kinder dann auch häufig später übergewichtig sind mit all den negativen Folgen. Wir sehen häufiger Diabetes bei Kindern, Diabetes heißt Blutzuckerprobleme. Wir sehen Gelenkschäden, Gelenkprobleme. Wir sehen aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die im Laufe des Lebens auftreten“, sagt Johann Ockenga, Klinikdirektor für Innere Medizin am Klinikum Bremen-Mitte.

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Bremen will nicht länger nur zuschauen

„Wir kennen alle Werbung für Junk Food, für Fastfood, für ungesunde Lebensmittel. Der Eindruck, der entsteht, ist in der Regel ein guter. Und genau das muss vermieden werden“, so Lukas Fuhrmann. Deswegen fordert die Gesundheitsbehörde nun ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel in Bezug auf Kinder. Auch Ernährungswissenschaftler halten diesen Schritt für sinnvoll: „Wir haben in vielen Studien gesehen, dass Kinder und Jugendliche über 90 Prozent der Werbung, die sie sehen, eben genau Werbespots sehen für diese Snackfoods und Getränke. Und insofern ist die Maßnahme, so ein Werbeverbot konkret und auch verbindlich zu implementieren, eine sehr wichtige Maßnahme. Wir versprechen uns, die Gesundheitsexperten versprechen sich da einen sehr großen Impact von“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Antje Hebestreit im RTL Nord-Interview.

Ihre Meinung ist gefragt

Werbeverbot soll auf Bundesebene greifen

Oft sind Lebensmittel genau auf Zielgruppen zugeschnitten und dadurch dann umso interessanter für Kinderaugen. „In erster Linie fängt es eigentlich an, schon bei der Produktverpackung. Dass man also die Stars aus dem Kinderfernsehen, von den Joghurts und von den ganzen Verpackungen verschwinden. Die Bärchen und die Früchtchen auf den Frühstücks Cerealien kennen wir alle. Das geht aber auch hin schon zu den Printmedien, Radio, Fernsehen, zum Beispiel, wenn man in die Sportvereine guckt oder mal in so ein Kino Foyer, überall da, wo Kinder sich aufhalten. Da würde quasi so ein Werbeverbot ganz viel bringen“, betont Ernährungswissenschaftlerin Antje Hebestreit im RTL Nord-Interview.

Wie genau das Werbeverbot dann umgesetzt werden soll, ist allerdings noch unklar. „Ganz konkret erging jetzt erst einmal der Auftrag der Verbraucherschutzministerinnen an die Bundesebene, das Ganze zu prüfen und auch umzusetzen. Das heißt, wir wollen hier keine Bremer Lösung haben, sondern wir brauchen natürlich eine bundesweit einheitliche Lösung, damit wir eben in allen Bundesländern bundesweit einheitlich auf genau ein solches Verbot hinarbeiten können“, sagt Lukas Fuhrmann.