Laut Studie sinkt das Komplikationsrisiko

Kann Aspirin Covid-19-Verläufe abmildern?

Hilft Aspirin bei einer Covi-19-Erkrankung?
© iStockphoto, SIAM PUKKATO

27. Oktober 2020 - 11:40 Uhr

Vielversprechende Studienergebnisse

Noch immer wird fieberhaft an einem Impfstoff geforscht, um der Corona-Infektion bald vorbeugen zu können. Doch auch Medikamente, um die Erkrankung zu behandeln, stehen in der Forschung auf dem Prüfstand. Kann nun vielleicht sogar die rezeptfreie Acetylsalicylsäure (ASS), auch bekannt unter dem Markennamen Aspirin, den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung abmildern? Dazu soll es vielversprechende Studienergebnisse geben.

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Milderer Verlauf dank ASS?

Noch immer ist die Zahl der Medikamente überschaubar, mit denen Covid-19-Patienten behandelt werden können. Eine US-Studie bringt nun einen altbekannten Wirkstoff ins Spiel: Acetylsalicylsäure. Patienten, die beispielsweise wegen Bluthochdruck oder Diabetes bereits vor ihrer Infektion mit Sars-CoV-2 mit Acetylsalicylsäure in einer niedrigen Dosis ("Low dose"-ASS) behandelt wurden, hatten demnach bei einer Covid-19-Erkrankung einen deutlich milderen Verlauf. Zu diesem Schluss kommen Forschende in einer Beobachtungsstudie, die im Fachblatt "Anesthesia & Analgesia" veröffentlicht wurde.

Ein Team um Jonathan Chow von der University of Maryland School of Medicine in Baltimore wertete dazu die Erfahrungen während der ersten Welle aus. Insgesamt flossen die Daten von 412 erwachsenen Patienten ein, die zwischen März und Juli in mehreren Krankenhäusern der USA mit Covid-19 aufgenommen wurden. 344 Patienten (76,3 Prozent) erhielten kein ASS, 98 Patienten (23,7 Prozent) bekamen innerhalb von 24 Stunden nach der Aufnahme oder sieben Tage vor der Aufnahme Acetylsalicylsäure. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 55 Jahren.

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Verbreitet und rezeptfrei

Bei den 98 Patienten, die mit niedrig dosiertem ASS behandelt wurden, verlief die Erkrankung im Vergleich zu den anderen Kranken weniger schwer. Sie mussten seltener mechanisch beatmet werden (35,7 gegenüber 48,4 Prozent) und sie wurden seltener auf die Intensivstation verlegt (38,8 statt 51 Prozent). Bei der Sterblichkeit gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede (26,5 zu 23,2 Prozent).

Dabei war die Ausgangslage der ASS-Patienten meist schlechter. Sie hatten häufiger erhöhten Blutdruck und litten öfter an Diabetes und Herz- oder Nierenkrankheiten. Diese Risikofaktoren hatten meist dazu geführt, dass sie ASS erhielten. Positiv ist aus Sicht der Forschenden zudem, dass Patienten in der ASS-Gruppe auch nicht häufiger als die Vergleichsgruppe schwere Blutungen hatten.

Nicht auf eigene Faust einnehmen!

In einer Mitteilung der Medizinischen Fakultät der Universität von Maryland sagt Studienleiter Chow: "Wenn unser Befund bestätigt wird, wäre ASS das erste weit verbreitete rezeptfreie Medikament, das die Mortalität bei Covid-19-Patienten senkt." Der Anästhesiologe strebt nun eine klinische Studie an, um das Ergebnis zu bestätigen. Allerdings raten die Wissenschaftler davon ab, den Wirkstoff ohne medizinische Indikation und auf eigene Faust einzunehmen.

Corona-Infektionen erhöhen das Risiko gefährlicher Blutgerinnsel, die sich in Herz, Lunge, Blutgefäßen und anderen Organen bilden können. Dies wiederum kann zu Herzinfarkten, Schlaganfällen und Organversagen führen. Bei schweren Covid-19-Verläufen führen diese Entwicklungen nicht selten bis zum Tod.

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Quelle: ntv.de