Weniger Werbeeinnahmen durch Datenschutz - Premium-App-Versionen als neue Einnahmequelle

Bezahlmodell für Tiktok, Whatsapp, Instagram & Co.: Kostenloses Internet vor dem Aus?

Person mit lackierten Fingernägeln hält Smartphone in den Händen und tippt.
Die Nutzung von Apps wie Twitter, Instagram und Tiktok kann für Nutzer bald teurer werden. (Symbolbild)
scg vge sab wst, dpa, Sebastian Gollnow

von Malte Mansholt

Das Internet konnten wir jahrzehntelang kostenlos nutzen – zumindest in großen Teilen. Doch nun wendet sich das Blatt. Selbst Werbe-Giganten wie Meta setzen auf Premium-Dienste.

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Kostenlose Onlinewelt vor dem Aus?

Das Internet hatte jahrelang einen einzigen Preis: den des Zugangs. Sobald man sich einmal eingewählt hatte, war quasi alles kostenlos. Man kann argumentieren, dass es sonst längst nicht so allgegenwärtig geworden wäre, wie es heutzutage ist. Doch die kostenlose Onlinewelt nähert sich langsam aber sicher dem Ende. Das Internet wird zum Bezahlmodell.

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Die jüngsten Beispiele sind ausgerechnet die Dienste, die seit ihrer Existenz quasi als selbstverständliches Allgemeingut angesehen werden: Soziale Netzwerke wie Facebook, Tiktok oder Twitter waren seit ihrem Aufstieg immer kostenfrei. Nun ändert sich das zunehmend. Nachdem sich etwa Meta mit seinen Diensten Facebook, Instagram und Whatsapp zu einem der wichtigsten Werbeanbieter der Welt aufgeschwungen hat, entdeckt der Konzern nun das Premium-Modell für sich.

Premium-App-Versionen als neue Einnahmequellen

"Wir sehen die Gelegenheit, neue Produkte, Funktionen und Erfahrungen zu bauen, für die Menschen auch zu zahlen bereit, vielleicht sogar zahlungsbegeistert sind", erklärte etwa Facebooks Vizepräsident für Monetarisierung, John Hegeman, jüngst in einem Gespräch mit "The Verge". Beispiele wollte er zwar nicht nennen, auf Werbung will man aber nicht verzichten. "Wir sehen das als Möglichkeit, sowohl ernsthafte Einnahmequellen zu kreieren als auch als geschäftliche Diversifikation."

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Wohin der Weg gehen könnte, zeigen bisherige Bemühungen des Konzerns. Bei Facebook können etwa Betreiber von Gruppen den Zugang zu manchen Inhalten nur noch an zahlende Nutzer gewähren, bei Instagram können followerstarke Accounts ihre Follower ebenfalls per Abo zur Kasse bitten. Und bei Whatsapp versucht der Konzern sich gerade als Alternative zum Supermarkt zu etablieren.

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Onlyfans als Vorbild für Facebook, Instagram, Tiktok und Twitter

Meta ist mit den Bemühungen nicht alleine. Auch andere soziale Netzwerke wie Tiktok, Snapchat oder Twitter experimentieren immer mehr damit, wie man sich von reinen Werbeeinnahmen zu mehr direkten Zahlungen durch die Kunden bewegen kann. Tiktok etwa testet seit Anfang des Jahres bezahlte Abos bestimmter Accounts. Bei Twitter wurde gestern die lange erwartete Funktion zum Editieren von Tweets als Bezahlfeature enthüllt. Schon seit einer Weile können sich Nutzer als "Superfollower" zum Abonnenten machen und bekommen so exklusiven Zugang zu Inhalten.

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Das Vorbild der bezahlten Premium-Inhalte sind weniger Streaming-Abos wie Netflix, sondern der vor allem für Sex-Inhalte bekannte Dienst Onlyfans. Das erst wenige Jahre alte Start-up zeigte zuerst, dass Fans von Social-Media-Persönlichkeiten oder eben Nacktmodellen bereit sind, Geld zu bezahlen, um Zugang zu exklusiven Inhalten zu bekommen. Der Erfolg spricht für sich: 4,8 Milliarden Euro gaben die Nutzer des Netzwerks letztes Jahr aus, sowohl die Nutzer als auch die Ausgaben zogen dieses Jahr deutlich an. Der Profit wächst sogar noch schneller: 432 Millionen Euro Gewinn machte Onlyfans in den 12 Monaten vor dem September 2021. Eine Versechsfachung gegenüber dem Vorjahr.

Besserer Datenschutz bringt weniger Werbeeinnahmen

Für Meta und die andere Werbeunternehmen ist das wie ein Schlag in die Magengrube. Für sie ging ein wichtiger Teil der Einnahmen in den letzten Monaten verloren. Weil Apple es im letzten Sommer schwerer machte, das Nutzerverhalten auf seinen Geräten zu überwachen, wurde es ausgerechnet bei den für Werbekunden besonders wertvollen iPhone-Nutzern besonders schwer, diese gezielt mit auf sie zugeschnittener Werbung zu erreichen.

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Zehn Milliarden Euro hat der Konzern nach eigenen Angaben dadurch im letzten Jahr verloren. In der Folge musste Meta zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Rückgang bei den Werbeeinahmen melden: Im zweiten Quartal diesen Jahres waren die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent gesunken, sie lagen bei nun 28,8 Milliarden Euro. Der Gewinn brach allerdings deutlich stärker ein: Mit 6,7 Milliarden Euro Plus lag Meta satte 36 Prozent unter dem Vorjahr.

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Die Premium-Angebote bieten da eine willkommene Einnahme-Quelle – vor allem, weil sie es erlauben, weiterhin Werbeeinnahmen zu generieren. Während etwa Youtube sein "Premium" genanntes Abo neben einigen anderen Vorteilen auch mit Werbefreiheit schmackhaft machen will, zielen Meta, Tiktok und Co. klar auf zusätzliche Einnahmen.

Für 'kostenloses' Internet mit den eigenen Nutzerdaten gezahlt

Das macht die Situation wiederum für die Kunden besonders ärgerlich. Der wahre Preis des kostenlosen Internets war, dass die Konzerne jahrelang Berge von Nutzerdaten angehäuft hatten und diese für gezielte Werbung nutzten (hier erfahren Sie mehr zum wahren Ausmaß der Datensammelei). Doch statt nun für Datenschutz und eine bessere Nutzererfahrung zahlen zu können, dürfen die Kunden nun für attraktive Inhalte extra zahlen – während sie weiter ausgeschnüffelt werden.

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Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst bei stern.de.