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Antisemitismus-Eklat in Kassel: documenta fifteen muss aufarbeiten - Künstlerkollektiv "Ruangrupa" äußert sich

Künstlerkollektiv "Raparuga" nimmt Stellung

Antisemitismus-Eklat: documenta fifteen macht ersten Schritt zur Aufarbeitung

Ein Podium als Aufarbeitungsversuch Antisemitismus-Debatte
02:24 min
Antisemitismus-Debatte
Ein Podium als Aufarbeitungsversuch

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In Kassel hat am Mittwochabend die öffentliche Aufarbeitung des Antisemitismus-Eklats um die documenta fifteen begonnen. Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Antisemitismus in der Kunst“ betonte das Kuratorenkollektiv „Ruangrupa“ seine Dialogbereitschaft. Zuvor war die Kunstaustellung in Verruf geraten, weil ein Kunstwerk antisemitische Bildnisse zeigte.

Ein Podium als Aufarbeitungsversuch

Die Bildungsstätte Anne Frank und die Trägergemeinschaft documenta GmbH hatten gemeinsam zu dem Podium eingeladen. „Wir sind hier, um zu lernen und um zuzuhören“, sagte der Sprecher des indonesischen Kollektivs, Ade Darmawan, in einer Wortmeldung zu Beginn der Debatte. Er hoffe, die Veranstaltung sei ein Ausgangspunkt für Diskussionen.

Die Veranstaltung soll Auftakt der öffentlichen Debatte über den Skandal sein, der die documenta fifteen überschattet. Ein als antisemitisch eingestuftes Kunstwerk des indonesischen Kollektivs Taring Padi war nur wenige Tage nach dem Start der Schau abgebaut worden. Schon seit Januar hatte es Antisemitismus-Vorwürfe gegen „Ruangrupa“ gegeben.

Lese-Tipp: Antisemitismus-Eklat bei documenta - Kunstwerk wird nun abgebaut

Podiumsdiskussion
Der Sprecher des indonesischen Kollektivs „Ruangrupa“, Ade Darmawan, stellt sich den Fragen.
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Kassel bald im Alleingang

Hessens Kunstministerin Angela Dorn betonte in ihrem Grußwort am Mittwoch, das Podium könne nur der erste Schritt in der Aufarbeitung des Eklats sein. Claudia Roth (Grüne) will als Konsequenz aus den Vorkommnissen mehr Einfluss der Bundesregierung. Sie droht, andernfalls den Geldhahn zuzudrehen. Der Aufsichtsratsvorsitzende der documenta, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), lehnt Roths Forderungen vehement ab. Er drohte einen Alleingang der Stadt Kassel als Gesellschafterin an. Der Stadt sei es finanziell und auch ideell möglich, die Verantwortung für die documenta ohne Beteiligung Berlins zu tragen, hieß es in einem Brief an Roth, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Kultusministerin
Kultusministerin Angela Dorn begrüßte das Podium als Plattform zur Aufarbeitung.
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Kassel in der Kritik

Hortensia Völckers, Vorstandsmitglied der Bundeskulturstiftung, kritisierte, dass der Aufsichtsrat anders als angekündigt nicht schon früher reformiert worden sei. Die Stiftung sei 2018 nach der Krise der documenta 14 ausgestiegen. Die Schau im Jahr 2017 war mit einem Defizit von 7,6 Millionen Euro abgeschlossen worden, vornehmlich verursacht durch die zwei Standorte in Athen und Kassel. Die Stadt Kassel und das Land Hessen als Gesellschafter waren für die Mehrkosten aufgekommen.

Kommunikationsprobleme als Ausrede

Der Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, identifizierte Kommunikationsprobleme, organisatorische Probleme und eine fehlende Debatte im Vorfeld als Ursache für den Skandal. „Wir waren seit Januar nicht in der Lage, miteinander in einen Dialog zu kommen“, sagte er. Da sehe er auch sein Versäumnis.(dpa/naw)