RTL News>News>

BKA stellt beunruhigende Statistik vor: Immer mehr Cyber-Angriffe in Deutschland

Kriminelle haben es auf Corona-Impfungen abgesehen

BKA stellt beunruhigende Statistik vor: Immer mehr Cyber-Angriffe in Deutschland

Cyberkriminalität
2020 ist die Zahl der Cyber-Angriffe in Deutschland weiter gestiegen.
deutsche presse agentur

Corona-Pandemie erleichtert Cyberkriminellen das Handwerk

Die Attacken von Kriminellen, die in IT-Systeme eindringen, haben im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Dabei könnte die Corona-Pandemie den Angreifern in die Karten gespielt haben. Laut Carsten Meywirth, dem Leiter der Abteilung Cybercrime im Bundeskriminalamt (BKA), stieg die Zahl der Cybercrime-Fälle 2020 um rund acht Prozent auf mehr als 108.000 an. Besonders beunruhigend: Die Kriminellen im Netz scheinen es auf alle, die mit Corona-Impfungen zu tun haben, abgesehen zu haben.

​+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Angriffe gegen die Stellen, die die Corona-Pandemie bekämpfen

Vor allem ab Herbst 2020 wurden laut BKA immer mehr Angriffe auf Unternehmen und öffentliche Einrichtungen registriert, die bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie relevant sind. Betroffen waren demnach unter anderem Impf-Portale sowie die gesamte Impfstoff-Lieferkette, teilte Meywirth mit. Aber auch Krankenhäuser, wie das Universitätsklinikum in Düsseldorf rückten ins Visier der Angreifer.

Das ist ein Problem, denn noch immer ist es schwierig, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Laut Polizeistatistik wurde von den 108.474 Cybercrime-Fällen, die 2020 erfasst wurden, weniger als jeder dritte aufgeklärt. Die Aufklärungsquote blieb damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Meywirth geht aber davon aus, dass viele Fälle gar nicht erst angezeigt werden. Das Dunkelfeld im Bereich Cyberkriminalität könnte also noch viel größer sein.

Mehr zur aktuellen Kriminalstatistik für 2020 lesen Sie hier.

Warum gibt es immer mehr Cyber-Verbrechen in Deutschland?

Das BKA sieht vor allem drei Gründe für den Anstieg im Bereich der Cyberkriminalität: Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung in Deutschland vorangetrieben. Das würde Kriminellen auch mehr Tatgelegenheiten verschaffen. Außerdem beobachtete das BKA, dass die Täter immer professioneller werden. Hinzu kommt ein wachsendes Angebot an Programmen für Kriminelle, die sich technisch weniger gut auskennen. Sie könnten sich immer bessere Schadsoftware und andere Cybercrime-Tools beschaffen – sozusagen als Dienstleistung anderer Krimineller, die sich besser auskennen.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Deutschland muss noch viel für Cybersicherheit tun

Laut Meywirth sind auch gestohlene Daten aus sozialen Netzwerken eine Goldgrube für die Täter. „Sie sind der Rohstoff für die Cyber-Kriminellen für die Planung und Durchführung weiterer Straftaten“, erklärt er. Die größte Bedrohung für deutsche Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sind nach Einschätzung der Polizei sogenannte Ransomware-Angriffe, bei denen mit einer Schadsoftware Datenbestände verschlüsselt werden.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte vergangene Woche in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur festgestellt, dass es bei der Cybersicherheit im Vergleich zu anderen Bereichen noch viel zu tun gebe.

dpa/JGR