"Ich habe den Krieg nicht mitgemacht aber so ähnlich stelle ich mir das vor."

Freiwillige Helfer nach Flutgebiet-Einsatz wieder zurück in Schleswig-Holstein

Privathelfer Tino Martens aus Besdorf, Schleswig-Holstein im Hochwasser-Krisengebiet.
Privathelfer Tino Martens aus Besdorf, Schleswig-Holstein im Hochwasser-Krisengebiet.
© RTL Nord

29. Juli 2021 - 8:05 Uhr

Freiwilliger Einsatz in Ahrweiler

Tiefbau-Unternehmer Tino Martens aus Besdorf, Schleswig-Holstein hat in der vergangenen Woche einen privaten Helfertrupp für die Flutopfer in Rheinland Pfalz zusammengetrommelt. Etwa 70 Helfer sind mit ihm freiwillig ins Krisengebiet gefahren. Jetzt ist er wieder zu Hause in Besdorf und hat RTL Nord von seinen Eindrücken und dem Einsatz erzählt.

Ähnlich wie im Krieg

Der 33-jährige Tino Martens hilft fünf Tage gemeinsam mit seiner Mannschaft bei Bergungs- und Aufräumarbeiten in Ahrweiler. Natürlich hatte er die Bilder aus dem Krisengebiet schon vorab gesehen, doch auf einmal selbst mittendrin zu stehen, das hat ihn sprachlos gemacht: "Das, was man im Fernsehen sieht oder die Bilder, die man übertragen kann, das kann man nicht live wiedergeben. Das ist unbeschreiblich." Die Eindrücke der Unwetterkatastrophe kann der freiwillige Helfer gar nicht richtig in Worte fassen: "Ich habe den Krieg nicht mitgemacht, aber so ähnlich stelle ich mir das vor. Dass da Häuser weg sind – es ist zerstört, einfach zerstört, kaputt."

Flutopfer über jede Hilfe dankbar

Private Helfer aus Schleswig-Holstein unterstützen Flutopfer in Ahrweiler.
Private Helfer aus Schleswig-Holstein unterstützen Flutopfer in Ahrweiler.
© RTL Nord

Von morgens bis abends haben die 73 Helfer aus Schleswig-Holstein den verseuchten Schlamm beseitigt, Autos geborgen, die angespült worden sind und manchmal sind sie einfach nur für die Flutopfer da gewesen und hatten ein offenes Ohr. Die Menschen vor Ort sind dankbar: "Egal, was wir gemacht haben: Ob wir einen Keller leer gemacht haben, ob wir einen Garten aufgeräumt haben, ob wir einer alten Frau über eine Hürde geholfen haben, wir haben nur positives Feedback bekommen", beschreibt der 33-Jährige die Reaktion der Menschen.

Tino Martens ist von der Kraft, die die Flutopfer zeigen, beeindruckt: "Viele Menschen, die sind am Boden zerstört aber sie sind auch Stehaufmännchen", sie wollen die Situation gemeinsam mit den Helfern meistern.

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Unfall mitten in der Ahr

Ein Bagger kippte während der Bergungsarbeiten zur Seite. Verletzt wurde bei diesem Unfall zum Glück niemand.
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© RTL Nord

Mit LKW, Baggern und Pumpen versuchen er und seine Mannschaft das Gröbste zu beseitigen. In den Baumaschinen sitzen Mitarbeiter von Tino Martens. Die sind eigentlich erfahren und arbeiten routiniert. Doch bei einer Baggeraktion mitten in der Ahr, kommt es fast zum Unglück. Björn Vanhöfen will Schutt aus dem Fluss holen, als der tonnenschwere Bagger plötzlich in Rutschen kommt. "Dann dreht er die Ketten weg und ging auf die Seite. Er lag auf der rechten Seite, dass die Tür oben war, ausm Wasser, da konnte ich rausklettern. Und dann kam die Bundeswehr mit einem anderen Bagger und hat mich rausgeholt", erzählt der Helfer von seinem Unfall. Der Bagger im Wert von 230.000 Euro ist allerdings dahin.

Per Facebook-Aufruf Hilfe gesucht

Innerhalb von nur zwei Tagen hat Tino Martens aus Besdorf bei Wacken Beachtliches auf die Beine gestellt. Er organisiert einen privaten Helfertrupp aus etwa 70 Personen für die Flutopfer im Westen Deutschlands, die alle seinem Facebook-Aufruf gefolgt sind und mit helfen wollten. (agi)

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