RTL News>News>

documenta fifteen: Umstrittenes Banner nach Antisemitismus-Vorwurf nun abgebaut

Nach Antisemitismus-Eklat

Umstrittenes Banner auf der documenta wurde nun abgebaut

21.06.2022, Hessen, Kassel: Von der Sonne in rötliches Licht getaucht ist eine Wolke neben dem leeren Gerüst, an dem zuvor noch das umstrittene Großbanner ·People's Justice· des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi hing. Die heftig kritisiert
Das umstrittene Banner wurde nun abgebaut, nach es von vielen Stellen kritisiert worden war.
cch kno, dpa, Uwe Zucchi

Das Werk ist nicht mehr zu sehen, die Debatte ist deshalb aber nicht beendet: Eine heftig kritisierte Installation auf der documenta fifteen in Kassel wurde erst verhüllt - und dann am Dienstagabend abgebaut.

Lese-Tipp: Antisemitisches Banner sorgt auf documenta für einen Eklat

Rund 100 Menschen verfolgten dies, es gab Pfiffe und Buhrufe wie auch Beifall. Nur das Gerüst für das Kunstwerk blieb zunächst noch stehen. Nun werden die Rufe nach einer Aufarbeitung des Eklats immer lauter.

Erst verhüllt - dann abgebaut

Die großflächige Banner-Installation "People's Justice" des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi zeigte unter anderem einen Soldaten mit Schweinsgesicht. Er trägt ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift "Mossad" - die Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes.

Nach heftiger öffentlicher Kritik wurde es am Montag zunächst mit einem schwarzen Tuch verhängt. Am Dienstag verkündete Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), dass das Banner entfernt wird.

Oberbürgermeister: Fühlen uns beschämt

 documenta fifteen - Eröffnungspressekonferenz DEU, Deutschland, Hessen, Kassel, 15.06.2022: Die fünfzehnte Ausgabe der documenta findet vom 18.06 bis 25.09. 2022 statt. Christian Geselle SPD, Oberbürgermeister der Stadt Kassel *** documenta fifteen
Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle gibt der Künstlergruppe die Schuld.
www.imago-images.de, IMAGO/Rüdiger Wölk

"Ich bin wütend, ich bin enttäuscht. Denn die Stadt Kassel und ich als Oberbürgermeister, wir fühlen uns beschämt", sagt Christian Geselle. "Es ist etwas passiert, was nicht hätte passieren dürfen." Die Installation weise einen eindeutigen antisemitischen Zusammenhang auf. Dem kuratierenden Kollektiv Ruangrupa war schon seit Monaten Antisemitismus vorgeworfen worden. Die Gruppe habe seit Beginn der Debatte aber immer versichert, dass Antisemitismus, Rassismus oder Gewalt keinen Platz auf der documenta haben würden, betonte Geselle. "In diesem einen Fall sind sie ihrer Verantwortung ganz offensichtlich nicht gerecht geworden."

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Förderkreis forderte den Abbau des Kunstwerks

Lea Rosh
Lea Rosh von Förderkreis "Denkmal für die ermordeten Juden" reicht der Abbau des Banners nicht. Ihrer Meinung nach müsse der Fall nun noch aufgearbeitet werden. Foto: Britta Pedersen/Archiv
deutsche presse agentur

Den Abbau hatte unter anderem der Förderkreis "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" gefordert. "Die Verantwortlichen müssen dafür Sorge tragen, dass aufgearbeitet wird, wie ein solches Bild überhaupt aufgehangen werden konnte", sagte die Vorsitzende des Förderkreises Lea Rosh am Dienstag. Sie sprach in Bezug auf die documenta von "Antisemitismus mit langer Ansage". Seit Monaten seien die Verantwortlichen aufgefordert, "den sich ankündigenden Antisemitismus auf der "documenta fifteen" zu verhindern. Genauso lange wird beschwichtigt, ignoriert und wegmoderiert." (dpa)