Staatsfernsehen zeigt Video von Sofia Sapega

Belarus: Freundin von Protassewitsch "gesteht" angebliche Schuld

26. Mai 2021 - 14:27 Uhr

Schon das zweite zweifelhafte "Geständnis"

Die groteske Aufführung Belarus gegen Protassewitsch geht in die nächste Runde. Hauptdarstellerin diesmal: Sofia Sapega, die Freundin des nach Belarus verschleppten Journalisten Roman Protassewitsch. Sie wurde ebenfalls bei der staatlich erzwungenen Flugzeuglandung in Minsk festgenommen. Das belarussische Staatsfernsehen veröffentlichte ein Video, von dem unklar ist, wie es zustande gekommen ist. Darin erklärt sie, dass sie für eine Internetplattform arbeite, die personenbezogene Daten über die Sicherheitsbeamten von Belarus enthüllt habe. Vor wenigen Tagen hatte der totalitäre Staat bereits ein Video von Protassewitsch mit einem angeblichen "Geständnis" veröffentlicht

Große Sorge, dass Protassewitsch gefoltert wird

SCREENSHOT - 25.05.2021, Bayern, München: Die undatierte Aufnahme zeigt den belarussischen oppositionellen Blogger Roman Protassewitsch Roman Protassewitsch. In einer beispiellosen Aktion hatte der autoritär regierende Staatschef Lukaschenko angeordn
Blogger Protassewitsch in dem Video mit seinem Pseudo-Geständnis
© dpa, -, jai

Der Journalist und seine 23-jährige Freundin Sofia Sapega waren am vergangenen Sonntag festgenommen worden. Zuvor war ein Flugzeug mit mehr als 100 Passagieren zu einer Kursändrung und zur Landung in der belarussischen Hauptstadt Minsk gezwungen worden. Der Blogger Roman Protassewitsch und seine Freundin wurden festgenommen wurde. Die Aktion löste international Empörung aus.

Am Montagabend veröffentlichte das Staatsfernsehen ein Video, in dem der Oppositionelle ein wenig glaubhaftes "Geständnis" ablegte. Darin hieß es, er habe gestanden, Massenunruhen in Minsk organisiert zu haben. Seine Familie vermutet Zwang, Folter und Gewalt hinter dem Video. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, dass Protassewitsch eine Verletzung an der Stirn hat.

International wächst die Sorge, dass der Blogger in der Untersuchungshaft Nummer 1 in Minsk misshandelt wird. Protassewitsch gehört zu den Mitbegründern des regierungskritischen Nachrichtenkanals Nexta. Die Behörden in Belarus stufen Nexta als extremistisch ein. Der Kanal hatte im vergangenen Jahr nach der Wahl immer wieder zu den Massenprotesten gegen Lukaschenko aufgerufen.