Wann Sie zu krank zum Autofahren sind

Bei diesen Krankheiten droht der Führerscheinentzug!

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10. September 2019 - 15:34 Uhr

Fahreignung bei Epilepsie, Schlaganfall und Co

Nach dem tödlichen SUV-Unfall in Berlin-Mitte gibt es erste Hinweise zur Unfallursache: Möglicherweise war ein medizinischer Notfall Auslöser des Crashs. Der Fahrer des Unfallwagens soll einen epileptischen Anfall gehabt haben.

Aber mit welchen Krankheiten darf ich denn noch Auto fahren und wann droht mir der Führerscheinentzug?

Führerschein weg wegen Krankheit?

Sich mit Alkohol hinters Steuer zu setzen oder Drogen zu konsumieren, kann den Führerschein kosten – das wissen wir alle. Aber es gibt auch viele Krankheiten, bei denen man sich nicht mehr hinters Steuer setzen sollte. Welche sind das und was passiert, wenn man es trotzdem macht?

Grundsätzlich gilt: Wer in Deutschland seinen Führerschein macht, muss zu diesem Zeitpunkt angeben, ob er unter chronischen Erkrankungen leidet. Nicht ohne Grund, denn bestimmte Erkrankungen können im Verkehr zur Gefahr werden. Aber auch später entstehende Leiden können dazu führen, dass man fahruntauglich ist. Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder ein Schlaganfall gehören unter Umständen dazu.

Woher weiß ich, ob ich fahrtauglich bin?

Mit welchen Krankheiten man wann nicht mehr hinters Steuer gehört, regelt die Begutachtungsrichtlinie für Kraftfahreignung. Sollten Sie unsicher sein, ob Sie beispielsweise nach einem Herzinfarkt Auto fahren dürfen oder nicht, ist Ihr Arzt die richtige Anlaufstelle. Denn trotz aller rechtlichen Vorgaben ist die Beurteilung der Fahreignung nur individuell möglich und außerdem vom Schweregrad und dem Verlauf der Erkrankung abhängig. Ihr Arzt kann Ihren Gesundheitszustand bezüglich Ihrer Eignung zum Autofahren medizinisch beurteilen. Er wird Ihnen je nach Erkrankung nahelegen, eine Zeitlang oder auch dauerhaft auf das Autofahren zu verzichten. Zu dieser Aufklärung ist er Ihnen gegenüber sogar verpflichtet.

Das Problem ist jedoch: Auch wenn Ärzte verpflichtet sind, den Patienten zu informieren, zeigen sich die Betroffenen nicht immer einsichtig. Und verbieten kann der Arzt seinem Patienten das Autofahren nicht. Und auch die Führerscheinstelle darf er nicht informieren. Seine ärztliche Schweigepflicht gilt auch in Sachen Fahreignung.

Die Verantwortung liegt beim Einzelnen - zum Teil

Das heißt: Sie als Fahrer beziehungsweise Fahrerin haben Vorsorgepflicht. Wer sich in ein Auto setzt, muss sich vor dem Losfahren grundsätzlich fragen, ob er seiner Verantwortung im Straßenverkehr gerecht werden kann. Denn laut Fahrerlaubnis-Verordnung "darf am Verkehr nur teilnehmen, wenn Vorsorge getroffen ist, dass er andere nicht gefährdet ...".

Wer von der Polizei gestoppt wird, aber wegen einer Erkrankung nicht fahren dürfte, muss mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen. Zwar muss ein Betroffener seine Krankheit auch der Polizei oder Staatsanwaltschaft gegenüber offenbaren, da er als Beschuldigter Schweigerecht hat.

Die Behörde oder ein Gericht können aber eine Untersuchung anordnen, um die Fahrtauglichkeit zu prüfen. Ergibt die Untersuchung des Gutachters, dass der Betroffene nicht hätte fahren dürfen, muss er mit Führerscheinentzug und Bußgeld und sogar mit einer Anklage wegen Gefährdung des Straßenverkehrs (§ 315c Strafgesetzbuch) rechnen. 

​Wenn die Fahrerlaubnis wegen einer Krankheit entzogen wurde, dann kann diese nur wieder über ein positives MPU-Gutachten erworben werden. Weigert sich der Betroffene oder hält eine geforderte Frist nicht ein, dann wird die Behörde auf eine Nichteignung der Person schließen.

