"In Wahrheit brauchen wir doch alle mal Hilfe"

Hamburger Ausstellung zeigt Wünsche von Trauernden und Kranken

16. Juni 2021 - 9:21 Uhr

Berührungsängste überwinden

Tod, Trauer und Krankheit. Das sind noch immer Tabuthemen in der Gesellschaft. Eine Ausstellung für Menschen mit und ohne Handicap im Levantehaus in der Hamburger Innenstadt soll das jetzt ändern und Berührungsängste überwinden. Die Fotoausstellung, die die Stiftung Hamburg Leuchtfeuer organisiert hat, macht die Wünsche erkrankter Menschen sichtbar. Auf Text- und Bildtafeln erzählen sie, was sie sich von der Gesellschaft im Alltag wünschen. Eine von 14 Beteiligten, ist Daniela Möller. Die 43-Jährige ist an Multipler Sklerose erkrankt, eine Krankheit die immer mehr die Nervenbahnen angreift. In der Foto-Ausstellung äußert sie ihren Wunsch an ihre Mitmenschen.

Was ihr Herzenswunsch ist, sehen Sie im Video.

"Durch Hamburg habe ich Schwung bekommen"

Seit die Mutter und Pädagogin an Multipler Sklerose erkrankt ist, ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Die Krankheit hat ihre Nervenbahnen im Bein geschädigt, sie leidet unter Verdauungsproblemen und Dauerschmerzen. Deshalb lebt sie in einer Wohneinrichtung von Hamburg Leuchtfeuer, die extra für Menschen mit chronischen Erkrankungen gebaut wurde. Hier in ihrer barrierefreien Wohnung in der Hafencity fühlt sie sich frei und sicher, erzählt die 43-Jährige: "Durch Hamburg habe ich Schwung bekommen". Und auch die Hansestadt gäbe ihr Freiheit. "Hier in Hamburg sehe ich so viele Rampen. Und man möchte auch, dass wir draußen unterwegs sind." Mit "wir" meint sie Menschen, die im Rollstuhl sitzen, oder anderweitig erkrankt sind. Menschen, die auch in der Ausstellung im Hamburger Levantehaus eine Stimme bekommen sollen. Noch bis zum 19. Juni sind ihre Wünsche dort auf Fototafeln zu sehen.

"Eine Einladung an die Gesellschaft für ein besseres Miteinander"

Das Ziel der Foto-Ausstellung sei "eine Einladung an die Gesellschaft für ein besseres Miteinander", erzählt Josef Reppenhorst von Hamburg Leuchtfeuer. Vierzehn Menschen, die Trauer erleben oder schwer erkrankt sind, kommen hier mit ihren persönlichsten Wünsche zu Wort. Hardy zum Beispiel ist an Lungenkrebs erkrankt und gerade ins Hospiz gezogen. Er möchte vielen Menschen die Angst vor diesem Ort und die Angst vor dem Sterben nehmen. Gabriele hat durch Suizid ihre Tochter verloren. Sie wünscht sich jetzt, dass Menschen sich nicht von ihr und ihrer Trauer abwenden. Einige Besucher hat die Ausstellung schon inspiriert, so lautet ein Gästebucheintrag: "Die müssten überall hängen, die Fotos, am besten in U-Bahnstationen und so. Sehr beeindruckend." (lri)