„Ein Geschenk des Lebens, eine zweite Chance“

Brasilianischer Mann offenbar von HIV geheilt

Ein Brasilianer könnte weltweit der dritte Patient sein, der als von HIV geheilt gilt
© Getty Images/iStockphoto, ThitareeSarmkasat

08. Juli 2020 - 7:39 Uhr

Virus seit über einem Jahr nicht mehr nachweisbar

Ein brasilianischer Mann, der an einer Studie der Universität von Sao Paolo teilnahm, ist offenbar von HIV geheilt. Er hat vor mehr als einem Jahr aufgehört, Medikamente gegen das Virus zu nehmen. Laut seinen Ärzten ist es nicht mehr im Blut nachweisbar. Der Mann, der anonym bleiben will, wäre damit die erste Person, die ohne eine Stammzellenspende als geheilt gilt.

„Bisher kommt das Virus nicht zurück“

Laut der Nachrichtenagentur AP hatte der Brasilianer zuvor eine starke Kombination von Medikamenten - Dolutegravir und Maraviroc - erhalten, die seinen Körper von verborgenen" HIV-Viren befreien sollten. Diese "schlafenden" Viren können bei bisher üblichen Therapien gegen HIV angegriffen werden.

Im März 2019 hatte der Patient dann aufgehört, die Medikamente zu nehmen. "Bisher kommt das Virus nicht zurück. Wir können ihn weder im Gewebe noch im Blut nachweisen", so Dr. Ricardo Diaz, der die Studie leitet. Zudem sind Tests zufolge keine HIV-Antikörper mehr in seinem Körper auffindbar. "Die Immunreaktion nimmt ab, was zeigt, dass wahrscheinlich nicht viel vom Virus übrig ist – wenn es überhaupt noch da ist."

Weltweit gelten erst 2 Menschen als von HIV geheilt

Der 35-Jährige wäre die weltweit die dritte Person, die als geheilt von HIV gilt – und die erste überhaupt, bei der dies ohne eine Stammzellen- oder Knochenmarkspende möglich wurde. Bei den zwei anderen Personen, dem "Berliner Patient" sowie dem "Londoner Patient", wurde diese Methode angewandt.

Der Mann erklärte der AP: "Ich bin sehr bewegt, denn das ist etwas, was Millionen Menschen wollen. Es ist ein Geschenk des Lebens, eine zweite Chance zu leben."

„Das ist ein großer Schritt, aber nicht der letzte“

Unabhängig Experten warnen allerdings vor vorschnellen Schlüssen im Bezug auf eine mögliche Heilung von AIDS. Auch Dr. Diaz, der den Fall auf einer Online-AIDS-Konferenz vorstellte, betont: "Das ist ein großer Schritt für uns, aber nicht der letzte. Wir müssen diesen Patienten nach wie vor beobachten, um zu sehen, ob das Virus sich bei ihm auch dauerhaft nicht mehr vermehrt", erklärt er der AP. Laut dem "Focus" sei seine Methode aber ethisch vertretbarer als die Behandlung durch eine Knochenmarktransplantation, da diese "mit einer hohen Sterblichkeitsrate verbunden" sei.

An der Studie von Dr. Diaz nehmen noch 30 weitere Personen teil. Vier von ihnen wurden auf dieselbe Weise behandelt wie der vorgestellte Patient, bei ihnen konnte jedoch kein vergleichbarer Erfolg beobachtet werden.