Verlesen der Anklageschrift dauert Stunden

Betreiber von riesigem Kinderporno-Netzwerk stehen vor Gericht

Screenshot Forum "Boystown"
Besonders Aufnahmen von kleinen Jungen standen im Fokus der Plattform.
Quelle: Bundeskriminalamt

Die Liste der Abscheulichkeiten, die die vier angeklagten Männer im Kinderporno-Prozess begangen haben sollen, ist so lang, dass selbst das Verlesen mehrere Stunden gedauert hat. Am Frankfurter Landgericht begann am Mittwoch der Prozess gegen die Betreiber der inzwischen geschlossenen Online-Plattform „BoysTown“, auf der mehr als 400.000 User weltweit Fotos und Videos von teils schwerster sexueller Gewalt an Kindern ausgetauscht haben. Darüber hinaus sollen zwei der Männer in mehr als 40 Fällen sogar selbst Kinder sexuell missbraucht haben.

„BoysTown“-Prozess: Anklageschrift umfasst mehr als 400 Seiten

Die vier Angeklagten verdecken ihre Gesichter mit Aktenordnern, als sie am Vormittag den Gerichtssaal betreten. Unter ihnen sind ein 49-Jähriger aus dem Landkreis Mühldorf am Inn in Bayern und ein 60-Jähriger aus Norddeutschland, der zuletzt in Paraguay lebte. Sie sollen „BoysTown“ im Sommer 2019 federführend aufgebaut haben. Angeklagt sind zudem ein 41-Jähriger aus dem Landkreis Paderborn sowie ein 66-Jähriger aus Hamburg. Der 66-Jährige soll als einer der aktivsten Nutzer allein mehr als 3.600 Beiträge bei „BoysTown“ verfasst haben.

Lese-Tipp: Ermittler zerschlagen Kinderpornografie-Plattform „BoysTown“

Über Stunden lesen eine Vertreterin und ein Vertreter der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft die Vorwürfe vor, mehr als 400 Seiten umfasst die Anklageschrift. Demnach veröffentlichten die Männer Fotos und Videos von Vergewaltigungen und Szenen, für die Kinder und Jugendliche zu gegenseitigen sexuellen Handlungen gezwungen wurden, auch Kleinkinder wurden sexuell missbraucht. Meist handelt es sich um Jungen, auf einer Plattform wurden aber auch Fotos und Videos von sexueller Gewalt an Mädchen ausgetauscht

Landgericht Frankfurt/Main
Am Frankfurter Landgericht wird den Betreibern der Plattform nun der Prozess gemacht. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa/Archivbild
deutsche presse agentur

Wie konnte die Plattform so lange unentdeckt bleiben?

Erreichbar waren die Online-Foren von „BoysTown“ im Darknet, einem Bereich des Internets, der mit herkömmlichen Suchmaschinen nicht auffindbar ist. Die Angeklagten gaben sich den Ermittlungen zufolge Spitznamen wie „Putzi“, „Phantom“ oder „Don Dildo“.

Mehr als 20 Terabyte an Bildmaterial standen hier zum Download bereit. Das entspricht etwa einem Jahr Video in hochauflösender Qualität. Die Pädokriminellen wählen für die Verbreitung der Medien Speicherdienste im gewöhnlichen Internet, um ihr Material dort verschlüsselt hochzuladen. Im Darknet-Forum teilen sie dann nur einen entsprechenden Download-Link, oft mit Passwortschutz. Die Speicherdienstbetreiber ahnten meist nichts davon. (kmü/dpa)