Akute schlaffe Myelitis (AFM): Ist die Kinderlähmung zurück?

18. Oktober 2018 - 17:12 Uhr

Erst Schnupfen, Husten, Schluckbeschwerden – und dann wird es richtig schlimm!

Es fängt scheinbar harmlos mit einer Erkältung an. Aber plötzlich kann der kleine Quinton seinen linken Arm nicht mehr bewegen. Und der Junge aus Minnesota in den USA ist kein Einzelfall: Ein polioähnlicher Virus scheint bei immer mehr Kindern zu einer Lähmung einzelner Körperteile zu führen. Was steckt dahinter?

Die Eltern dachten sich erst nichts dabei

Quinton Hill hat Akute schlaffe Myelitis
Der kleine Quinton konnte plötzlich seinen linken Arm nicht mehr bewegen - die Diagnose: Akute schlaffe Myelitis (AFM).
© RTL

Der siebenjährige Quinton Hill wacht eines Morgens mit einem steifen Nacken auf. Als kurze Zeit später auch sein Arm gelähmt zu sein scheint, denken seine Eltern erst, er habe vielleicht nur zu lange oder falsch darauf gelegen. "Aber nachdem er den Arm ein paar Stunden später immer noch nicht bewegen konnte, fingen wir an, uns Sorgen zu machen", erzählt sein Vater James. Die Diagnose: Akute schlaffe Myelitis (AFM).

Rapider Anstieg von Akuter schlaffer Myelitis?

Die plötzliche Lähmung eines Arms oder Beins ist sowohl in den USA als auch bei uns in den letzten Jahren immer häufiger aufgetreten. Schätzungen zufolge wurde in Deutschland seit 2016 in rund 120 Fällen Akute schlaffe Myelitis diagnostiziert. In den Vereinigten Staaten wurden seit 2014 sogar 384 Fälle von AFM erfasst – die meisten betreffen Kinder.

Es handelt sich bei der Akuten schlaffen Myelitis um eine wahrscheinlich durch Viren ausgelöste Krankheit, die starke Ähnlichkeiten mit Poliomyelitis (Kinderlähmung) aufweist. Und das, obwohl die Kinderlähmung als so gut wie ausgestorben gilt.

Was Sie über AFM wissen müssen

Im Video erklärt Professor Hans-Jürgen Christen vom Kinderkrankenhaus "Auf der Bult" in Hannover alles, was Sie über die Akute schlaffe Myelitis wissen müssen: Was genau löst AFM aus? Wie verläuft die Krankheit? Und gibt es – wie bei Polio – bereits einen Impfstoff, der Kinder vor einem Schicksal wie bei Quinton bewahren kann?

Die Eltern des Siebenjährigen sind übrigens zuversichtlich: "Wir wissen, dass Quinton total stark ist. Wenn jemand seine Armfunktion zurückbekommen kann, dann er. Da glauben wir fest dran!"