Diskussion nach Räikkönens Vettel-Abschuss

Altersgrenze für Formel-1-Fahrer? Humbug, weil Willkür!

Kimi Räikönnen gab sein F1-Debüt im Jahr 2001, mit 21.
Kimi Räikönnen gab sein F1-Debüt im Jahr 2001, mit 21.
© dpa, Christian Bruna, DRB pat

06. Juli 2021 - 11:19 Uhr

Formel-1-Fahrer wissen selbst am besten, wann Schluss ist

von Martin Armbruster

Eben erst hat Manuel Gräfe angekündigt, den Deutschen Fußball-Bund zu verklagen. Sein Vorwurf: Alters-Diskriminierung. Denn obwohl topfit, darf Deutschlands wohl bester Schiri nicht mehr in der Bundesliga ran. Gräfe ist 47. Ab diesem Alter ist das Spiel für die Unparteiischen gemäß DFB-Gesetz abgepfiffen. Dabei schützt die Anzahl der Lenzen auf dem Buckel bekanntlich nicht vor Leistung. Und doch diskutiert man nun auch in der Formel 1 über eine Altersgrenze für die Piloten.

Räikkönen fuhr Vettel über den Haufen

Hintergrund ist die Kollision zwischen Altmeister Kimi Räikkönen (41) und Sebastian Vettel (34) beim Österreich-GP am vergangenen Wochenende. In der letzten Runde der zweiten Spielberg-Sause war der Finne seinem ehemaligen Ferrari-Kollegen unvermittelt in die Karre gefahren.

Vettel drehte sich, landete im Kiesbett. Eine unnötige Aktion. Aber keine, die ungewöhnlich für die Formel 1 wäre. Und schon gar keine, die sich (einzig) auf Räikkönens fortgeschrittenes Sportler-Alter zurückführen lässt. Vielmehr ein Crash der Kategorie: Blöd gelaufen, passiert halt aber mal.

Coulthard: Konzentration lässt im Alter nach

Ex-F1-Pilot David Coulthard fände eine Altersgrenze für die Fahrer trotzdem sinnvoll. "Ich war 37, als ich aufgehört habe. Da machst du plötzlich Fehler und willst nicht wahrhaben, dass du schuld daran bist. Aber du bist es. Ich habe ja auch gemerkt, dass es mit Konzentrations-Schwächen zu tun hat, vor allem gegen Ende eines Rennens. Wir haben das auch bei Michael Schumacher in seinem letzten Jahr gesehen", sagte der Vize-Weltmeister von 2001 der "Bild".

Das mag sein. Bei Schumacher häuften sich die Fehler zum Ende seines (unnötigen) Comebacks bei Mercedes tatsächlich. Auch Räikkönen schießt immer mal wieder einen Bock, ist außerdem zunehmend langsamer als Alfa-Romeo-Kollege Antonio Giovinazzi. Unterm Strich sind die Leistungen des "Iceman" aber noch zu konstant, als dass sie eine Zwangs-Pensionierung à la Gräfe rechtfertigen würden.

Überhaupt: Ab wann sollte eine Altersgrenze für F1-Fahrer denn greifen? Ab 37, dem Coulthard-Moment? Ab 41, dem Kimi-Alter? Ab 43, dem Schumi-Goodbye? Das Ganze wäre reine Willkür.

Gewiss: Irgendwann ist Schluss, muss Schluss sein. Bisher wussten die Fahrer aber selbst am besten, wann ihr letztes Vollgas-Stündlein geschlagen hatte. Schumacher erkannte 2012, dass es nicht mehr reichte. Nigel Mansell schwenkte sich die schwarz-weiß-karierte Flagge 1995, weil er zu dick fürs McLaren-Cockpit war. Niki Lauda haute anno '85 in den Sack, als er sah, dass ihm der junge Alain Prost davonfuhr. Entscheidungen aus freien Stücken. So soll es bleiben.

Lesen Sie hier: 40+ na und! Diese "alten Säcke" trotz(t)en der Zeit

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Alonso zeigt, was auch mit 40 noch geht

 F1 Grand Prix of Styria 14 Fernando Alonso ESP, Alpine F1 Team, F1 Grand Prix of Styria at Red Bull Ring on June 25, 2021 in Spielberg, Austria. Photo by James Moy/XPB/Alpine F1 Team/FIA Pool via HOCH ZWEI Spielberg Austria Poolfoto HOCH ZWEI/Pool/X
Altmeister Alonso: Alter schützt vor Leistung nicht.
© HOCH ZWEI/Pool/XPB/James Moy, ps

Das beste Argument gegen eine F1-Frühverrentung lieferte beim Österreich-GP ein "alter Hase" sowieso auf der Strecke. Fernando Alonso – auch schon kurz vor der 40 – zeigte in Spielberg eine famose Leistung.

Nach rundenlangem Kampf rang der Alpine-Pilot kurz vor Schluss des Rennens den hochbegabten George Russell im Williams nieder, sackte noch den letzten WM-Punkt für Rang 10 ein. Es war ein faszinierendes Generationen-Duell – eines, das für den Spanier gegen einen Mann vom Kaliber Russell nur mit höchster Konzentration zu gewinnen war. Alonso bestand den Test. Mehr noch: Er bewies, dass das Alter auch in der Formel 1 letztlich nur eine Zahl ist.

Das gilt andersrum übrigens auch. Wie laut war das Geschrei, als Max Verstappen 2015 mit 17 Jährchen in die Königsklasse aufstieg. Viel zu jung und unerfahren sei Verstappen, das F1-Küken ein Sicherheitsrisiko, hieß es. Die Kritiker verstummten schnell. Heute ist Verstappen auf dem Weg zur Weltmeisterschaft.