Sanitäter: "Mussten 10 Minuten zu Patient laufen"

Nachbar blockiert Rettungswagen mit Barrikaden - und bekommt Recht vor Gericht!

Michael M. baut Barrikaden auf die Straße Nachbarschaftsstreit
03:32 min
Nachbarschaftsstreit
Michael M. baut Barrikaden auf die Straße

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von Denise Kylla und Frank Vacik

Weil er die Straße blockiert, kommen Rettungskräfte nicht ans Ziel. Im sächsischen Klingenthal tobt ein unerbittlicher Nachbarschaftsstreit um eine Sackgasse. Der Grund: Michael M. verengt die Durchfahrt so mit Barrikaden, dass andere Anwohner oder Rettungsfahrzeuge nicht weiterfahren können. Der Mann wurde sogar schon wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Stalkings verurteilt, weil er illegal Nachbarn filmte. Am Donnerstag stand er wieder vor Gericht – das Urteil des Richters ist kaum zu glauben.

Michael M. empfahl zum Passieren des Weges "eine Kutsche"

Es ist circa vier Wochen her, da hat Michael M. mit RTL-Reporter Frank Vacik noch in besagter Sackgasse gedreht und ihm seine Straßenblockaden gezeigt. Damals konfrontierte der Reporter den sturen Anwohner damit, dass er mit seinem Auto nicht vorbeifahren könne. Vacik bekam eine freche Antwort: „Weiter kommen Sie zu Fuß“, sagte M. „Mit Fahrrad oder mit Wanderweg oder so wie es früher gewesen ist, mit Pferd und Kutsche.“ Die Fässer und Reifen würden der Sicherheit dienen, behauptete er. Dabei wurde er wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr schon zu einer Geldstrafe von 975 Euro verurteilt.

Damals noch redselig, scheint ihn die Plauderlaune vor dem Landgericht am Donnerstag verlassen zu haben. Als er durch den Eingang kommt, macht er unseren Reporter sofort darauf aufmerksam, dass er und seine Frau nun doch nicht mehr gefilmt werden möchten. Vor Gericht passiert dann das Unfassbare: Michael M. beharrt darauf, dass die Barrikaden auf seinem Privatgrundstück stehen. Und er bekommt Recht. Freispruch!

Unglaublich: Diese Straßenbarrikaden sind laut des Gerichts legal!
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RTL

Anwohner mit Schlaganfall kann wegen Barrikade nicht schnell behandelt werden

Die Anwohner der Straße sind fassungslos. Denn die unsinnigen Blockaden könnten womöglich irgendwann jemanden das Leben kosten. Nachbar Peter Unger erzählt: „Wir hatten jetzt einen Fall, die (Nachbarin, Anm. d. Red.) hatte einen Schlag da oben. Da kam ein Rettungswagen, der wollte hoch, kam aber nicht hoch.“ Dann hätten die Sanitäter zu Fuß laufen müssen. „Sie wissen ja auch: Bei einem Schlaganfall geht es um Minuten.“

Vor Ort sprechen wir auch mit Retter Ronald Kretschmann, der bei dem Einsatz dabei gewesen ist. Er bestätigt den Ernst der Lage: „Wir sind mit dem Rettungswagen nicht durchgekommen. Wir hatten uns oben um einen Patienten zu kümmern, der dringend medizinische Hilfe nötig hatte. Diese wurde verzögert, da wir den Rettungswagen unten an der Einfahrt stehen lassen und zu Fuß zur Wohnung des Patienten gehen mussten.“ Wenn in der Zentrale die Adresse genannt werde, würde mittlerweile direkt die Bergwacht informiert.

Auch Anita Hochmutsmann hat am eigenen Leib erfahren, wie gefährlich die Barrikaden sein können. Auch sie brauchte medizinische Hilfe und musste im tiefsten Schnee von der Bergwacht gerettet werden, weil die Einsatzkräfte nicht an Michael M.s Installationen vorbeikamen. „Das ist menschenverachtend“, sagt sie.

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RTL

Als Michael M. das Gerichtsgebäude nach dem Urteil verlässt, lacht er hämisch und verlässt das Gebäude. Die Stadt soll jetzt für das Barrikaden-Drama verantwortlich sein. Für eine Stellungnahme waren die Verantwortlichen nicht zu erreichen.