Krankheiten, die zu einem Führerscheinentzug führen KÖNNEN

Bei einer Vielzahl von Krankheiten ist der Gesetzgeber der Meinung, dass der betroffene Fahrer nicht mehr fahrtüchtig ist und erst nach einer ärztlichen Behandlung wieder ein Fahrzeug führen sollte. Wichtig: Bei diesen Krankheiten KANN ein Fahrverbot erteilt werden, MUSS aber nicht. Die Führerscheinentziehung ist abhängig von der Schwere der Erkrankung.

Diabetes:
Die meisten Menschen mit Diabetes können Autofahren. Sollte der behandelnde Arzt der Meinung sein, dass die Erkrankung so schwerwiegend ist, dass nicht gefahren werden kann, muss er den Patienten darauf hinweisen. Bei wiederholten schweren Unterzuckerungen oder Schlaf-Apnoe-Syndrom kann ein Patient jedoch als fahruntauglich eingestuft werden. 

Herzinfarkt:
Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass man nach einem Herzinfarkt wieder Auto fährt. Allerdings ist hier die Einschätzung des behandelnden Arztes maßgeblich. Gibt der Mediziner grünes Licht, kann man wieder ein Kraftfahrzeug bewegen. Vor allem beim Vorliegen eines zweiten Herzinfarkts ist die Eignung zum Führen eines Fahrzeugs nicht mehr gegeben. Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erleidet haben, werden nach der Straßenverkehrsordnung als akut gefährdet eingestuft.

Bluthochdruck:
Patienten, bei denen der untere, diastolische Wert dauerhaft über 130 mm Hg erhöht ist, sind laut Richtlinie für Kraftfahreignung nicht fahrtauglich. Schon bei einem unteren Blutdruckwert über 100 mm Hg, sollten die Patienten sich regelmäßigen Kontrolluntersuchungen unterziehen, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu gewährleisten. 

Demenz:
Ob bei Demenz noch Auto gefahren werden kann, ist vom Stadium der Demenz abhängig. Studien zeigen, dass die Fahrtauglichkeit bei einer Demenz im Anfangsstadium noch gegeben sein kann. Spätestens, wenn sich Einschränkungen, z.B. Verfahren auf bekannten Strecken oder Unsicherheiten beim Abbiegen und an Kreuzungen bemerkbar machen, darf der Patient keinesfalls mehr ein Fahrzeug führen. Hier sollten die Angehörigen das Fortschreiten der Erkrankung im Auge behalten. Bei Verschlechterung des Allgemeinzustandes sollte unbedingt mit dem Arzt über die Fahrtüchtigkeit gesprochen werden. 

Epilepsie:
Mit einer Epilepsie ein Kraftfahrzeug zu führen, bringt besondere Gefahren mit sich. Die plötzlich auftretenden Krämpfe führen womöglich dazu, dass der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verliert. Deshalb sind Menschen mit Epilepsie-Erkrankungen aus Sicht des Gesetzgebers nur ausnahmsweise geeignet, ein Kraftfahrzeug zu fahren. Ob mit Epilepsie das Autofahren möglich ist, hängt vom Auftreten der Anfälle sowie deren Schwere ab. Außerdem unterliegt das Autofahren trotz Epilepsie strengen Vorgaben und Auflagen. So müssen Epileptiker mindestens einmal im Jahr zum Arzt, um die Fahrtauglichkeit bescheinigen zu lassen.

Schlaganfall:
Es gibt Schlaganfälle, die werden von den Patienten beinahe gar nicht bemerkt. Da ist davon auszugehen, dass der Betroffene auch weiterhin Auto fahren darf. Andererseits gibt es Hirnschläge, die so stark sind, dass dauerhafte Lähmungen und/oder Gehirnschädigungen zurückbleiben. Bei der ärztlichen, verkehrsmedizinischen Begutachtung wird genau festgelegt, ob eine Fahrtüchtigkeit besteht.

Nierenerkrankungen:
Hier ist vor allem bei einer schweren Niereninsuffizienz damit zu rechnen, dass der Führerschein entzogen werden kann.

Parkinson:
Auch bei Parkinson ist die Fahrtüchtigkeit wieder abhängig vom Grad der Erkrankung. Man geht jedoch davon aus, dass bei leichten Fällen und erfolgreicher Therapie die Fahreignung besteht.