Schwangere Anna-Maria Ferchichi könnte Drillingsmädchen verlieren

Blasensprung in der Schwangerschaft - darum ist er so gefährlich

03. August 2021 - 14:46 Uhr

"Ein Herz meines Kindes wird vermutlich in den nächsten 2 bis 3 Wochen aufhören zu schlagen"

Erst im Juni haben Rapper Bushido (42) und seine Frau Anna-Maria Ferchichi (39) bekannt gegeben, dass sie Drillinge erwarten. Die Freude bei den Eltern von bereits vier Kindern war riesig, nun liegt ein Schatten über dem Familienglück. Weil Anna-Maria in der 17. Schwangerschaftswoche einen Blasensprung hatte, ist die Sorge um ihre ungeborenen Drillingsmädchen groß. "Ein Herz meines Kindes wird vermutlich in den nächsten 2 bis 3 Wochen aufhören zu schlagen", schreibt Anna-Maria bei Instagram.

Was ein Blasensprung genau bedeutet, warum er so gefährlich ist und ob noch Hoffnung besteht, erklärt Gynäkologin Dr. Susanne Maurer.

Warum ist ein Blasensprung so gefährlich für das ungeborene Kind?

"Wenn bei einer Mehrlingsschwangerschaft die Fruchtblase eines der Mehrlinge platzt, dann läuft das Fruchtwasser ab. Man sagt dann: Das Kind liegt trocken. Es hat quasi kein Fruchtwasser mehr um sich herum und wird quasi eingequetscht", erklärt Gynäkologin Dr. Susanne Maurer im Gespräch mit RTL.

"Das ist ein großes Problem, weil sich die Organe dann nicht entwickeln können, die Lunge kann sich dann nicht entwickeln, die Gelenke und Bänder können sich nicht entwickeln." Wenn dieses Kind über einen längeren Zeitraum trocken liege, dann sei die Prognose für dieses Kind sehr ungünstig, so Maurer weiter.

Wann wird der Blasensprung für die anderen Mehrlinge gefährlich?

"Die große Gefahr für die anderen Kinder besteht darin, dass über das durch den Blasensprung entstandene Loch in der Fruchtblase auch Keime aufsteigen können, die dann zu einer Infektion führen", sagt Maurer. "Dort haben die Keime natürlich ein tolles Milieu, da ist es warm, feucht und luftdicht." Das Hauptrisiko bei einem vorzeitigen Blasensprung bei einer Mehrlingsschwangerschaft sei dann, dass die Infektion auch auf die anderen Kinder und auf die Gebärmutter übertreten könne.

Anna-Maria hatte den Blasensprung bereits in der 17. Schwangerschaftswoche. Das sei noch sehr sehr früh, so die Gynäkologin. "Es nützt auch nichts, die Schwangerschaft noch zwei oder drei Wochen weiterzubringen, weil auch dann haben die anderen Kinder noch keine Lebensfähigkeit erreicht. Ab der 24. Schwangerschaftswoche hätten die Kinder eine Überlebenswahrscheinlichkeit, aber eben noch nicht so früh."

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Was kann man bei einem vorzeitigen Blasensprung tun?

"Man kann bei einem vorzeitigen Blasensprung ganz wenig tun", erklärt Maurer. "Man gibt der Patientin Wehenhemmer, weil die Gebärmutter ruhiggestellt werden muss." Anschließend könne man nur hoffen, dass das Loch sehr klein ist, sich selbst verschließt und sich die Fruchtblase wieder füllt. "Das ist selten der Fall, es kann aber sein", so die Gynäkologin.

"Was man nicht gut machen kann, ist, dieses Loch selber wieder zu füllen, das geht eigentlich nicht. Es gibt Versuche, dass man das Fruchtwasser immer wieder nachfüllt und schaut, dass dieses Kind Platz hat, sich zu entwickeln. Aber diese Versuche sind hochexperimentell und man kann nicht davon ausgehen, dass sie sehr erfolgreich sind." Das Risiko für das Kind, diese Situation nicht zu überleben, sei dementsprechend sehr hoch. Vor allem deswegen, weil in der 17. Schwangerschaftswoche noch eine lange Zeit zu überbrücken sei, um eine Überlebensfähigkeit zu erreichen.

Kann man ein Kind vorzeitig holen?

"Wenn man sich das mechanistisch vorstellt, würde man sagen: Dann nehmen wir dieses eine Kind, das sowieso keine Chancen hat, wenn die Fruchthöhle sich nicht von selber wieder verklebt – und das weiß man in den nächsten paar Tagen, ob das der Fall sein wird. Wir holen dieses eine Kind auf die Welt, dann haben die anderen beiden eine gute Chance", erklärt Maurer. "Nur, die Frage ist: Wie bringt man es da raus? Wenn man es per Kaiserschnitt entbindet, ist auch die Gefahr für die anderen beiden Kinder enorm groß, dass bei diesem Eingriff etwas passiert. Das ist kein Vorgehen, das standardmäßig durchgeführt wird."

Letztendlich seien einem mehr oder weniger die Hände gebunden, sagt die Expertin. "Man gibt Antibiotika, um eine Infektion zu vermeiden, und gibt der Patientin einen Wehenhemmer, dass die Gebärmutter möglichst ruhig steht. Man legt sie ins Bett, sie darf quasi nichts machen und dann kann man nur noch hoffen."

Welche Maßnahmen Bushido und Anna-Maria einleiten, hänge laut der Gynäkologin sehr davon ab, wie experimentierfreudig die behandelnden Ärzte und die Eltern seien. Wenn sich die Fruchtblase nicht in den nächsten Tagen wieder schließe, könne man argumentieren, dass man das Kind sowieso verloren habe und versuchen, alles möglich zu machen, um es zu retten, und dann könne man Fruchtwasser in die Fruchthöhle füllen. "Aber alle Maßnahmen, die man unternimmt, sind auch damit verbunden, dass ein höheres Infektionsrisiko für die beiden noch verbliebenen Kinder besteht."

Wie gut sind die Chancen für die Drillinge?

Die Chancen, dass alle drei überleben, sind sehr gering, weiß Maurer. Es könne aber durchaus sein: "Wenn sich das Loch in der Fruchthöhle in den nächsten Tagen wieder verschließt, hat dieses Kind genauso gute Chancen wie die beiden Geschwister, gesund auf die Welt zu kommen. Wenn es so ist, dass der Mehrling, bei dem der Blasensprung vorliegt, die Situation nicht überlebt, die anderen beiden aber keine Infektion bekommen, dann können sich die anderen beiden normal weiterentwickeln und ganz gesund zur Welt kommen." Vorerst bleibe aber vor allem eines: hoffen! (akr)

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