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Bis zu 500 Tote: Karl Lauterbach reagiert auf Zahlen-Kritik

500 Corona-Tote: Woher nimmt Lauterbach diese Zahl?

Lauterbach reagiert auf Kritik an Zahlen

Lauterbach, der Angstminister? 500 Corona-Tote
01:48 min
500 Corona-Tote
Lauterbach, der Angstminister?

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Der Gesundheitsminister rechnet – die Datengrundlage bleibt zunächst geheim. Karl Lauterbach hält täglich 400-500 Corona-Tote bei Lockerungen für möglich. Ist das realistisch? Von der Opposition hagelt es Kritik. Lauterbach wird unter anderem als „Angstminister“ bezeichnet. Inzwischen hat der Gesundheitsminister auf den Vorwurf reagiert.

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Bei Lockerungen: 400-500 Tote täglich - woher kommen die Zahlen?

„Ich habe mal ausgerechnet“, waren Lauterbachs Worte im ZDF „Heute Journal“ am Dienstag. Der Gesundheitsminister warnt vor weiteren Lockerungen, da es, wenn Deutschland etwa Israels Strategie fahren würde, 400 bis 500 Corona-Tote am Tag geben könnte. Woher kommt diese Zahl?

Israel lockerte die Corona-Beschränkungen am Montag weiter. Lediglich bei Großveranstaltungen muss seit Montag eine Impfung oder Genesung mit dem „Grünen Pass“ belegt werden, Ungeimpfte können etwa Restaurants und Kinos wie vor der Pandemie besuchen. Ein Szenario, das Lauterbach für Deutschland für gefährlich hält. Derzeit liegen die täglichen Corona-Todeszahlen etwa zwischen 100 und 150 Menschen. Wie Lauterbach die zukünftige Entwicklung bei einer ähnlichen Strategie wie Israel berechnet hat, erklärt er im „Heute Journal“ und auch auf Rückfragen des ZDF zunächst nicht.

Lauterbachs Berechnungen bleiben geheim

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums teilte dem ZDF mit, dass Todeszahlen auf der Grundlage der Zahlen des Robert-Koch-Instituts berechnet werden können. Zu den konkreten Zahlen, die in diesem Fall verwendet wurden, macht das Ministerium jedoch keine Angabe. Auch das Robert-Koch-Institut nannte die Daten-Grundlage auf Rückfrage des ZDF nicht.

Geheime Berechnungen, deren Datengrundlage nicht genannt werden, können Bürgerinnen und Bürger verunsichern. Das bestätigt auch Stephan Rixen, Professor für Öffentliches Recht an der Universität Bayreuth und Mitglied im Deutschen Ethikrat, gegenüber ZDF Heute. Rixen kritisiert außerdem, dass nicht nachvollziehbare Zahlen nicht als Rechtfertigung für weitere Freiheitsbeschränkungen genutzt werden können.

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Der Gesundheitsminister reagiert auf Twitter

Der Gesundheitsminister Lauterbach reagiert auf Twitter auf die Kritik. Er habe lediglich das „Offensichtliche“ ausgesprochen: „Würde unsere Inzidenz deutlich steigen, hätten wir deutlich mehr Tote. Gibt man Werte in (das) RKI Modell ein, zeigt sich das sofort.“ Omikron-Wunschdenken helfe nicht, fügt Lauterbach hinzu.

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Experten halten 500 Corona-Tote täglich für möglich

Wie realistisch sind Lauterbachs Berechnungen? Experten zu Folge seien 400-500 Corona-Tote in dem beschriebenen Szenario durchaus möglich.

Professor Thorsten Lehr von der Universität des Saarlands kann anhand eines Covid-19-Simulators Entwicklungen der Pandemie modellieren. ZDF.de teilte er mit, dass 400 bis 500 Tote am Tag denkbar wären, wenn die maximalen Inzidenzen zwischen 3.500 und 4.000 liegen. Zu Bedenken sei laut dem Experten allerdings, dass die Zahl von weiteren Faktoren wie etwa dem Alter der Erkrankten sowie möglichen Therapien von schweren Verläufen abhänge, die in der Berechnung nicht berücksichtigt werden können. In der Realität könnte die Zahl unter Umständen also auch deutlich niedriger ausfallen.

Auch Christian Hesse, Leiter der Abteilung für Mathematische Statistik der Universität Stuttgart, äußerte sich gegenüber „Focus Online“ zu Lauterbachs Berechnungen. Der Statistiker hält diese durchaus für realistisch. Beschreite Deutschland den israelischen Weg, könne es wieder zu stark steigenden Zahlen kommen. Er schätzt, dass es in einem Zeitraum von drei Wochen zu einer Verdopplung der Zahlen kommen könnte und halte auch das Szenario von Lauterbach mit 500 täglichen Corona-Toten in einer solchen Situation für möglich.

Opposition: Lauterbach wird zum "Angstminister"

Aus den Reihen der Opposition muss sich der Gesundheitsminister scharfer Kritik stellen. Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß wirft Lauterbach vor, zum „Angstminister“ zu werden. Auf Rückfrage von RTL/ntv sagt Ploß: „Derzeit droht glücklicherweise keine Überlastung des Gesundheitssystems – das war aber immer die Hauptbegründung für Einschränkungen. Dass Karl Lauterbach jetzt einfach die Grundlage für die Pandemiemaßnahmen ändern will, zerstört Vertrauen.“ Laut Ploß sind Einschränkungen von Grund- und Freiheitsrechten ohne drohende Überlastung des Gesundheitswesens nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) äußerte sich in der „Bild“. Er halte es für „bemerkenswert, wenn das verfassungsrechtlich begründete Ziel der Corona-Maßnahmen plötzlich verschoben wird - und zwar in dem Moment, in dem die Überlastung des Gesundheitssystems nicht mehr droht.“ Kubicki glaubt, dass es in Zukunft schwierig werden könnte, im Bundestag eine mehrheitliche Zustimmung für die Aufrechterhaltung der Corona-Maßnahmen zu erreichen.

Unterstützung bekommt Lauterbach von Christian Dürr, FDP-Fraktionschef. Dieser sagte im RTL/ntv-Frühstart: "Aktuell sagt er (Lauterbach, Anm. der Redaktion): Wenn wir heute alle Maßnahmen abschaffen würden, dann hätten wir ein Problem und das teile ich durchaus." Das ganze Interview im Video. (jbr)

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