33-Jähriger bestreitet, sein Kind misshandelt zu haben

Vater soll sein zwölf Wochen altes Baby totgeschüttelt haben - Plädoyers und Urteil erwartet

Der Angeklagte im November 2021 vor Gericht.
Der Angeklagte im November 2021 vor Gericht.
© RTL Nord

14. Januar 2022 - 8:02 Uhr

Vor dem Landgericht Hildesheim muss sich ein 33-Jähriger wegen Totschlags verantworten. Ende März soll er seinen knapp drei Monate alten Sohn Jason so stark geschüttelt haben, dass der Säugling massive Hirnblutungen erlitt. Die Mutter des Kindes war zu diesem Zeitpunkt nicht in der Wohnung. Der kleine Jason soll blau angelaufen sein. Der Vater hatte offenbar selbst den Notruf alarmiert und nach Anleitung des Rettungssanitäters am Telefon versucht, sein Kind wiederzubeleben. Der Junge starb fünf Tage später. An diesem Freitag werden die Plädoyers und möglicherweise auch das Urteil erwartet.

Paar ist überzeugt: Ihr Sohn habe sich beim Milchtrinken verschluckt

Zunächst werde im Prozess noch ein weiterer medizinischer Sachverständiger gehört, sagte ein Sprecher des Landgerichts Hildesheim der Deutschen Presse-Agentur. Der Angeklagte bestreitet, seinen Sohn getötet zu haben. Die Mutter des Kindes hält trotzdem zu ihrem Verlobten. Das Paar ist überzeugt: Ihr Sohn habe sich beim Milchtrinken verschluckt. Der Kleine sei außerdem einen Tag vor seinem Tod geimpft worden. Doch drei unterschiedliche Gutachter kamen zu einem Ergebnis: Es muss ein Schütteltrauma gewesen sein. Nicht nur der Abriss der Brückenvene, sondern auch Nervenzellschäden, Hirnblutungen, Sauerstoffmangel und Einblutungen im Rückenmark würden das zeigen.

Gutachter kamen zu einem Ergebnis

Eine der Rechtsmedizinerinnen hob außerdem noch eine bandförmige Verletzung zwischen Kinn und Lippe hervor. Das sei nicht einem Zusammenstoß zuzuordnen, "es sieht mehr aus wie eine Quetschung." Vor Jasons Geburt soll der Vater Drogen- und Alkoholprobleme gehabt haben. Nach Schätzungen erleiden jedes Jahr in Deutschland 100 bis 200 Babys und Kleinkinder ein Schütteltrauma infolge von Misshandlungen. "Wenn Eltern für einen kurzen Moment die Kontrolle verlieren und ihr schreiendes Baby schütteln, können sie ihm schwere Schäden zufügen, die zu körperlicher und geistiger Behinderung führen können", warnt das 2017 gegründete Bündnis gegen Schütteltrauma. Demnach sterben 10 bis 20 Prozent der betroffenen Kinder an den Folgen. (dpa/rri)

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