Bluttest auf Trisomie 21

„Darum habe ich abgetrieben“: Frau setzt ein Zeichen gegen das Tabu

19. September 2019 - 20:36 Uhr

Trisomie-Bluttest wird Kassenleistung

Lange wurde das Thema diskutiert, nun herrscht Klarheit: Krankenkassen übernehmen bei Risiko-Schwangeren unter bestimmten Voraussetzungen Bluttests auf das Down-Syndrom beim ungeborenen Kind. Kritiker befürchten, dass sich dadurch noch mehr Frauen für einen Abbruch der Schwangerschaft entscheiden, wenn der Test positiv ausfällt – aktuell sind es neun von zehn. Barbara N. (Name geändert) ist eine von ihnen. Warum sie sich dagegen entschieden hat, ihr Kind mit Trisomie 21 zur Welt zur bringen, und was dieser Schritt heute noch für Folgen für sie hat, erzählt sie im bewegenden Video-Interview.

Barbara N. zahlte 500 Euro, um Gewissheit zu haben

Die Bluttests auf Trisomien werden jetzt laut dem Gemeinsamen Bundesausschuss des Gesundheitswesens bei Risikoschwangerschaften unter "sehr engen Voraussetzungen in begründeten Einzelfällen" von den Krankenkassen übernommen, erklärt der Vorsitzende Josef Hecken. Barbara N. hatte damals rund 500 Euro dafür bezahlt, um nach einem auffälligen Nackenfaltentest bei ihrem ungeborenen Baby Gewissheit zu haben.

Für die junge Frau, die bereits zwei Kinder hat, war das Ergebnis ein Schock: Ihr Kind würde mit dem Down-Syndrom auf die Welt kommen. Die Ungewissheit, wie sehr es gesundheitlich darunter leiden würde, war für Barbara N. unerträglich: Neben der Unterentwicklung der geistigen Fähigkeiten ist auch die Fehlentwicklung von Organen und Geweben typisch für Menschen mit Trisomie 21. Gemeinsam mit ihrem Mann traf sie schließlich die schwere Entscheidung, die Schwangerschaft abzubrechen.

Ärzte sollen „ausdrücklich ergebnisoffen“ beraten

Doch der Weg von der Entscheidung bis zur tatsächlichen Abtreibung war alles andere als leicht, erzählt Barbara N: Sie musste diverse Termine bei der Beratungsstelle Pro Familia wahrnehmen, weitere Untersuchungen wie ein Ultraschallbild standen an, um die endgültige Freigabe für den Abbruch zu bekommen. Bei den Ärzten sei sie wegen ihrer Entscheidung teilweise "seelisch und moralisch schlecht behandelt worden", kritisiert sie.

Der Bundesausschuss hat jetzt für die Haltung der behandelnden Mediziner deutliche Forderungen geäußert: Die Beratung durch den Arzt soll nach wie vor "ausdrücklich ergebnisoffen" sein. Denn die Entscheidung, ob eine Frau ein Kind mit Down-Syndrom auf die Welt bringen will, liegt allein bei ihr und ihrer Familie.

Auch Stefanie Laukner bekam in der zwölften Schwangerschaftswoche die Diagnose, dass ihr Baby Trisomie 21 hat. Sie und ihr Partner entschlossen sich dazu, es dennoch zu bekommen. Wie es der kleinen Familie heute geht, erfahren Sie hier.