Im Dienst der Forschung

Für 4.000 Euro - Freiwillige infizieren sich mit Coronavirus

19. März 2020 - 15:25 Uhr

Von RTL-London-Korrespondent Ulrich Oppold

Wer tut sich das eigentlich an, frage ich mich, als mir Laura Krizman, die Leiterin des Londoner Forschungslabors berichtet, dass sich bereits rund 10.000 Freiwillige gemeldet haben, die sich mit dem Coronavirus infizieren lassen wollen. Eingesperrt in einen kleinen Raum, streng abgeschirmt von der Außenwelt werden die Probanden erleben, wie sich die Erreger im Körper langsam ausbreiten, Erkältungssymptome, Husten und Fieber entwickeln. Ob man das für umgerechnet 4.000 Euro über sich ergehen lassen möchte, muss jeder Freiwillige für sich entscheiden.

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14-16 Tage im Hochsicherheitslabor namens „Flucamp“ im

"Im Großen und Ganzen haben unsere Probanden einen interessanten Aufenthalt, sie lesen viel, einige arbeiten oder studieren, andere spielen am Computer oder sehe fern oder schauen sich Filme an," beschreibt Laura Krizman den Alltag der Testpersonen. Im Schnitt leben sie 14-16 Tage in dem Hochsicherheitslabor dem sogenannten "Flucamp" im Osten Londons. Dort werden sie täglich untersucht, und in Quarantäne rund um die Uhr betreut und beobachtet.

Erst in ein paar Wochen startet die Corona-Versuchsreihe mit zunächst 24 Freiwilligen, später vielleicht einigen hundert Probanden, denen abgeschwächte Coronaviren gespritzt werden, um an ihnen Impfstoffe und Medikamente zu testen.

„Es ist sehr schwer einen Impfstoff zu entwickeln“

11.03.2020, Großbritannien, London: Ein Mann mit Mundschutz geht an einer roten Telefonzelle in der Nähe des Parliament Square vorbei. Foto: Matt Dunham/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Sorge um die Ausbreitung des Coronavirus auf den Straßen Londons
© dpa, Matt Dunham, jga

"Sicherheit steht für uns an erster Stelle," verspricht Laura Krizman. Die Sorge, ernsthafte Folgeschäden durch das abgeschwächte Coronavirus davonzutragen, hält sie für ausgeschlossen. Die Bewerber durchlaufen eine ganze Reihe von Blutuntersuchungen und Antikörpertests bevor Ärzte und Wissenschaftler entscheiden, ob sie für den Corona-Versuch überhaupt in Frage kommen.

"Es ist sehr schwer einen Impfstoff zu entwickeln, wir brauchen dafür eine ganze Reihe von Tests. Erst müssen wir das Virus genau kennenlernen, bevor wir einen Impfstoff entwickeln können", sagt Dr. Andrew Catchpole, der wissenschaftliche Leiter des Forschungsunternehmens Hvivo, bei dem Pharmafirmen aus der ganzen Welt - auch aus Deutschland - ihre Medikamente und Impfstoffe testen lassen.

Im allerbesten Fall, meint Catchpole, ist vielleicht sogar schon innerhalb eines Jahres ein Impfstoff gegen das Covid-19-Virus gefunden. Alles kommt jetzt auf die internationale Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen an. Bei der Ebola-Bekämpfung in Afrika war sie vorbildlich. Darauf kann man jetzt aufbauen.

Coronavirus-Impfstoff: Wettlauf gegen die Zeit um Milliardenjackpot

Die Entwicklung eines Impfstoffs zu beschleunigen, ist kompliziert. "Wir müssen absolut sicher sein, dass er keine gefährlichen Nebenwirkungen hat, darüber hinaus muss man Viren in großem Stil züchten, testen und das Verfahren bei der europäischen Arzneimittelagentur und auch bei anderen Behörden weltweit genehmigen lassen – all das braucht Zeit.

Die Wissenschaftler in London arbeiten Tag und Nacht in einem Wettlauf gegen die Zeit. Sie wissen, wer als erster einen Impfstoff auf den Markt bringt, kann mit einem Milliardenjackpot rechnen.

Bei Tests in den USA haben schon erste Freiwillige einen neuen Coronavirus-Impfstoff gespritzt bekommen.

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