Mehrere Risiken„Ich bin erschrocken“: Warum eine Podologin dringend davon abrät, barfuß zu laufen

Eine Mutter geht mit ihren beiden Kindern mit nackten Füßen auf groben Kieselsteinen am Freitag (20.08.2004) auf dem ersten Barfuß-Wanderweg am Niederrhein der Stadt Neuß. Auf 300 Metern können sich dort Wanderer barfuß fortbewegen und unterschiedliche Bodenbeläge wie Sand, Steine, Kies, Lehm oder Rindenstücke spüren und so die Natur bewusster erleben. Durch starke und schwache Reize werden die Füsse stimuliert und Muskeln-und Gelenke gestärkt. Foto: Horst Ossinger dpa/lnw
Barfußwandern ist gesund? Eine Podologin sieht das anders.
picture-alliance / dpa, Horst Ossinger
von Denise Snieguolė Wachter

Wer barfuß laufen liebt, sollte jetzt genau lesen: Das Risiko ist es nicht wert. Warum eine Podologin stark davon abrät, sich die Schuhe auszuziehen.

Schuhe bieten wichtige strukturelle Unterstützung, Komfort und Schutz

Immer mehr Menschen ziehen sich die Schuhe aus und laufen barfuß. Sie laufen auf der Straße, in Cafés, auf Wanderwegen, an Flughäfen. Auf Tiktok und in anderen sozialen Netzwerken rattern die Videos, wo Menschen barfuß in der Wildnis laufen, rauf und runter. Und sogar in popkulturellen Medien kann man sich vor den nackten Füßen nicht mehr retten: In einer aktuellen Folge von Succession läuft Lukas Matsson (gespielt von Alexander Skarsgard) barfuß auf dem Rollfeld, bevor er sein Privatflugzeug besteigt.

„Ich bin erschrocken“, sagt Dr. Priya Parthasarathy, Podologin aus den USA, gegenüber der „Time“. „Man riskiert viel Ärger, und ich empfehle es zu 100 Prozent nicht, und zwar aus vielen verschiedenen Gründen.“

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Verfechter des Barfußlaufens behaupten, sie wären „geerdeter“, hätten weniger Stress und könnten besser schlafen. Es stimmt zwar, dass das Barfußlaufen auf Teppichboden die Durchblutung fördert und die Fußmuskulatur stärken kann. Ansonsten hat der Trend eher Nachteile als Vorteile: Schuhe bieten wichtige strukturelle Unterstützung, Komfort und Schutz vor einer Vielzahl von Bedrohungen, darunter scharfe Gegenstände auf dem Boden, Schädlinge, Hitze und unsichtbare Keime.

Im Video: Sie sitzt barfuß im Flieger - und sorgt für einen Shitstorm

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Ohne Schuhe sind Füße schutzlos

Zum einen können winzige Schnitte an den Füßen Bakterien eindringen lassen. Man kann sie nicht sehen, aber Bakterien, Pilze und Viren sind in Duschen, Umkleideräumen, Schwimmbädern und überall dort, wo es viel Wasser oder Feuchtigkeit gibt, weit verbreitet. „Wenn Sie in der Öffentlichkeit unterwegs sind, laufen Sie auf Oberflächen, auf denen schon Hunderte von Menschen gelaufen sind“, sagt Parthasarathy. „Man hat keine Ahnung, womit man in Kontakt kommt.“

Nach wenigen Tagen kommt dann oft der Denkzettel: Fußpilz kann die Haut an den Füßen, einschließlich der Zehenzwischenräume befallen. Nagelpilz kann die Zehennägel verfärben, rissig werden oder sich sogar vom Nagelbett lösen. Plantarwarzen können sich entwickeln, kleine Wucherungen, die durch das humane Papillomavirus verursacht werden.

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Zudem kann das Barfußlaufen über einen längeren Zeitraum die Biomechanik der Füße zum Schlechten verändern. Langfristig kann dies die Bildung von Ballen und Hammerzehen beschleunigen oder zu Erkrankungen wie Plantarfasziitis, Schienbeinkantensyndrom und Achillessehnenentzündung führen. Der Fuß kann so stark belastet werden, dass er zusammenbricht.

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Auch Sonnenbrand ist ein echtes Risiko

Eine weitere Gefahr im Sommer: Sonnenbrand. Unsere Füße sind es nicht gewohnt, im Freien zu sein, und wir vergessen oft, Sonnenschutzmittel auf die Ober- und Unterseite aufzutragen, sagt Parthasarathy. Wenn man über heißen Beton läuft, kann das zu Verbrennungen führen, die schwer zu heilen sind - eine besondere Gefahr für Menschen mit Diabetes, die möglicherweise an Neuropathie leiden, was bedeutet, dass sie das Brennen ihrer Füße nicht spüren. Außerdem dauert es länger, bis sie sich erholt haben.

Die Risiken sind es einfach nicht wert, findet die Expertin. Forschungen legen zudem nahe, dass die Menschen schon vor mehr als 40.000 Jahren begannen, Sandalen oder Mokassins zu tragen –und dafür gibt es einen guten Grund.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst bei stern.de.