Alleinerziehende entscheidet sich für Kind mit Down-Syndrom

Diagnose Trisomie 21: „Dieses Kind wird mich bereichern“

30. April 2019 - 14:50 Uhr

Wenn das ungeborene Baby Trisomie 21 hat

Das eigene Baby töten? Unvorstellbar! Tatsächlich entscheiden sich aber 9 von 10 Frauen in Deutschland für einen Schwangerschaftsabbruch, wenn sie herausfinden, dass ihr Baby mit einem Down-Syndrom zur Welt kommen wird.

Sie ist die 1 von 10, die sich für das Kind entscheidet: Die schwangere Annette Gehring weiß schon vor der Geburt, dass sie einen Sohn mit Trisomie 21 auf die Welt bringen wird. Erfahren hat sie das in der zwölften Schwangerschaftswoche, eine Abtreibung wäre also noch möglich gewesen. Obwohl Annette alleinerziehende Mutter von zwei Kindern ist, hat sie sich für den Jungen mit Trisomie 21 entschieden. Warum und wie sie kurz vor der Geburt über diese Entscheidung denkt - das erzählt sie uns im Video.

Eine große Verantwortung

Viele fühlen sich der Aufgabe, ein Kind mit Behinderung groß zu ziehen, nicht gewachsen oder wollen es den Geschwister-Kindern nicht "zumuten", dass das Kind mit Down-Syndrom dann wohlmöglich die meiste Aufmerksamkeit bekommt.​

Das erwartet Eltern, die ein Kind mit Down-Syndrom groß ziehen.

Die Entscheidung gegen das Kind

Zu erfahren, dass das ungeborene Kind einen Gendefekt haben könnte - was macht das mit einem?

Barbara N. (Name geändert) erzählt uns im Video, dass sie und ihr Mann schon in dieser Situation waren.

"Einerseits wusste ich einfach: Ich bin dem nicht gewachsen, ich schaffe das nicht. Aber andererseits war da immer dieses schlechte Gewissen, du tötest dein Kind."

Da das Ehepaar zu dem Zeitpunkt schon zwei Kinder hat, entscheiden sie sich schweren Herzens für eine Abtreibung. Noch Jahre später fällt es Barbara in unserem Interview schwer, über dieses Thema zu sprechen.

"Ich hab nicht gesagt, ich treibe es jetzt ab, weil es nicht gesund ist, nicht gut ist. Das war nicht so. Das war schwer! Ich glaube es wird mich mein Leben lang begleiten."

Das große Thema ist: Sollen die Krankenkassen den vorgeburtlichen Bluttest bezahlen?

Am 11.04.2019 hat der Bundestag debattiert, ob die vorgeburtlichen Bluttests von der Krankenkasse bezahlt werden sollten. So soll JEDE Frau testen lassen können, ob ihr ungeborenes Kind Trisomie hat. Mit Risiken verbundene Verfahren wie die Fruchtwasserpunktion oder die Entnahme von Nabelschnurblut, die von der Krankenkasse bezahlt werden, wären nicht mehr nötig. Noch muss der Test, der bis zu 300 Euro kostet, nämlich selbst bezahlt werden - viele können sich das nicht leisten. Die Debatte im Bundestag hat nur zur ersten Orientierung zu diesem Thema gedient.