Pränataler Bluttest auf Trisomien künftig auf Kosten der Krankenkasse

Nach früher Diagnose: Paar entscheidet sich für Baby mit Trisomie 21

19. September 2019 - 16:24 Uhr

Pränataler Bluttest steht in der Kritik

Der Gemeinsame Bundesausschuss des Gesundheitswesens hat beschlossen, dass gesetzliche Krankenkassen bei Frauen mit Risikoschwangerschaften vor der Geburt künftig Bluttests auf Trisomien des Kindes bezahlen. Diese pränatalen Bluttests sind aus ethischen Gründen umstritten: Kritiker befürchten, dass Babys, bei denen vor der Geburt etwa Trisomie 21 festgestellt wird, vermehrt abgetrieben werden. Schon heute entscheiden sich neun von zehn Frauen, bei denen ein Down-Syndrom beim ungeborenen Kind festgestellt wird, gegen das Baby.

Wir haben eine Familie begleitet, die sich für ihr Kind entschieden hat, obwohl schon früh feststand, dass es Trisomie 21 hat.

Bei Stefanie wurde statt eines Bluttests eine Fruchtwasser-Punktion gemacht

Bei Stefanie Laukner wurde schon in der zwölften Schwangerschaftswoche bei einer invasiven Fruchtwasser-Punktion festgestellt, dass ihr Kind Trisomie 21 hat. Bei dem gefährlichen Eingriff hätte das Baby verletzt werden können, doch der ungefährliche Bluttest, der ebenfalls Gewissheit gebracht hätte, ist teuer. "Den Bluttest konnten wir uns damals nicht leisten. Wir waren beide in der Ausbildung. Wir haben uns für die Fruchtwasserpunktion entschieden, die ein invasiver Eingriff ist, der nicht hätte sein müssen", erzählt die junge Mutter.

Neun von zehn Frauen entscheiden sich gegen ein Kind mit Trisomie 21

In der Kritik steht der Bluttest auch, weil mehr Eltern sich im Falle einer positiven Trisomie-21-Diagnose gegen das Kind entscheiden könnten. Bereits jetzt liegt die Abtreibungs-Quote bei 90 Prozent, wenn bereits im Mutterleib Down-Syndrom diagnostiziert wurde.

Auch Stefanie Laukner und ihr Partner Markus Schreiber haben nach der Diagnose über Abtreibung nachgedacht. Sie haben sich intensiv mit ihrem Schicksal beschäftigt - und sich dann für ihr Baby entschieden. Heute sind Stefanie, Markus und der kleine Adrian eine glückliche Familie. Ihre ganze emotionale Geschichte zeigen wir im Video.

Bluttests war bisher nur auf eigene Kosten möglich

Bisher konnten Schwangere Bluttests auf eigene Kosten machen, bei denen unter anderem untersucht wird, ob das Baby mit Down-Syndrom auf die Welt käme. Im Vergleich zu den seit mehr als 30 Jahren üblichen Fruchtwasseruntersuchungen gelten diese Tests als risikolos. Allerdings wird der Test auch nun nur unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse übernommen: Dann, wenn eine Risikoschwangerschaft besteht und nur nach einer ausführlichen ärztlichen Beratung. In Anspruch genommen kann der von der Krankenkasse bezahlte Bluttest voraussichtlich jedoch erst ab Ende 2020.

Wie der Trisomie-Bluttest funktioniert, erklären wir hier.