Bio-Marktkette in Hamburg monatelang überfallen

Vor Gericht gibt Latex-Räuber zu: "Ich sitze hier richtig. Ich bin der Täter"

Am Donnerstag beginnt der Prozess gegen den Bio-Markt-Räuber in Hamburg vor dem Landgericht.
Am 10.11.2022 begann der Prozess gegen den Bio-Markt-Räuber in Hamburg vor dem Landgericht.
RTL Nord

Der humpelnde Mann mit Latex-Maske überfällt immer wieder die Filialen einer Bio-Marktkette in Hamburg. Jetzt steht der Serientäter endlich vor Gericht.

Angeklagter gibt Supermarkt-Raubserie zu

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Jan B., der auch Vater von drei Kindern ist, Raub in sechs Fällen vor, davon fünf in besonders schwerem Fall. Außerdem geht es um versuchte schwere räuberische Erpressung in einem Fall. Der Serientäter sorgt in Hamburg fast ein Jahr lang für Aufsehen. „Ich sitze hier richtig, ich bin der Täter“, gesteht Jan B. zu Beginn des Prozesses. Er wirkt betroffen und kann teilweise nur unter Schluchzen aussagen.

Angeklagter wollte Schulden begleichen

Für das Familienunternehmen Tjadens sind die Raubüberfälle eine Tortur. Mitarbeiter können nicht mehr arbeiten, es gibt viele Krankmeldungen, berichtet die Inhaberin Petra Tjaden nach den Angriffen in einem RTL-Interview. „Also das ist schon ziemlich gruselig, muss ich gestehen“, so Tjaden noch im Mai nach dem sechsten Raubüberfall. Fünf davon geschehen immer in der gleichen Filiale in Hamburg-Eimsbüttel. Der Angeklagte begründet seine Taten damit, dass Kriminelle aus dem Drogenmilieu von ihm seit Jahren immer wieder Geld fordern würden. Er solle Geldschulden seines an Drogen verstorbenen Freundes begleichen. Die Männer hätten ihn sogar bedroht und verprügelt. „Ich war irgendwann so fertig, dass ich das dann gemacht habe“, erklärt Jan B. im Gerichtssaal und weiter: „Es tut mir im Herzen leid, ich wollte auch nie jemanden weh tun.“

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Tatverdächtiger wieder frei Raubserie auf Biomärkte in Hamburg
01:14 min
Raubserie auf Biomärkte in Hamburg
Tatverdächtiger wieder frei

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Dennoch sind die Überfälle furchteinflößend und die Opfer geschockt. Immer mit einer Waffe geht der Räuber direkt zu den Kassierern und greift dort direkt in die offene Kasse zu den Scheinen. Im vergangenen Juni wird der mutmaßliche Täter dann endlich gefasst. Seit Donnerstag (10.11.2022) muss sich der 44-Jährige vor dem Hamburger Landgericht für seine Raubüberfälle zwischen dem 24. August 2021 und dem 6. Mai 2022 verantworten. Dabei hat er laut Anklage eine Soft-Air-Waffe. Bei den Überfällen, die neben Eimsbüttel auch im Stadtteil Eppendorf und Groß Borstel stattfinden, erbeutet er mehr als 4100 Euro. Auch eine Pizzafiliale versucht er auszurauben, wird dabei aber von einem Zeugen am Arm gepackt und aus dem Laden geschubst. Danach kann er fliehen.

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MEK fasst den Supermarkträuber

Dann endlich können Fahnder des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) den Mann am Abend des 9. Juni in unmittelbarer Nähe eines Biomarkts in Eppendorf festnehmen. Nach Angaben der Ermittler stellen die Beamten dabei eine Schreckschusswaffe, eine Maske und weitere mutmaßliche Tatgegenstände sicher. Ein Atemalkoholtest bei der Festnahme ergibt einen Wert von 2,3 Promille, so die Polizei damals.

War der Räuber auch Kunde der Bio-Marktkette?

„Ich würde sagen, es ist kein Kunde von uns“, sagt die Inhaberin der Bio-Märkte Petra Tjaden am Donnerstag am Rande des Prozesses im Interview mit RTL-Reporter Andreas Geerken. Sie wollte unbedingt am Prozess teilnehmen, um Jan B. direkt zu sehen. Und der Begründung des Angeklagten unter Druck von Kriminellen zu stehen, glaubt sie nicht: „Es klingt natürlich erst mal wie aufgeschrieben und ich lese das mal vor. Also er hat sich auch häufig verhaspelt.“

Trotz geringer Beute muss Jan B. mit hoher Haftstrafe rechnen

Petra Tjaden hofft auf eine Haftstrafe: „Ich finde schon, dass er einige Zeit lang einsitzen muss. „Schwerer Raub ist im Regelfall mit einer Freiheitsstrafe zwischen drei und 15 Jahren bedroht. Also ein wirklich sehr empfindliches Strafmaß“, erklärt dazu der Gerichtssprecher Kai Wantzen auf Anfrage von RTL. „Und das bei einer Tatbeute von mutmaßlich nur etwas mehr als 4.000 Euro.“ (dpa/nid)