„Zweiklassengesellschaft“ in der Altersvorsorge

Über 80 Prozent der Renten unter 1.500 Euro - 95 Prozent der Beamtenpensionen darüber

Die meisten Rentner erhalten weniger als 1.500 Euro.
Die meisten Rentner erhalten weniger als 1.500 Euro.
© Alexander Raths - Fotolia, Alexander Raths

23. September 2021 - 10:52 Uhr

Kluft könnte größer nicht sein

Erst vor zwei Monaten wurden die ersten Aufschläge der Grundrente ausgezahlt. Trotz diesem Plus für ungefähr 1,3 Millionen Menschen klafft eine große Diskrepanz zwischen der gesetzlichen Rentenversicherung und den Pensionen, die Beamte erhalten. 82 Prozent der Renten belaufen sich auf unter 1.500 Euro. Bei den Pensionen ist das Gegenteil der Fall.

Zahlen klaffen eindeutig außeinander

Neue Zahlen des Bundesarbeitsministeriums zeigen, wie groß der Unterschied zwischen einer Rente und einer Pension im Schnitt ist: 82 Prozent der gesetzlichen Renten in Deutschland belaufen sich demnach auf weniger als 1500 Euro monatlich. Dagegen liegen 95,1 Prozent der Pensionen von Bundesbeamten über diesem Betrag. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor, über die zuerst das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet hat.

Linke kritisiert „Zweiklassengesellschaft“

"Wenn 82 Prozent aller Renten unter 1500 Euro liegen, dann gibt es ein gewaltiges Problem", sagte Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch dem RND. Damit schwinde das Vertrauen in die gesetzliche Rente. Nach Ansicht von Bartsch zeigt sich im starken Gefälle zwischen Beamtenpensionen und Renten eine "Zweiklassengesellschaft". Die Linke trete für eine große Rentenreform ein, die sich an Österreich orientiere, sagte er dem RND. "Dort zahlen alle Bürger ein, auch Beamte, Selbstständige und Politiker." Die Renten dort seien im Durchschnitt 800 Euro höher als in Deutschland, so Bartsch.

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Dietmar Bartsch sieht das Vertrauen in die gesetzliche Rente in Gefahr.
© dpa, Bernd von Jutrczenka, bvj jai jai

Arbeitsministerium verweist auf Erklärungen

Das Arbeitsministerium bemühte sich um Erklärungen für die enorme Schere zwischen den verschieden Altersvorsorgen. Ein Grund wäre, dass in die Statistik auch Renten eingehen, die etwa aufgrund von geringen Beschäftigungszeiten sehr niedrig ausfallen. Für Beamte gelte hingegen das "Lebenszeitprinzip". Dadurch ergeben sich meist ununterbrochene Beschäftigungszeiten. Daneben könnten oft Ansprüche aus anderen Sicherungssystemen im In- oder Ausland bestehen, über die der Statistik der Deutschen Rentenversicherung jedoch keine Informationen vorlägen.

Hinzu komme, dass die gesetzliche Rentenversicherung Beiträge auf Einkommen nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze erhebe. Deshalb würden auf den darüber liegenden Teil des Einkommens auch keine Rentenanwartschaften gutgeschrieben. Die Beamtenversorgung enthalte zudem eine betriebliche Zusatzsicherung als zweite Säule der Alterssicherung.

Trotz aller Erklärungsversuche. Fest steht: Normale Arbeitnehmer sollen immer länger arbeiten – und können von einer Rente in der Höhe, die Beamte im Durchschnitt als Pension ausgezahlt bekommen, trotzdem nur träumen. (dpa/skn)

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